Denk mal!
Herzlich willkommen in dieser Rubrik, in der in unregelmäßigen Abständen Texte von mir zu lesen sind, die sich aus meiner Arbeit ergeben
20. Dezember 2011
Neues vom Schlangenberg
Es ist kurz vor Weihnachten, ich erwarte am 26. Dezember die Teilnehmerinnen des Raunachtsseminars „Das Geheimnis des 12. Hauses“ und freue mich schon sehr auf diese besondere Arbeit, die mir die Zeit zwischen den Jahren nun schon seit vielen Jahren freudvoll macht. Auch wenn „freudvoll“ vielleicht ein leicht irreführender Begriff ist, wenn man sich mit dem Tod und allen Facetten des Loslassens und Abschiednehmens beschäftigt, wie wir es tun werden.
Wir haben den Tod jetzt schon wieder zu Besuch bei uns gehabt. Olga, unsere gerade erst eineinhalb Jahre alte Hauskatze ist an Fip, einer unheilbaren Viruserkrankung, gestorben. Nun haben wir nur noch Miroslav (ihren Bruder). Bei unserer Tierärztin sind zwei kleine Katzenbabies abgegeben worden; das eine mit einem gebrochenen Bein. Und ich habe mich entschlossen, sie zu uns zu nehmen. Die werden noch ordentlich was auszustehen haben, wenn sie meiner lauten Hundebande begegnen. Das Wort Stresstest kriegt da gleich eine ganz neue Bedeutung.
Unser Wetter: strahlender Sonnenschein, zwar kalt, aber kein Schnee, hält nun schon seit zwei Wochen an. Von mir aus kann es so bleiben, auch wenn es den Bauern zu trocken ist.
Ich habe mich über die unglaublich vielen Anfragen nach der Blüte des Jahres 2012 sehr gefreut. Und ich wünsche allen viel Freude und Erkenntnisse mit ihren Blüten.
Wir haben das Dach meines Hauses flicken können. Die Schafe sind in den ehemaligen Ziegenstall umgezogen, endlich (Schafe sind fürchterlich konservativ), den Hunden geht es allen gut. Ich plane, meinen einstmals riesigen Gemüsegarten wieder zu aktivieren. Noch mehr Rosenstöcke zu pflanzen. Vielleicht schaffen wir es sogar, einen etwas größeren Teich anzulegen.
Meine Tochter Veda hat eine Hilfsaktion losgetreten, die zu unserer aller Freude Früchte trägt. Eine ihrer Patientinnen, ein mehrfach schwer behindertes Mädchen, das im Rollstuhl sitzt, ist jetzt schon zu groß, um von ihrer Mutter auf die Toilette und in die Badewanne getragen zu werden. Sie benötigt ein behindertengerechtes Badezimmer, aber die Eltern haben die Mittel für einen Umbau nicht. Und so hat Veda hier und dort angefragt und um Hilfe gebeten. Und bekommen! Roundtable, Zontafrauen und Rotarier sowie der von Unternehmern und Banken gesponserte Murfelder Adventlauf helfen mit Geld und Sachspenden bzw. Arbeitszeit. Aber es ist noch lange nicht die erforderliche Summe zusammengekommen. Darum schreibt die Zeitung „woche“ drüber und bittet weiter um Spenden und ich bin ganz hingerissen über so viel Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft. Ich wünsche mir, dass die kleine Celina bis spätestens im kommenden Frühjahr ein schönes neues und vor allem behindertengerechtes Badezimmer bekommen hat.
Die Spenden, die nach wie vor für herrenlose Hunde in Rumänien bei uns ankommen, sind in diesem Jahr an Dana Costin gegangen, die sich überschwänglich dafür bedankt hat. Dana betreut Straßenhunde und vermittelt sie ins Ausland. Sie arbeitet daran, ein großes Areal für kranke, behinderte und alte Straßenhunde aufzubauen, in dem sie leben können und betreut werden. Ich schaue immer, dass die Gelder (sind eh nur Minibeträge) an Menschen gehen, die ihren Tierschutz aus eigener Tasche bestreiten und nicht von einer großen Organisation unterstützt werden.
Ich danke allen, die sich mit ihren Sorgen und Schwierigkeiten an mich gewandt haben für ihr Vertrauen und hoffe, dass alle, die meine Schlangenberg-Essenzen genommen haben, viel Erkenntnisse in ihrem Leben hatten. Danke an alle, die an einem meiner Seminare teilgenommen haben und allen, die im kommenden Jahr bis zum Schlangenberg kommen werden, sage ich: Ich freue mich jetzt schon auf euch. Allen wunderbare, entspannte und genussvolle Feiertage und denkt an die, die es nicht so gut haben. Es ist an der Zeit, dass wir wieder zueinander stehen.
7. Dezember 2012
Deine/Ihre Aufgabe für 2012
Ab heute bis zum 21. Dezember kann jede/r bei mir kostenlos die Blüte und deine Aufgabe für das Jahr 2012 bestellen. Schick mir eine Email an aliti@schlangenberg.at und schon suche ich unter den 50 Blütenkarten die eine aus, die markant dein Jahr 2012 bestimmen wird; samt magischem Zeichen und Erklärung. Also, nur zu!
4. Dezember 2011
Jahresübergang
Mit dem kommenden Jahr verbinden wir alle viel. Die einen erwarten den Weltuntergang (ich frage mich ja immer, unter was soll die Welt denn gehen?), andere den Zusammenbruch unseres ungeliebten, aber nun einzigen Währungssystems, noch andere hoffen auf das Verschwinden des Kapitalismus, rechnen mit Polsprüngen, Kriegsausbruch. Ganz Kühne haben das Erscheinen einer Supernova in unserer Galaxie vorausgesagt und behaupten, wir würden demnächst zwei Sonnen am Himmel sehen. Das ist schon interessant, wovor Menschen sich so fürchten. Aber so ganz von der Hand zu weisen ist die Erwartung des Außergewöhnlichen für das kommende Jahr nicht.
Niemand kann sich dieser eigentlich so harmlosen Zahl 2012 entziehen. Astrologisch gesehen ist die Sache klar: Es ist ein besonderes Jahr, das auf viele Besonderheiten seit der Sonnenfinsternis am 11. August 1999 folgt und im Zusammenhang steht. Seither ist so unvorstellbar Vieles anders geworden. Und das geht weiter. Die Strukturen fallen, stürzen zusammen und zwingen uns zu großer Wachheit und Klarheit.
Ich erspare mir den allgemeinen mundanastrologischen Jahresüberblick in diesem Jahr. Luisa Francia hat auf ihrer Website einen gelungenen mit klaren Worten geschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen. Wie sich das nun im einzelnen Leben darstellt, ist wieder eine andere Sache. Wer das genauer wissen will, kann sich bei mir melden.
Zu keinem anderen Zeitpunkt war ein Seminar, das sich mit dem Loslassen, dem Tod und Abschiednehmen beschäftigt, so angebracht wie in diesem Jahr. Dieser Übergang wird mehr Fragen aufwerfen als in den vergangenen Jahresübergängen und es wird ganz sicher nicht nur die einzelne persönliche Befindlichkeit zum Inhalt haben, sondern um unseren gemeinsamen Weg gehen, der vor uns liegt. Noch nie war es in den letzten zwanzig Jahren so wichtig, dass wir einander die Hände reichen und uns Halt geben auf dem Weg, der vor uns liegt.
Der äußere Trubel um Weihnachten und Silvester wird mir mit jedem Jahr fremder. Das bringt vielleicht das Alter mit sich. Für mich ist es eine Zeit, in der man zusammenrückt und hinauslauscht in die Welt. Hier oben auf dem Schlangenberg gibt es dazu eine grandiose Aussicht, sofern die Herbst- und Winternebel es erlauben. Heute weht ein Wind von Süden und bringt milde, klare, trockene Luft. Ein Hauch von La Paloma.
Fast schon Tradition! Ich lade auch heuer wieder zu den Raunächten auf den Schlangenberg. Genaueres findet ihr hier: hier
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30. Oktober 2011
Endlich! Der Hofladen
Wir wollten schon im Spätsommer starten, nun ist es doch beinahe November geworden: Unser Hofladen ist eröffnet. Schon lange Zeit hatte ich den Wunsch, dass wir vom Schlangenberg, also die beiden Töchter und ich, all die Kostbarkeiten, die unsere unmittelbaren Nachbarn auf dem Schlangenberg produzieren, in die Welt schicken. Ein Hofladen sollte es sein, in dem man Wein, handgeschöpfte Schokolade, Honig, edelste Essige und vieles mehr erstehen kann.
Und so ist es nun gekommen! Auf www.schlangenberg.at könnt ihr euch umschauen, die ersten Schätze vom Schlangenberg sind zum Herzeigen.
Ich freue mich.
17. Oktober 2011
Das Ende des Ich-Zeitalters
Beinahe mein ganzes Berufsleben habe ich damit verbracht, das Ich von Menschen, vor allem von Frauen zu stärken. Sie zu befähigen, auf eigenen Beinen zu stehen, vor allem seelisch; geistig unabhängig zu sein und sich nichts gefallen zu lassen. Es gab die große Welt, also die Welt der Politik und der Wirtschaft, aber das hatte nicht wirklich etwas mit dem Erleben des Einzelnen zu tun. Das Misstrauen gegen die große Welt war immer da. Bei mir wie bei meinen Klientinnen. Wir hatten sie längst durchschaut und jeder, der ernsthaft erwartet hatte, dass auch nur irgendetwas Gutes von dort kommen könne, war naiv. Das ist heute ja nicht anders, nur, dass sich der Schluss, der aus dieser Tatsache, dass die Welt der Politik und der Wirtschaft nichts mit den Interessen, Bedürfnissen, Träumen und Ängsten des Einzelnen zu tun hat, gezogen wird, nun ein anderer sein.
Jahrzehnte haben wir gedacht, dass die doch eh keiner aufhalten kann. Jahrzehnte war es uns wesentlich, in unserem eigenen Leben dafür zu sorgen, dass das Leben in seiner Fülle wahrzunehmen. Tu was du willst, solange du damit keinen anderen an seinem Leben hinderst. Wir wollten ein sinnvolles Leben und wir haben danach gestrebt. Wir wollten ein freies, ein selbstbestimmtes Leben und haben es verwirklicht. Derweil haben die in der großen Welt das ihre getan. Was ging es uns an.
Seit dem Jahre 2000 habe ich in meinen Seminaren immer wieder darauf hingewiesen, dass ab dem Jahr 2008 die Banken krachen werden. Das hatte nicht wirklich etwas mit Wahrsagerei zu tun und auch in den großen Topf der Verschwörungstheorien hatte ich nicht gegriffen. Das ließ und lässt sich ganz leicht aus den astrologischen Konstellationen einiger wesentlicher Himmelskörper ablesen, vorausgesetzt man versteht etwas von Astrologie. Ja, und so kam es dann ja auch. Und so geht es auch noch weiter. Die Welt bleibt wahr und wahrhaftig nicht so wie sie ist. Das ist ja alles erst der Anfang.
Noch 2008 werkelte ich in meinem Leben so dahin. Ich sah die Lehman-Brother-Pleite und alle Folgen, aber was hatte das schon mit mir zu tun. Zwar kam ich aufgrund meiner beruflichen Pläne als Unternehmerin in Berührung mit der großen Welt wie früher nicht, aber ich war noch immer davon überzeugt, dass es diese Parallelwelten gibt. Der Kosmos der Poltik und Finanzen und mein eigener kleiner, in dem Werte und Sinnhaftigkeit noch etwas galten und den ich nicht zu verlassen gedachte.
Das ist nicht mehr so. Ich kann den Blick auf das, was diese große Welt angerichtet hat, nicht mehr abwenden. Ich sehe, dass Nahrungsmittel vor allem auf betrügerische Weise hergestellt werden, was heißen soll, dass immer grade mal so eben Grenzwerte eingehalten werden und Gift überall drin ist. Gift, das Depressionen und Angstzustände auslöst und vieles mehr. Depressionen und Angststörungen nehmen zu. Ärzte geben diesen Menschen Medikamente, die einen Zwang zum Selbstmord auslösen können. Wir haben in unseren Ländern längst amerikanische Verhältnisse, das heißt, eine erhebliche Menge an Menschenb, die trotz Arbeit und Jobs nicht genug verdienen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Wir haben Parteien, die den Fremdenhass schüren und zwar durch alle Farben hindurch. Ein ganzer Kontinent ist bereits in der Armutsfalle und Millionen Menschen hungern in Afrika, weil Spekulanten auf Nahrungsmittel wetten und unsere fetten Nationen verrückte Anführer mit Geld versorgen, das sie in Waffen investieren. Wir haben einen Finanzkrieg Dollar gegen Euro, der unser Europa in die gleiche Armutsfalle bringen wird wie Afrika. Griechenland ist da erst der Anfang. Wir haben manipulierte Häme und Hass auf Griechenland, mit dem die Massen an der Nase herumgeführt werden, um auf diese Weise abgelenkt nicht zu merken, wohin die Milliarden fließen. Wir haben keine Demokratie mehr, sondern eine Oligarchie, und zwar in allen europäischen Ländern wie in den USA. Habe ich noch was vergessen? Mit Sicherheit. Und wir haben mehr und mehr das Gefühl, dass da etwas Ekelhaftes auf uns zukommt.
Die Zeit, sich in seinen individuellen Kosmos zurückzuziehen ist vorüber. Ich lese das erste Kapitel meines Buches „die wilde Frau“ und bin baff. 1992 geschrieben, habe ich präzise gezeichnet, was gerade geschieht. Damals zog ich den Schluss des Rückzugs. Heute ist eine Generation herangewachsen, die einen anderen Schluss zieht. Zu recht. Was jetzt noch nilft, ist ein ganz großes dickes fettes WIR.
Ich bin heilfroh und voller Hoffnung über diese ersten Regungen in den arabischen Ländern, in Amerika und den Ländern Europas. Der Erfolg der Piratenpartei in Deutschland soll als ein Zeichen genommen werden, dass es mittlerweile sogar besser ist, einen Haufen Chaoten und sympathische Vollidioten zu wählen als irgendeinen Angehörigen der politischen Klasse. Wobei ich der Meinung bin, dass es wunderbar wäre, wenn die Beteiligung bei Wahlen bis auf 20 % sinken würde. Das wäre ein Zeichen. Ich bin heilfroh und voller Hoffnung, dass wir beginnen, auf eine neue Weise nicht mehr mitzumachen.
Vor ein paar Tagen schrieb mir eine Frau, dass ihr meine ewigen Angriffe auf das Patriarchat in meinen alten Büchern auf den Geist gingen. Lustig, ich lese nach und finde, dass gerade die letzten drei Jahre gezeigt haben, wie recht ich hatte. Diese Welt vor allem in den Händen der Männer, oder besser gesagt nach einem dominant männlichen System geführt, bringt uns alle um, weil es lebensfeindlich ist.
Ich beziehe mich da auf einen Mann, um zu belegen, worauf es in Zukunft ankommen wird. Patch Adams, der Arzt, der unter anderem die Clowns-Doktoren erfunden hat, hat gesagt, dass wir eine mütterliche Welt brauchen. Eine Welt, in der man sich um den anderen kümmert und schaut, dass es allen gut geht. Eine Welt, in der Empathie das Wichtigste überhaupt ist. Wir brauchen also keine Welt, in der mehr Frauen das System männliche Welt bedienen, sondern eine Welt, in der Frauen wie Männer dem System mütterliche Welt dienen. Habe ich immer gesagt.
Das Bankensystem, der Kapitalismus, der sich seit Ende des Lügensozialismus ungeniert und ungebremst Regierungen, Nationen, Menschen einverleibt und unsere Demokratie bis zur Lächerlichkeit ausgehöhlt hat ist das männliche System. Die Geld-Magie ist mächtig und dennoch ein Witz, der nur funktioniert, weil alle dran glauben. Im Grunde glauben wir solange dran, bis wir dran glauben müssen. Dass es jetzt darum geht, dass Menschen sagen, WIR haben genug, ist der Hoffnungsschimmer. Noch schiebt man uns in die Ecke Populismus. Da kann ich nur sagen: Avanti populi!
Ich beschäftige mich in meinem Berufsalltag auch weiterhin mit den individuellen Auswirkungen dieses Systems. Es sind vor allem die Opfer von Menschen, die nicht fühlen können, die zu mir kommen. Dass Kapitalismus und Diktatur der Finanzwelt und unerträgliche Zustände in der Arbeitswelt etwas mit Persönlichkeitsstörungen zu tun haben, ist den wenigsten klar. Aber es bedarf des Wirkens von Soziopathen, Psychopathen und Borderlinern, um so einen Schlamassel anzurichten, wie wir ihn jetzt in der Welt haben. Menschen, denen es nicht möglich ist, Empathie zu entwickeln, weil sie es schlichtweg nicht können und deren Blick auf die Welt vor allem dadurch geprägt ist, dass sie sich bei allem was sie tun fragen, ob es ihnen etwas bringt oder nicht. Man rechnet, dass 4 bis 6 % einer Bevölkerung dazu zählen. Besonders gern halten sie sich in den Machtzentren der Welt auf. Aber sie sind auch Väter und Mütter, Bruder und Schwester, Kollege, Chef, Nachbar und Freund. Ihnen müssen wir den Kampf ansagen. Wir. Wir alle. Wir alle, die wir fühlen können und nicht mehr in einer Welt leben wollen, in der es auf uns nicht ankommt.
9. Oktober 2011
Sechs Oktaven zwischen Werden und Vergehen
Der Weg vom Werden zum Vergehen verläuft immer gleich. Im Großen wie im Kleinen. Wenn wir wissen, wie die Energien ihren Weg nehmen, fällt es uns möglicherweise leichter, unseren Weg unbeirrt zu gehen. Begleitet von den Schlangenberg-Essenzen ist es noch einfacher.
Darum will ich dieses Prinzip hier beschreiben. In der Ausbildung zur Schlangenberg-Essenzenberaterin lernen wir, die einzelnen Essenzen diesem Prinzip des Werdens und Vergehens, das sich auf immer höheren Stufen vollzieht, zuzuordnen.
Sechsmal vollzieht sich in unserem Leben eine große Transformation. Von den kleinen, den tausend Toden, die wir täglich sterben müssen, wollen wir hier gar nicht erst anfangen. Sechs Oktaven umfasst die Melodie unseres Lebens. Sechs Stufen, auf denen wir bis in den Himmel gelangen.
Vor jedem großen Sprung wie vor jeder kleinen Entscheidung müssen wir jedoch eine wichtige Frage klären. Die Frage, ob wir überhaupt wollen.
Das ist gar nicht so selbstverständlich, wie es zunächst einmal erscheint. Ich kenne Menschen, die haben sich diese Frage in ihrem ganzen Leben noch nicht ein einziges Mal gestellt. Vor allem dann nicht, wenn sie vor den großen Wechselfälle des Lebens stehen, den großen Quantensprüngen in ein neues, ein bis dahin noch unbekanntes, quasi ungeborenes Ich.
Es gibt im Leben aller Menschen einen Augenblick, da muss das ganz große OB entschieden werden. Da entscheiden wir, ob wir für oder gegen das Leben handeln. Diese Entscheidung löst, so wir uns für das Leben entscheiden, die meisten unserer Probleme. Entscheiden wir uns dagegen, wird das Leben immer schwerer.
Mit der Entscheidung für das Leben wird das Leben nicht einfacher, aber klarer. Und die Frage begleitet uns dennoch weiterhin. In allen Lebenslagen. Das ist nichts Schlimmes. Einen größeren Lebenshelfer gibt es nicht.
Die Antwort darauf entscheidet, ob man diesen oder jenen Weg einschlagen will; ob man diese Entscheidung trifft oder nicht oder eine andere oder keine. Eines ist immer gleich: Diese Frage führt nach innen. Direkt zu Dir. Denn die Frage richtet sich im Grunde an Dein Herz. Was fühlst Du? Was spürst Du? Wird es eher weit oder eher eng?
Normalerweise übergehen wir das OB. Wie in einem unbewussten Reflex gehen wir sofort nach außen. Meist hin zu unserem hauptsächlichen Entscheidungs-Punkt; zur Frage: "Kann ich mir das leisten?" Damit machen wir das Geld zum Maßstab - und geben diesem auch auf subtile Weise die Macht.
Anders betrachtet: Reflexartig schauen wir nach Grenzen - anstatt nach dem, was sich in uns zeigt. Wir blicken innerlich eher auf eine Mauer, meist auf die Mauer unserer engen Vorstellungen - anstatt zunächst sich selbst die Erlaubnis zu geben - sich selbst den Raum zu geben - zu erspüren, was "ich" wirklich will. So ist zuerst zu klären, ob die Arbeit mit den Schlangenberg-Essenzen oder die Möglichkeit in diesem Zusammenhang zu unterrichten speziell Resonanz in Dir auslöst und wenn ja in welche Richtung?
Das OB zu klären führt zu Klarheit. Aus dieser Klarheit entsteht eine Wahl. oder nicht.
Bevor das OB sauber geklärt ist, darf die Frage, wie das denn möglich werden soll, nicht gestellt werden. Denn die Frage WIE Du irgendetwas erreicht, ist an diesem Punkt nicht wichtig. Viel wichtiger ist im ersten Schritt, OB Du das überhaupt erleben willst, was mit deiner Entscheidung kommen wird.
Und wenn JA, dann ist es gut, über die Mauer zu steigen und den Raum der Möglichkeiten zu betreten.
Die erste Stufe – der Beginn
Ich gehe davon aus, dass der Beginn der Reise darin besteht, Klarheit über dein Lebensziel, deinen Herzenswunsch zu bekommen. Denn nur aus dieser Klarheit kannst du deine Aufmerksamkeit ausrichten und einen Gedanken durch die Schleier des Zweifels senden, ihn energetisch aufladen und kontinuierlich halten. Daher besteht der erste Schritt darin, Wünsche umzuwandeln - zu transferieren - in reine Absicht.
Wünsche sind wie Luftballons. Bunt. Wir haben viele. Wünsche kommen und gehen. Und dann kommt einer - und der ist es. Dieser verdichtet sich. Du spürst: Ja, das möchte ich wirklich erleben.
Diesen Wunsch nimmst du - wie einen Luftballon - und lässt ihn gewissermaßen platzen. Dieser Wunsch verwandelt sich in deinem Energiefeld zu reiner Absicht. Du weißt auf einmal: dafür brennst du. Dafür bist du bereit, dein Bestes zu geben. Deine Hingabe, Deine Fähigkeiten, dein Vertrauen, Kontinuität und eine Disziplin der Freude.
Ab diesem Moment denkst du weniger in Gegensätzen sondern mehr in Unterscheidungen. Du ziehst Möglichkeiten an und handelst analog zu deiner Absicht. Kontinuierlich.
Zweiter Schritt – die Struktur erschaffen
Viele Menschen denken, es genüge einfach - einen Wunsch ins Universum zu senden. Dieser erfüllt sich dann schon. In gewissem Sinne stimmt das. Denn im Gedanken enthalten ist die Kraft zur Realisierung in unserer dreidimensionalen Welt. Der Gedanke triggert gewissermaßen eine implizite (eingefaltete) Ordnung an, die sich entfalten (explizit) will. Doch manchmal nicht kann. Mehr noch: Es in dieser Form auch höchst selten tut. Wieso wohl? Wie oft geschieht es tatsächlich, dass du etwas denkst und schwups-di-wupp kommen die gebratenen Gänse geflogen?
Klug ist es, eine Struktur zu weben. Eine Art Matrix - in die hinein sich dein Wunsch manifestieren kann.
Wer sich ein Auto wünscht, sollte zumindest den Führerschein gemacht haben. Wer einen Samen in die Erde steckt, sollte ihn nicht alle zwei Tage ausgraben, um nachzuschauen, dass er wirklich gesät wurde, sondern gießen, gießen, gießen.
Wenn es nicht so klappt wie du willst, dann beschäftige dich mit deinen Glaubenssätzen, die dir im Wege stehen, um eine wirksame Struktur zu erschaffen; das Flussbett zu graben, in den sich das Wasser der Erfüllung ergießen wird. Oder Wolken zu schieben, damit die Sonne scheinen kann.
Dritter Schritt – Im Fokus oder Brennpunkt
Nun sammeln sich die Lichtstrahlen. Diese bündeln sich an einem Punkt; eben dem Fokus. Die Kunst besteht darin, die Aufmerksamkeit auf das innere Bild gerichtet zu halten.
Ja - diesem mehr Realitätsgewicht zu geben als den äußeren Bildern, die uns die Sinne spiegeln. Und von denen wir sagen: >Das ist real.<
Tatsächlich kollabieren unsere inneren Bilder in die äußere Realität. Das Innen drängt nach außen. Das ist gleichzeitig das Zentrum des Paradigmenwechsels, in dem wir leben. Die Herausforderung hier ist, den Sinnen zu mißtrauen und: den Fokus zu halten. Kontinuierlich. Und zwar in der Frequenz der Freude - auf das innere Bild. Wir nähren es. Wir lieben es. Wir beseelen es. Und dann kommt’s. Man könnte an diesem Punkt sagen: alles ist da. Aber wo bist du?
Vierter Schritt: wu-wei. Das Prinzip des Zulassens.
Möglicherweise der schwierigste Punkt. Denn wu-wei ist für den Verstand nicht zu verstehen. Es würde den Rahmen hier weit sprengen, das näher zu erläutern. Gerne verweise ich auf das Buch wu-wei. Das Gesetz des Zulassens fordert uns auf, rezeptiv zu sein, zu antworten im Sinne von Verantwortung. Wir gestalten, in dem wir mitfließen.
Die Bewegung kommt aus der Bewegung. Es gibt keinen Manager, der den Ozean bewegt. Alles ist ein gegenseitiges Erzeugen und Zulassen.
Dieser Punkt macht deutlich, wie sehr uns ein neues Verständnis wegführt von gewohnten Denklandschaften.
Wenn das erfolgt, kommt der Erfolg. Aber was ist Erfolg? Ein Prozess.
Fünfter Schritt - Der Prozess.
Auch dieser Punkt zertrümmert unser gewohntes Schema. Wir denken normalerweise in Zielen und Maßnahmen; in Soll-Ist-Vergleichen; in Kategorien von Mittel und Zweck. Für uns ist der Held der Akteur. Wir glorifizieren den Handelnden.
Man kann es aber auch so sehen: In der Situation selbst ist der gesamte Prozess und das Ergebnis enthalten. Du kannst das vergleichen mit der Quelle, dem Fluss und dem Meer.
Daher besteht Lebenskunst darin, den Prozess zu sehen, zu verstehen, die Geschenke (Merits) in vielen Momenten zu erkennen und: mitzufließen. Der Prozess selbst ist der Lehrmeister. Wir können Bedingungen schaffen, Strukturen wie bereits erwähnt; wir können kontinuierlich Akzente setzen wie der achtsame Gärtner, der die Pflanze schützt und wässert und im übrigen die Pflanze wachsen lässt.
Der Prozess ist der Lehrmeister. Er zeigt uns Neigungen und Tendenzen, Risse und Spuren des Werdens. Wie gesagt: Im Potenzial der Situation ist alles enthalten. Der zarte Beginn, die sanfte Entfaltung, das erträumte Ergebnis. Das Meer - sagt LaoTse - ist der Diener von 1.000 Flüssen. Es liegt am niedersten - doch alle Flüsse münden darin.
Sechster Schritt - Kein Schritt mehr, der Sprung - Die nächste Oktave.
Die Evolution des Werdens kennt kein Ende. Die Herausforderung in der Kunst der Manifestation besteht darin, etwas im vorhinein festzulegen, es hervorzurufen, zuzulassen und das Ergebnis zu zelebrieren.
Zu feiern im Jubel des Moments. Die Geburt ins nächste, noch unbekannte Ich. Dazu muss sterben, was bis zu diesem Punkt wurde. Kein Bedauern. Das Staunen ist groß, wenn wir auf der nächsthöheren Ebene geboren werden. Wieder um einen Ring gewachsen auf der Spirale in den Himmel. Und alles beginnt von vorn.
Copyright 2011 by Angelika Aliti
Kein DenkMal, sondern ein SchauMal: www.youtube.com/watch Hab ein neues Lesungsfilmchen. Erfüllung2
27. September 2011
DIE BÜCHER SIND DA!!
Heute aus der Druckerei gekommen: Der Krimi "Lumpenpack" und die Neuauflage von "Die wilde Frau" sind da. Morgen wird ausgeliefert, sagt der Verlag. Ich halte die ersten Exemplare aufgeregt und tief gerührt in der Hand. Immer wieder eine große Sache, wenn es dann ein Buch geworden ist, was bis dahin ein viel korrigiertes Manuskript war. Ich freue mich!!
20. September 2011
Rein ins Raus
Herbst auf dem Schlangenberg
Im Herbst liegt ein ganz eigener Zauber über dem Schlangenberg. Wir wollen Maroni braten, Sturm trinken, Schnaps brennen, eine Wanderung über die Hügel der Südoststeiermark machen und mit einem Erdungsritual den Herbst feiern.
Wir werden eine kleine, aber feine Gruppe sein und 4 Tage lang gemeinsam lachen, genießen, in die Tiefe gehen und in die Weite schauen.
Das Programm:
1. Tag
Ankunft –
Labyrinth-Eröffnungsritual,
Esskastanien im Wald sammeln, ein großes Feuer bauen,
großes Maronibraten am Lagerfeuer mit und ohne Sturm (Sturm ist der junge vergorene Wein, Federweißer)
2. Tag
Wandertag.
Strecke: Feldbach, Kalvarienberg, Prädiberg, Fischa, Burgfried, Maierdorf, Hochegg, Wetterkogel, Trautmannsdorf, Bad Gleichenberg
Ca. 6 Stunden Wanderzeit. Rückfahrt nach Gnas mit der kleinen Gleichenbergerbahn
3. Tag
Schnaps brennen. Wir haben die Lizenz zum Brennen und werden in der großen Schnapsbrennanlage am Schlangenberg feinsten Birnen- und Tresterschnaps destillieren. Alle Teilnehmer bekommen ihren Anteil an der Ausbeute
Abends hören wir heilende Geschichten am Spinnrad.
4. Tag
Abreise
Erntedank-Ritual im Labyrinth
Termin: 13. – 16. Oktober 2011
Teilnahmegebühr 240 Euro ohne Verpflegung und Übernachtung.
Freundinnenbonus: Wenn du mit deiner Freundin/Liebsten kommst, zahlt nur eine von beiden.
Der Alptraum des Großvaters
Ich hatte früher, als junge Frau, viele Träume, in denen ich mich in einem Konzentrationslager befand. Auch mein Sohn träumte in den Zeiten seiner Pubertät häufiger, dass er in einem Konzentrationslager gefangen gewesen sei. Nun könnte man sagen, dass es vielleicht damit zusammenhängt, dass sowohl ich als auch Jahrzehnte später mein Sohn sich sehr bewusst mit den Gräueln der Nazizeit auseinandergesetzt haben. Aber ich glaube, es hat noch andere Gründe. Meine KZ-Träume waren begleitet von einem Gefühl, mich dort im Lager genau auszukennen. Es war ein mir bekanntes Empfinden, dort gefangen zu sein. Genauso ging es meinem Sohn. Könnte es vielleicht damit zusammenhängen, dass mein Vater diesen Alptraum in der Wirklichkeit erlebt hat? Er saß Jahre in einem KZ. Er hat nicht viel über diese Zeit seines Lebens erzählt. Es können also auch kaum nächtliche Verarbeitungen von geschildertem Grauen gewesen sein. Dennoch ist in uns, was ihm widerfahren ist.
Wir wissen, dass die Traumata, die ein Mensch erlitten hat, auch die nachfolgenden Generationen traumatisiert. Heute können Wissenschaftler dies sogar beweisen. Epigenetik, das ist ein noch recht junger Zweig der Biologie. Mit ihr lässt sich sogar nachweisen, dass die Essgewohnheiten der Großmutter das Leben der Enkelin stark beeinflussen. DNA ist also nicht alles. Gene tragen das Grauen unserer Vorfahren in sich. Umwelteinflüsse aktivieren es und wir erleben es, als sei es unser eigenes, völlig unabhängiges Befinden.
Jeder Mensch hat ungefähr 4000 Vorfahren, heißt es. Das sind grob gerechnet 200 000 Jahre. Und wenn ich mich recht entsinne, so waren dies mehrheitlich nicht gerade friedliche Epochen. Die letzte Epoche des Schreckens endete für uns Bewohner der westlichen Welt 1945. Für andere noch später. In Bosnien und im Kosovo beispielsweise. Von anderen Kontinenten ganz zu schweigen, deren Flüchtlinge heute bei uns und anderswo an die Türen klopfen. Und ihre Traumata bis in die Zukunft ihrer Kindes und Kindeskinder weitergeben werden. Keine besonders erfreulichen Aussichten. Oder eine große Aufgabe, je nachdem wie wir es sehen wollen. Das einzige bekannte, jedoch hochwirksame Mittel gegen die Alpträume unserer Vorfahren ist die bewusste Auseinandersetzung damit. Und natürlich die Liebe. Liebe, die wir unseren Kindern angedeihen lassen. Liebe, die unsere bewusste Auseinandersetzung mit der Vergangenheit begleitet.
24. August 2011
Wieder ein Krimi – nach so langer Zeit
Meine treuen LeserInnen werden sich noch an meine drei Krimis erinnern. Damals ermittelte die Schwarze Witwe gemeinsam mit ihrer Hausamazone. Besonders geliebte Figur war Frieda, die Frau aus dem Wald. Ich erinnere mich an eine Lesung in der Frauenbibliothek Mona Liesa in Leipzig, als ganze Reihen unter den Zuschauerinnen den Text auswendig kannten und mitsprachen. Da war ich sprachlos.
Nun ist viel Zeit vergangen. Und ein neuer Krimi von mir erscheint. Ein anderes Paar ermittelt. Und wieder gibt es eine dritte Person, die eine nicht geringe Rolle spielt. Diesmal ermittelt Lois Pammer, ein Dorfpolizist aus Bierbaum gemeinsam mit Antonia Azurra, einer melancholischen Schriftstellerin in ihren späten Fünfzigern. Und die dritte Person ist ein Er. Franz Josef, ein Yorkshireterrier, der dem baumlangen Lois zugelaufen ist und gewisse Talente entfaltet, die ein Polizeihund auch nicht besser vorweist.
Für die SteirerInnen gibt es viel wiederzuerkennen. Bierbaum am Auersbach, St. Peter, Pertlstein mit Burg Bertholdstein, Gnas, Feldbach, Fehring und Graz. Für meine entfernter gelegene Leserschaft habe ich hoffentlich ein liebevolles und messerscharfes Bild gezeichnet aus einer Welt, die sich von anderen Regionen in Österreich und Deutschland gar nicht so sehr unterscheidet und doch so ihre Eigenheiten hat. Es geht um korrupte Politiker und mafiöse Wirtschaftszampanos, die es in Wahrheit natürlich genauso wenig gibt wie kriminelle Finanzminister, die selber Steuern hinterzogen haben.(Es gibt ja Leute, die behaupten, es hätte bei uns in Österreich in nicht allzu ferner Vergangenheit einmal einen solchen Minister gegeben). Ich hoffe, ihr findet die Geschichte spannend. Immerhin kommt ein toter Theaterintendant vor, ein komplett verschwundener Kulturfestival-Etat und der hässlichste Kirchturm der Welt.
Der Krimi erscheint im Oktober im Verlag Edition Schlangenberg. Wer den Krimi schon vorab bestellt, erhält einen Rabatt durch den Subskriptionspreis. Regulärer Preis: Euro 14,90. Subskriptionspreis Euro 12,40,--. Dies Angebot gilt bis 30. September 2011.
10. August 2011
Immer wieder gehe auch ich ins Labyrinth
Vor mir liegen die großen Steinkreise, die altvertraute Form; ein mächtiges Zeichen, das ich vor drei Sommern zusammen mit einigen anderen in die Wiese gelegt habe. Zwölf Tonnen Steine haben wir damals geschleppt. Von oben beim Holzhaus die hundert Meter hinunter auf den Platz, den ich damals habe ebnen lassen, damit das begehbare Labyrinth entstehen kann. Ich sitze im Gras und schaue in die Ferne hinüber nach Slowenien, wo sich die Berge blau verfärben und das Blau heller werdend in den Himmel übergeht. Die Hunde habe ich ins Haus gesperrt. Die Schafe sind mit mir gekommen und weiden jetzt auf den Wegen zwischen den Steinkreisen. Das erspart mir nicht wirklich die anstrengende Unkrautrupferei, damit die Steine nicht zuwachsen. Aber es hilft. Ein wenig. Ich weiß, dass es sehr still ist auf dem Schlangenberg. Ich selbst bemerke es nicht mehr. Aber die Besucher sagen es immer wieder und wie gut ihnen das tut. Manche beunruhigt es auch, weil das Innenleben auf einmal so leicht wahrnehmbar ist. Es ist, als hätte man in einem Auto plötzlich die Innenbeleuchtung angeknipst.
Der Luxus, ein großes, begehbares Labyrinth direkt vor der Haustür liegen zu haben, ist mir täglich bewusst. Dennoch – man geht ja nicht täglich drin spazieren als wäre es ein nettes gärtnerisches Ornament. So ein Labyrinth macht ja was mit einem. In diesen Zeiten habe ich allerdings öfter das Bedürfnis, mich auf diese Weise zu zentrieren; ins Zentrum meiner selbst, meiner Seele zu begeben. Zwar geht es mir in diesem Sommer so gut wie lange nicht mehr, aber ich nehme die Witterung der kommenden Aufgaben auf und brauche die innerliche Sammlung; den reflektierenden Rückblick; den Überblick über das, was ist und das was kommen soll.
Also schreite ich die Windungen ab, die das Außenleben auf Distanz bringen. Man geht und geht. Selbst, wenn man das ja weiß, ist das Erlebnis des Abschreitens immer wieder neu. Ich nehme alle bewussten Gedanken mit; alle Ängste und alle Hoffnungen; auch an Erwartungen mangelt es nicht. Und dann bin ich im Innersten angelangt und setzte mich auf den großen Stein in der Mitte. Anfangs rauschen einem die lächerlichsten Gedanken durch den Kopf. Machen die Hunde oben keinen Blödsinn? Hat da nicht das Handy geläutet? Ich sollte mehr Unkraut rupfen. Welche Rechnungen muss ich noch überweisen. Und so weiter. Aber dann, nach einer Weile wird der Atem ruhiger und das große Innehalten beginnt. Jetzt gibt es nichts mehr zu tun. Nichts zu überlegen. Die Kopfmaschine runterfahren. Das Geplapper der tausend Stimmen in meinem Kopf stilllegen. Atmen. Tief atmen. Den Blick in absichtsloser Absicht schweifen lassen. Nicht fokussieren. Schweifen lassen. Jetzt stört die blöde Wespe. Am Rücken juckt es. Ich habe Durst. Weiß nichts mit mir anzufangen, drum ist mir fad. Aber auch das geht vorüber. Alles darf sein. Nichts wollen. Alles darf sein. Und schön langsam schließt sich wirklich der letzte Steinkreis und es beginnt. Das Spiel, der Tanz, die andere Wirklichkeit. In dem Maße, wie meine äußere, die materiell wahrnehmbare Welt so klein wird wie dieser Steinkreis entfaltet sich die andere Wirklichkeit vor meinen inneren Augen, meinen inneren Ohren und öffnet mir das Herz. Ich kann fühlen, wie etwas Unsichtbares meine Hände ergreift und hält. Vor Jahren noch hätte ich Angst gehabt, dass ich verrückt werde. Heute weiß ich nicht viel mehr, nur, dass es das gibt, dass etwas Unsichtbares einem die Hände halten kann. Ich kann meine eigene Kraft spüren und ich weiß, dass ich jetzt in einen Dialog mit einer anderen Kraft komme, der ich vertrauen kann. Ich trage alle meine Bitten vor, breite Ängste und Sorgen aus, Hoffnungen und Wünsche, aber nicht nur das. Ich habe auch etwas mitgebracht. Ein kleines Lied, ein wenig Rosenwasser, ein paar Essenzen. Während ich das Lied singe, verschütte ich das Rosenwasser und gebe ein paar Tropfen der Essenzen auf den Stein in der Mitte. Dann bedanke ich mich und wende mich zum Gehen. Der lange Weg des Labyrinths muss ja auch zurückgegangen werden. Die Schafe sind längst wieder nach oben gegangen. Ich bin ganz allein. Am Ende gelange ich ins Freie.
31. Juli 2011
Das Wohlwollen der Männer
Ich bin vor kurzem mit einer Sorte Männer zusammengeknallt, von denen ich annahm, dass sie längst ausgestorben, respektive sich allenfalls in gesellschaftlichen Nischen und Biotopen noch mühsam aufrecht erhält. Heute habe ich die Kolumne von Helmut Gansterer, einem Journalisten, dessen Beiträge ich ob seiner brillianten Formulierungen ich sehr schätze und bin auf eine Aussage gestoßen, die mir erstens erklärt, dass diese fossil geglaubten frauenverachtenden Typen noch immer weit verbreitet sind und vor allem warum.
Denn die Frage, warum bestimmte Männer, die eigentlich genügend Grips in der Birne haben sollten, um es nicht nötig zu haben, Frauen als zweitrangig zu betrachten es dennoch offenbar dringend notwendig haben, beschäftigt mich schon mein Leben lang. Ich meine nicht die offen und unverhohlen Frauen hassenden Kerle, sondern die eigentlich Netten, eigentlich Zivilisierten, eigentlich Intelligenten. Die, die die Abwertung von Frauen mit Freundlichkeit verbrämen und mühelos und manipulativ jede Gegenwehr als Beweis für die Zweitrangigkeit der Frauen hinstellen. Gansterer hat die Hosen heruntergelassen als er schrieb, dass Frauen keine Manieren hätten, undankbar seien, - und jetzt kommt’s – obwohl sie doch auf das Wohlwollen der Männer angewiesen seien.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.
Wir, beziehungsweise unsere Vorfahrinnen, haben es erfolgreich geschafft, dass wir wählen dürfen; dass wir studieren dürfen; dass wir uns die Männer aussuchen dürfen, die wir heiraten wollen; dass wir jeden Beruf ausüben dürfen, der uns passt. Das Lebensmotto der Frauen noch des frühen 20. Jahrhunderts lautete: Ohne Mann kein Leben. Das war – wir sollten es uns vor Augen halten – vor knapp hundert Jahren. In den letzten vierzig Jahren haben wir erreicht, dass Frauen berufstätige Wesen sind, die wählen, studieren, nicht zwangsweise heiraten, allein Kinder aufziehen und so weiter. Der Mann ist nicht mehr der Garant für unser Überleben. Aber – die Sache wollte und will nicht so recht in Schwung kommen. Warum? In dreißig Jahren Arbeit mit Frauen habe ich die Erfahrung gemacht, dass Frauen sich gern und häufig so verhalten, als gälte das alte Motto ‚ohne Mann kein Leben’ immer noch. Gansterer liefert die Erklärung. Wir Frauen leben mit Männern zusammen, die glauben, wir wären auf ihr Wohlwollen angewiesen. Das erklärt, warum mir, die ich nicht auf das Wohlwollen von solchen Männern angewiesen bin, von eben diesen Männern das Attribut „selbstsicher“ verliehen wird, als wäre es ein Makel, eine Peinlichkeit, auf jeden Fall ein Vorwurf, ja teilweise klingt es sogar wie eine versteckte Drohung. Das erklärt auch, warum Frauen jeden Schritt in ihre Unabhängigkeit mit einem sauschlechten Gewissen bezahlen, als würden sie damit den Mann bestehlen. Ich habe ein Leben frei von Protektion durch Männer geführt. Was ich mir aufgebaut habe, was ich erreicht habe, habe ich keinem Mann zu verdanken. Die meisten Frauen aber, die ich kenne, haben ihr Leben mit Protektion der Männer aufgebaut. Ohne deren Hilfe und Unterstützung wären sie nicht weitergekommen. Oder ist es eigentlich umgekehrt? Ist es nicht vielleicht eher so, dass die meisten Frauen ihre Kraft, ihre Kreativität, ihre Liebe und Zeit in den Aufbau des Lebens der Männer fließen lassen? Und damit sie nicht gar so seelisch und geistig verhungern, haben sie mit Wohlwollen der Männer auch ein wenig Karriere machen dürfen? Oder ein Leben in Wohlstand und in der Freiheit, nicht arbeiten zu müssen geschenkt bekommen?
Ich bin unendlich froh, dass es in diesem Herbst zwei offizielle Antworten von mir dazu gibt. Die erste Antwort ist die Wiederauflage von „Die wilde Frau“, ein Buch, das sei fast zwanzig Jahren unzähligen Frauen dazu verholfen hat, aufzuwachen. Und es erscheint ein neuer Krimi, in der zwei Frauen, die bisher auf das Wohlwollen ihrer mächtigen Männer angewiesen waren, diese über die Klinge springen lassen und ihnen das Handwerk legen. Auf das Wohlwollen von Männern angewiesen? Ich kann gar nicht schildern, wie zornesbebend ich bin.
20. Juli 2011
Die wilde Frau ist zurück!
Ich kann es kaum glauben, aber es ist nun endlich, endlich wahr: Mein lang vergriffenes Buch „Die wilde Frau“ wird wieder aufgelegt und ist ab Herbst im Buchhandel und natürlich direkt beim Verlag edition schlangenberg erhältlich. Ich habe ein neues Vorwort beigesteuert.
Vorbestellungen nimmt der Verlag bereits jetzt entgegen.
Ich bin immer wieder erstaunt, dass dieses Buch seine Aktualität nicht verloren hat. Es war zwölf Jahre lang auf dem Markt. Ein Klassiker! Das ist schon ein kleines Wunder, denn der Buchmarkt ist so schnelllebig geworden, dass kaum ein Buch länger als zwei Jahre auf dem Markt ist. Und nun wagt edition schlangenberg eine Neuauflage, weil die Nachfrage noch immer vorhanden ist.
Ich freue mich!
13. Juli 2011
Raus aus der Komfortzone!
Das Leben vollzieht sich in wachsenden Ringen. Das wissen wir spätestens, seit Rilke darüber ein wunderschönes Gedicht geschrieben hat. Was Rilke nicht wissen konnte: die Ringe haben Namen, oder vielmehr die Räume zwischen den Ringen.
Der zentrale innere Raum, um den der erste Ring geht, in dem das Ich sozusagen steht, ist die Komfortzone. Um den schmiegt sich die Lernzone an. Und der äußerste Ring heißt Risikozone.
Die Komfortzone ist unser Sicherheitspaket, der innere Raum, in dem wir nicht viel nachdenken müssen. In dem alles seinen Platz hat und keine Überraschungen drohen. Das kann mit einem realen Raum in der echten Welt identisch sein. Aber es ist ein Zustand, eine Befindlichkeit. Gekoppelt an soziale Beziehungen, die unser volles Vertrauen haben. Sicherheit, Zufriedenheit und Geborgenheit. Danach streben wir die meiste Zeit. Und doch sollten wir wissen, dass wir heute noch schlichte Amöben wären, wenn es das Ziel des Lebens wäre, in der Komfortzone auszuharren. Erfreulicherweise haben die Götter uns die Neugierde geschenkt. Und wo die fehlt, findet das Leben andere Mittel um uns aus der Komfortzone hinauszukatapultieren. Oder herauszulocken. Je nachdem. Auf jeden Fall wird es von da an ungemütlich. In der Lernzone kennen wir uns nicht aus und Unsicherheit bestimmt unser Leben. Dies führt – je nach Temperament und Naturell – zu interessanten Empfindungen. Angst ist wohl immer und bei allen dabei. Dies ist nun die Chance, über sich hinauszuwachsen. Und das ist nun die entscheidende Frage: Bist du bereit, den Verlust und das Verlassen der Komfortzone als Herausforderung anzunehmen oder gehörst du zu denen, die sich sperren und weigern bis es wehtut und auch noch dann, wenn sie aus der Komfortzone rausgeflogen sind (denn das passiert!) noch zetern und jammern und vor allem damit beschäftigt sind, die Schuldigen zu finden, die dafür verantwortlich sind, dass man es nicht mehr so bequem hat.
Und dann ist da ja auch noch die Risikozone, der dritte Ring. Manchmal ist es eine ziemliche Fiesiko-Zone. Vor allem für die, die sich da mit Juhu hineinwerfen. Nach dem Motto: wenn die Lernzone so supergut gegangen ist, wie superbesser muss es da erst in der Risikozone laufen. Aber die heißt ja nicht ohne Grund so wie sie heißt. Wer sich so weit vorwagt, kann natürlich tief fallen. Muss aber nicht. Für die ganz, ganz wichtigen Dinge im Leben braucht es den Schritt ins völlig Unbekannte, ins Risiko. Wenn es gut geht, dann ist es das Schönste, was einem passieren kann. Wenn nicht, versucht man es später noch einmal. Hier hat einen die Angst fest im Griff. Und das ist auch gut so. Denn hier ist sie so etwas wie das trittsichere Kamel in der Wüste.
Manche bleiben in der Komfortzone. Mit allen Mitteln. Die tun dann jahrein jahraus immer dasselbe. Ich kenne ein paar von der Sorte. Soll man sie sich selbst überlassen, soll man sie bedauern? Keine Ahnung. Auf jeden Fall sollte man sich mit ihnen nicht länger aufhalten als unbedingt notwendig. Denn die einschläfernde Eintönigkeit ihres Lebens hat nicht nur eine ebensolche Auswirkung auf einen selbst, nein, wenn man nicht aufpasst, haben die einen ruckzuck ausgezutzelt und laben sich an fremder Energie, denn anders kommen die nicht mehr klar in ihrem eigenen kleinen Mief. Die sich in die Lernzone wagen, werden feststellen, dass die sich eines Tages wieder in eine Komfortzone gewandelt hat. Man hat gelernt. Man kennt sich nun aus. Man genießt, dass der eigene Radius größer geworden ist. Das soll man für eine Weile genießen. Aber dann, schön langsam, wird es wieder eng und ein neuer Schritt hinein in die Lernzone wäre zu empfehlen.
5. Juli 2011
Der lange Weg
Schon seit vielen Jahren lade ich Sommer für Sommer auf den Schlangenberg zu meinen Veranstaltungen ( mit Ausnahme von zwei Sommern, in denen sich alle erholen mussten). Sommer für Sommer kommen hauptsächlich Frauen zusammen, um sich gemeinsam einem Thema zu widmen, die Begegnung mit mir und anderen zu suchen und vor allem, auf der Reise zu sich selbst ein Stück weiterzukommen. Ich habe in meinem letzten Buch davon geschrieben, dass ich den Schlangenberg wie eine dieser alten Poststationen empfinde, an denen Reisende mit ihren Kaleschen halten. Sie bekommen zu essen und zu trinken; die Pferde werden versorgt. Und dann bekommen sie Auskunft darüber, wohin ihre Lebensreise geht und warum. Mit neuen Optionen ausgestattet reisen sie nach ein paar Nächten weiter. Gestärkt und erfrischt.
Seit etwa drei Jahren höre ich von vielen, die gern an den Veranstaltungen teilnähmen immer wieder, es sei halt so eine weite Reise bis zum Schlangenberg. Und bin ganz erstaunt. Natürlich ist es weit! Für manche Erlebnisse muss man eine Reise auf sich nehmen. Die kann man nicht bekommen, wenn man in bequemen Beutelhosen mal so eben von zu Hause um die Ecke latscht. Der lange Weg gehört bereits zur Wandlung dazu. Viel Zeit, um zu reflektieren, was bisher war. Und nachdem man am Schlangenberg war, viel Zeit für den Rückweg, um sich auf die Ankunft daheim gut vorzubereiten. Denn der Aufenthalt hier ist, als sei man für eine gewisse Zeit aus der Zeit herausgenommen. Da kann man nicht einfach so hinterher zur Tagesordnung übergehen.
Also seid so gut und achtet gut darauf, ob es an der Zeit ist für euch, meinem Ruf auf den Schlangenberg zu folgen. Und wenn es an der Zeit ist, scheut die Anreise nicht.
Falls du zu denen gehörst, die sich auf den Weg machen sollten:
15. – 17. Juli geht es um die Strategie der Magie
29. – 31. Juli gibt es einen Gang ins Labyrinth
und TherapeutInnen, HeilpraktikerInnen und EnergetikerInnen befassen sich am 23./24. Juli mit den Dimensionen des Unbewussten. Eine praktische Einführung der magischen Symbole (aus Macht u. Magie und Erfüllung) in die therapeutische und energetische Arbeit.
3. Juli 2011
Auf den Spuren der Waltons
Ich baue gerade Schafzaun. Die Schafe sollen umziehen in ein eigenes Domizil. Bis jetzt lebten sie völlig freilaufend praktisch direkt an meinem Haus. Nun aber gibt es immer mehr Konflikte zwischen meinen Rosen und den Schafen. Man kennt das ja vom Kleinen Prinzen. Und weil wir Platz im Überfluss haben, bekommen sie jetzt um den Schafstall herum ein Areal von ca. 3.000 qm abgesteckt und da wohnen sie dann. Wie wir so herumgehen, bergauf, bergab und die Steher mit dem Lehmann hineinklopfen, und dabei enorm wichtig sind, fühle ich mich eins mit dem Leben. Taucht man hier vollständig in die Arbeiten am Hof ein (gestern haben wir Schafstalldach neu gedeckt), dann verschwindet die Welt da draußen völlig. Dann gibt es den Rufmord an Griechenland für diese Weile nicht mehr. Kein Bürokram zu erledigen. Auch die bekloppten Nachbarn sind mir dann egal. Der Schlangenberg schließt dann die Grenzen nach außen und ich verliere mich in der Betrachtung von blühendem Odermennig und wilden Lupinen; schleppe die Äste der umgefallenen Pappel zu den Schafen, auch die Wildkirsche, die wir umsägen mussten, gibt ihre Blätter für die Schafe her. Die Hunde wollen Frisbee spielen. Roberta telefoniert bellend mit einem Köter aus dem Dorf unten. Veda hat Brot gebacken und wir reden über die neue Pflanzenkläranlage. Dann ernte ich Gurken und Fisolen (Bohnen) und freue mich über den ersten Paradeiser (Tomate), der rot geworden ist. Hinten mahnt mich das Labyrinth, dass es wieder schön gemacht werden will. Die ersten Seminarteilnehmerinnen kommen bald. Das kommt morgen dran, und gleich danach ziehen wir die Strippen für den Schafzaun. Die Welt ist klein in solchen Zeiten und sehr in Ordnung.
30. Juni 2011
Nicht schlecht staunte die Weltöffentlichkeit
Ich habe ja Journalismus richtig gelernt seinerzeit. Das war bei der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Ein Volontariat der alten Schule. War eine gute Schreibschule. Seither ist mein Blick geschärft, was dem Umgang der Medienschreiber mit der deutschen Sprache angeht. Besonders putzig erscheint mir da die steirische Kleine Zeitung, die ihre Texte wohl vielfach von ihren Praktikanten schreiben lässt (denn selbst wir Volontäre, also Medienlehrlinger damals hätten nicht gewagt, so einen sprachlich verkorksten und treuherzigen Mist abzuliefern). Vor ein paar Tagen musste wohl wieder ein Praktikant ran, als es um das Sparpaket ging, das das Athener Parlament zu verabschieden hatte. Da stand in der kleinen Zeitung zu lesen: Auch die Europäische Union zeigte sich erleichtert. Ich bin beeindruckt. Wer ist die Europäische Union? Eine Person? Eine Gruppe von Personen? Wie schafft eine steirische Praktikantin es, dieses Ding ans Telefon zu bekommen, um es zu befragen, wie es sich nun fühlt? In einer anderen Online-Zeitung stand: Europa zeigte sich erleichtert. Auch nicht schlecht. Der Autor wird wohl nicht die mythische Prinzessin gemeint haben, die von Zeus in Stiergestalt von Kreta aufs Festland entführt wurde. Wen genau hat er also befragt? Vielleicht kann mir jemand mal Europas Telefonnummer geben, damit ich recherchieren kann, ob das überhaupt stimmt mit der Erleichterung?
Die enge Verbindung von Menschheit und Dummheit ist ja nichts Neues und wirft ja keinen Menschen mehr aus den Schuhen. Aber dass die Schreiberzunft dermaßen heruntergekommen ist, macht mir doch immer wieder zu schaffen.
Es gab damals einen Satz, mit dem ein erfahrener Kollege uns Greenhörnern deutlich machte, was eine schlechte Journalistenschreibe ist. Das schlechte Beispiel war, eine Meldung so zu beginnen: Nicht schlecht staunte die Weltöffentlichkeit...
Mein Sohn Sascha Welter, der seit vielen, vielen Jahren in Athen lebt, führt einen Blog über die Ereignisse am Syntagma-Platz. Er gehört mit zu den Demonstranten. Wenn jemand also erfahren will, was dort wirklich geschieht, sollte bei ihm mitlesen. betabug.ch/blogs/ch-athens
22. Juni 2011
Bin jetzt auf Youtube
Lesungen sind, so scheint es, ein altmodisches Vehikel aus den Zeiten, als Buchhandlungen noch in der Vor-Thalia-Zeit über Kraft, Visionen und Budgets verfügten. Und als das Internet noch nicht zum selbstverständlichen Alltag gehörte.
Heute geht das anders. Und da will auch ich mich nicht verschließen. Ich lese jetzt auf Youtube! Das erste Filmchen könnt ihr hier sehen: http://www.youtube.com/watch?v=y52nO5Stn38&feature=player_embedded#at=15
16. Juni 2011
Europa war nur ein Gedanke
Du mein Griechenland, ich habe deinen Niedergang in den letzten 20 Jahren mit angesehen, und du ahnst nicht, wie sehr es mich schmerzte. Die Liebe zu dir ist groß, du mein Mutter- und Vaterland. Der Zorn auf dich war es auch, immer wieder, weil du nicht sehen wolltest, was doch offensichtlich war. Du selbst sahst dich aufsteigen in diesen letzten 20 Jahren, endlich, endlich nicht mehr arm sein. Endlich leben wie die Yermaní, diese Deutschen, die mehr als andere Nationen jeden Sommer an deine Küsten reisten und dir Sehnsüchte und Begierden ins Herz senkten von einem Leben in materiellem Wohlstand.
Aber ich sah, dass es ein Niedergang war, der damit begann und der sich dramatisch beschleunigte, als du trickreich erreicht hattest, in die Eurozone zu kommen. Du warst bereit, für Drachmen und Mark und später den Euro alles zu tun. Ich werde dich dafür nicht verurteilen, wie könnte ich.
Andere Nationen vor dir haben ihre Seele verkauft. Andere, die sich nach dir in die EU haben locken lassen, werden deinen Weg ebenfalls gehen. Sie alle werden noch in diesen bösen Traum hinein erwachen, in dem du, mein armes geliebtes Griechenland jetzt gefangen bist. Alle geben dir die Schuld, alle sind sich ganz sicher, den Sündenbock in dir gefunden zu haben. Die Bigotten, die Hämischen, die Selbstgerechten, die Lieblosen und die Eiskalten schreiben dir die Schuld zu, die Europäische Union und dessen Währung mit der bekloppten Bezeichnung Euro ins Wanken gebracht zu haben. Aber du bist eines der Opfer und nicht der Täter. Du bist nicht das Problem der EU. Das ist die EU schon selber. Der Europäische Gedanke! Dass ich nicht lache. Die Europäische Union war von Anfang an ein Club, der Kasse machen wollte und alles, was denen so einfiel, um Kasse machen zu können, uns dummen Bürgern als den berühmten Europäischen Gedanken verkaufte.
Ich habe es immer zu allen Zeiten bemerkt, wie sehr die Specknationen keifen, dass sie doch Nettozahler seien und die armen Ländern auf ihre Kosten durchfüttern. Ich habe mich immer gewundert, dass niemand, niemals bemerken wollte, dass die Specknationen, allen voran Deutschland, denn wenn es etwas zu holen gibt, ist Deutschland immer allen voraus, das perfekte System erfunden haben, um sich dumm und blöd zu verdienen. Es ist dem Pyramidenspiel vergleichbar. Ist denn niemand aufgefallen, dass immer schneller unverhältnismäßig mehr und mehr Länder zur EU kommen sollen? Die nach dem immer selben Prinzip dazu animiert werden, Schulden in Deutschland und Frankreich zu machen, um damit ihre Wirtschaft anzukurbeln, in Wahrheit aber nur bei den Deutschen und Franzosen einzukaufen? Wir sind längst in der Phase angelangt, in der das Pyramidenspiel sich totläuft und hektisch nach Erweiterung gesucht werden muss.. Sogar Israel, das ja nun wirklich nicht in Europa liegt, kommt als Kandidat in Frage.
Wir wollen nichts beschönigen, Griechenland. Was da zum Vorschein kommt, nachdem die EU zu deiner Fassungslosigkeit das Griechenland-Bashing erfunden hat, ist ein verrottetes System. Das wussten deine Bürger ja schon lange. Zwar haben sie in den letzten zehn Jahren auf einmal geglaubt, dass das wurscht ist, denn alle waren damit beschäftigt, hinter der Kohle herzurennen, aber nun hat dich diese Wirklichkeit eingeholt und zeigt dir, dass du keine Chance hast, niemals eine hattest.
Du bist nicht allein. Gerade heute las ich, dass die meisten EU-Länder in sehr ähnlichen Situationen stecken wie du. Auch Österreich ist verschuldet bis über beide Ohren. Nur dass die sich offenbar zur Zeit noch immer einbilden, sie wären eine Art freies Südbayern damit nicht zu Fall zu bringen. Und leugnen, dass sie bloß der Hund von Deutschland sind, immer schön an der Wirtschaftsleine geführt. (Den Maulkorb legt man sich traditionellerweise dort selbst und freiwillig an, das halten sie für Kultur in Österreich).
Diese jetzige Krise also Griechenland-Krise zu nennen, ist dreist. Es ist eine EU-Krise. Ich hoffe und wünsche mir, dass es viele Menschen schaffen, aus dem Griechenland-Bashing auszusteigen, um wach und aufmerksam zu realisieren, dass dieses sonderbare EU-Gebilde ein hohles Ding ist ohne Sinn und weit davon entfernt, eine Solidargemeinschaft europäischer Staaten zu sein. Lasst euch nicht für dumm verkaufen. Und lasst euch nix gefallen. Glaubt nicht den Mist, den diese Wichtigtuer in den Medien verbreiten und haltet für möglich, dass es den Zwecken einiger Mächtiger dient, wenn ihr auf den Zug der Häme und des Hasses aufspringt. Im Gegensatz zu Griechenland geht es der Türkei in den letzten 20 Jahren gut und immer besser. Das Land boomt. Warum? Es ist nicht in der EU.
14. Juni 2011
Der Kaiserin neues Kleid
Da habe ich vor ein paar Tagen den Fernseher so nebenbei laufen lassen, während ich gerade in der heißesten Schreibphase des neuen Krimis bin. Und höre – so nebenbei – dass es einen Doku-Beitrag über eine Frau gibt, die beschlossen hat, ohne Geld zu leben.
Das fand ich interessant genug, um meine schreiberische Arbeit zu unterbrechen und mir anzuschauen, was die Botschaft dieser Frau ist. Immerhin leiden wir alle unter dem Terrordiktat des Geldes, das zunehmend in den vergangenen 150 Jahren als Gott unserer Zivilisation angebetet wird.
Aber die Botschaft, auf die es ankam, kam nicht von dieser Frau, deren Namen ich mir nicht gemerkt habe und den man sich – wie sich dann herausstellte – auch nicht merken muss, sondern von einem kleinen italienischen Jungen. Dieser entzauberte die dumme Verhöhnung, die in Wahrheit hinter ihrem „ich lebe ganz ohne Geld“ steckte. Cool und auf den Punkt gebracht. Diese „ich-kann-ohne-Geld-leben“-Frau tingelt nämlich offenbar international durch Schulen und verkauft ihr System als vorbildlich und nachahmenswert an ahnungs- und arglose Kinder. Ihr System besteht darin, sich immer wieder etwas zum Schlafen und Wohnen bei Menschen zu suchen, die gastfreundlich genug sind, ihr das anzubieten. Sie bettelt sich Essen und Kleidung zusammen in Geschäften und bei Menschen, die ihr das zu geben bereit sind. Und nachdem sie das in einer italienischen Schule mithilfe eines Dolmetschers zum Besten gegeben hatte, wurden die Schüler befragt, ob das ein System sei, das für sie infrage käme. Ganz wie im Märchen von des Kaisers neuen Kleidern sagte ein Bub von ca. 11 Jahren cool: Sie war mir von Anfang an verdächtig. Sie lebt ja nicht ohne Geld, sondern vom Geld der anderen Menschen.
Wie ich immer sage: Damit einige wenige Menschen ein einfaches Leben führen können, müssen viele andere Menschen ein sehr kompliziertes Leben führen.
10. Juni 2011
Kater Miroslav in der Kleinen Zeitung:www.kleinezeitung.at/steiermark/2762203/tierquaelerei-schuesse-kater.story
6. Juni 2011
Ein empfehlenswerter link: www.zeit.de/2011/23/Gespraech-Hessel-Precht
4. Juni 2011
Ihr wart niemals gleich!
Mein armes, armes Griechenland
Auf dem ganz, ganz großen politischen Parkett spielt sich zur Zeit eine Tragödie ab, von dessen Ausgang unser aller Schicksal abhängen wird. Das will kaum einer wirklich wahrhaben. Ja, das wollen alle Menschen, je nachdem wie sehr sie zur Zeit direkt und unmittelbar betroffen sind, möglichst nicht wissen. Alle haben eine längst in ihren Gehirnen abgespeicherte Ansicht und an der scheint nicht zu rütteln sein. Ich spreche von dem wirtschaftlichen Desaster der Nation Griechenland, dessen Ursache und Schuld alle beim Staate Griechenland suchen.
Griechenland ist – da scheinen sich alle einig zu sein – ein Schlitzohrstaat; seine Bewohner alle zu faul zum arbeiten; alles Betrüger, Gauner, die sich einen faulen Lenz auf Kosten des Kleinen Mannes und der Kleinen Frau vor allem in Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande und Österreich machen; die sich als Made in den fetten Speck geschummelt haben.
Aber das ist nicht wahr. Die Nation Griechenland ist nur insoweit Opfer des Staates Griechenland geworden, wie dieser Staat in allen Jahren der EU-Mitgliedschaft nie begriffen hat, wie sehr er – genau wie die Staaten von Irland, Portugal und Spanien – missbraucht und hereingelegt worden ist.
Wer die Dinge so sieht, hat ganz grundlegend nicht begriffen, was die EU ist und worin ihre Ziele bestehen – ja, von Anfang an bestanden haben. Die EU und alle ihre Vorläufer wurden als Wirtschaftsgemeinschaft gegründet. Als es noch die sogenannten Benelux-Staaten waren, wirtschaftete man so herum, baute recht viel Bürokratie auf und irgendwann war klar, dass das Ding an seiner Geschlossenheit und Einseitigkeit wieder ersticken würde. Nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten war nicht genug echtes Geschäft zu machen. Dafür brauchte man einen Markt. Und den schuf man sich mit der EU, indem man die vielen kleinen armen Staaten dazu verlockte, mitzumachen. Diese reichen Speckländer mussten dazu nicht erst groß bitten, denn allzu verlockend erschien den armen Ländern das Beispiel Italien, das doch – so sieht es zumindest vordergründig aus – recht gut davon profitierte, bei diesen langweiligen, uninspirierten, aber reichen Nationen mitzuspielen.
Bleiben wir beim Beispiel Griechenland, das schon früh ein so genanntes assoziertes Mitglied der EWG und später der EU wurde. Es ist meine Heimat. Ich kenne das Land sehr gut. Es war seit Jahrhunderten sehr arm. Ein Auswandererland. Die Familien, die ein Mitglied in Amerika, Kanada, England oder Deutschland hatte, konnten überleben. Denn die schickten Geld nach Hause. Ganz so, wie es zur Zeit die afrikanischen Flüchtlinge bei uns tun, die versuchen, bei uns ein wenig Geld zu verdienen, um damit zu Hause eine ganze Sippe am Leben zu erhalten. Es gab keine wirkliche Demokratie. Man könnte es am ehesten Oligarchie nennen. Einige wenige Familien stellten traditionell die Regierungsmitglieder.
Meine Mutter und ich waren in Deutschland sehr arme Leute. Aber es reichte immer dafür, der Familie in Athen noch Geld zu schicken, das diese bitter benötigte. Wenn wir im Sommer mit der Eisenbahn 52 Stunden nach Griechenland fuhren, wurden wir empfangen wie die Königinnen. In Deutschland standen wir ganz unten auf der sozialen Rangliste.
Dann kamen die Touristen. Die meisten waren junge Leute, die schamlos auf Kosten der naiven und ahnungslosen Griechen einen billigen Urlaub genossen. Aus dieser Zeit stammt der Mythos der großen griechischen Gastfreundschaft. Trotz allem entstand in diesen Jahren eine besondere Verbindung und eine eigenartige Hassliebe zwischen Griechenland und den Speckstaaten. Für die gestopften Touristen wurde Griechenland das sehnsuchtsvolle Paradies, in dem man noch zu leben und zu feiern wusste. Das erlebte man doch immer wieder, Jahr für Jahr! Die ließen alles liegen und stehen und feierten mit den Fremden die ganze Nacht hindurch. Bei den Griechen hinterließen die Touristen auch auf Illusionen aufgebaute Spuren. So viele Reiche – das konnte sich kaum einer vorstellen. Was die alles hatten! Wie die mit Geld um sich warfen! Wie die sich benahmen! Was die soffen! Sie legten ihre Naivität ab und begannen, Geschäfte zu machen. Die Tourismusbranche war geboren. Gerade noch rechtzeitig, um die Verluste aufzufangen, die durch die untergehende Handelsschiffahrt entstanden waren.
Die Touristen wurden mehr. Die Griechen wurden immer geschäftstüchtiger. Die Touristen immer anspruchsvoller. Leider warf die Branche nicht genug ab, um ausreichend zu investieren. Neidisch schielte man auf Spanien und Italien, die schon viel früher begonnen hatte, ihre Küsten mit Hotelburgen zuzubetonieren und offenbar selber fast schon so reich waren wie die Speckstaaten im Norden Europas.
Die Speckstaaten im Norden wiederum brauchten nun endlich neue Märkte. Sie sahen, was sich da unten im Süden zu bewegen begann und es war klar, dass man daran mitverdienen musste, mehr noch: diese wirtschaftlichen Bewegungen mussten wieder umgelenkt und Richtung Heimat dirigiert werden.
Man streute Lockstoff aus. In Bezug auf Griechenland war der folgender: Die Griechen waren seit jeher daran interessiert, gut aufgerüstet und bewaffnet zu sein, denn der Feind Türkei war unberechenbar. Und sie waren mit der Erwartung zu betäuben, auch einmal so reich zu sein wie die Speckies. Nicht mehr im eigenen Land die Bediener der Fremden zu sein, sondern selber schick und wohlhabend Urlaub machen zu können, gute Autos zu fahren, schicke Fetzen zu tragen. Kommt in die EU – so hieß es – und schon in einigen Jahren habt ihr unseren Lebensstandard erreicht. Wir verkaufen euch Waffen zu günstigen Preisen, wenn ihr nicht zahlen könnt, leihen wir euch die Kohle. Und wir zahlen euch zu jeder Investition, die ihr tätigt, ein Drittel aus EU-Geldern dazu. Wenn ihr die zwei anderen Drittel nicht habt, dann leihen wir euch die – zu günstigen Konditionen.
Jo, und die Griechen gingen shoppen! Sie kauften Waffen wie die Blöden. Das Geld floss. Sie investierten wie die Idioten, wäre doch dumm, das gute EU-Geld zu verschenken. Und machten Schulden, Schulden, Schulden. Macht doch nix. Dafür bekam man ja Geld noch dazu! Straßen wurden gebaut. Landschaften erschlossen. Hotelanlagen hochgezogen. Die schnell wechselnden Trends erzwangen die Erhöhung des Tempos. Die Banken in den Speckländern verdienten bestens. Die Waffenfabriken in den Speckländern verdienten vortrefflich. Griechenlands Lebensstandard stieg und stieg und hatte fast Specklanddimensionen erreicht. Die Preise hatten schon längst Specklanddimensionen. Und dann lockte auch noch der Euro. Und Griechenland war bereit, seine Seele an den Teufel zu verkaufen. Sie fälschten ihre Zahlen, sie schummelten sich mithilfe der Bank des Bösen in die Eurozone. Man ließ sie machen, und ich bin sicher, dass so mancher über die Griechen grinste, die sich für so schlau hielten. Denn das kann mir keiner erzählen, dass das niemand gewusst hat.
Als ich versuchte Burg Bertholdstein zu kaufen und bei Bank X um einen entsprechenden Kredit ansuchte, wusste am nächsten Tag meine Hausbank bereits Bescheid und versuchte, mich in den existenziellen Würgegriff zu nehmen. Bankgeheimnis, dass ich nicht lache. Keine Sekunde lang glaube ich, dass auf dieser obersten Etage des Wirtschafts- und Regierungslebens niemand wusste, welchen Deal Griechenland da mit den Lehman Brothers einfädelte.
Und nun – während die Speckies in ihrem unersättlichen Markthunger sich immer mehr neue Länder unter den Nagel reißen – ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Nun wird Griechenland zum Sündenbock.
Wäre Griechenland das kleine arme, aber glückliche Paradies geblieben mit seinen lebenslustigen Fischern und seinen nächtlichen Festen für die Touristen, dann hätten alle es auch weiterhin lieben können. Aber so, mit diesem unverschämten Anspruch genau so reich wie die Speckies sein zu wollen – nein, nein, nein, das geht auf keinen Fall. Jetzt muss dem Land einmal gezeigt werden, dass es niemals, niemals ein echter Partner sein kann. Und niemand wagt auszusprechen, dass Griechenland niemals ein echter Partner war. Es war nie so gedacht, es war einfach nur ein neuer Markt, den man abgrast und dann zieht man weiter. Rumänien, Bulgarien, Kroatien, ja sogar Serbien. Es gibt noch so viel abzugreifen. Nun muss man diese unangenehme Episode noch in den Griff kriegen und schon geht’s weiter. Dass die da unten nun so ausrasten – wer hätte das ahnen können. Aber nun sind die Speckies ja wieder einmal darin bestätigt: Diese Griechen sind einfach noch nicht reif für Europa. Der reinste Bimbostaat. Am besten fahren wir in die Türkei. Die sind noch nicht in der Eu und werden es hoffentlich auch nicht sein. Und außerdem ist da alles all-inclusive und sie halten einem die störenden Eingeborenen vom Hals.
2. Juni 2011
Landleben
Oder
Das Grauen des Alltags
Es gibt Tage, an denen kann man gar nicht glauben, dass das Landleben allgemein mit Begriffen wie Geruhsamkeit, Idylle und Ruhe in Verbindung gebracht wird.
Gestern bekamen wir die Nachricht der Tierärztin, dass Kater Miroslav überleben wird. Sie sprach von „Glück gehabt“. Das wäre mir nun im Zusammenhang mit Miros schwerer Verletzung und der Gewissheit, dass wir ihm das eine Vorderbein ab der zerschossenen Schulter amputieren müssen, nicht unbedingt als passende Formulierung eingefallen. Aber recht hat sie natürlich. Er lebt. Die Lunge ist nur knapp nicht getroffen worden, sonst wäre er tot.
Als Draufgabe hat mein großer Chefkater Rheza, der sich in der vergangenen Woche ein Loch in der Netzhaut seines Auges zugezogen hat und dem die Tierärztin das Auge provisorisch zugenäht hat, damit es nicht bricht, uns offenbar als die Bösen identifiziert. Er reagierte beim Anblick von uns allein nur noch panisch und ist einfach abgetaucht, was angesichts seiner Gehbehinderung eine sehr blöde Idee ist, denn er könnte, wenn es dumm läuft, das nächste Opfer von dem Wahnsinnigen sein, der hier mit der Schrotflinte herumballert. Oder der Fuchs holt ihn.
In Sorge um den bekloppten Rheza tigere ich also über den Hof, umrundet von sichtlich nervösen Hunden, die sensibel auf alle Stimmungen reagieren. Dann kämpfe ich mich kurzatmig durchs gewitterschwüle Feldbach für die Feiertagseinkäufe. Unser altes Auto, das zwar jeder im Bezirk kennt, weil es noch aus seinen aktiven Taxitagen die McDonalds-Werbung an den Türen hat, verfügt ansonsten nicht über Anzeichen der modernen Zeit. Es hat jedenfalls keine Klimaanlage. Ich aber habe verderbliche Ware an Bord. Schnell heim. Stress ist zur Zeit verboten. Mein Hörsturz verlangt es so. Aber das ist doch kein Stress, oder? Schnell, schnell die Sachen in die Kühlschränke. Gleich vier Uhr, der Schafscherer kommt gleich. Die Schafe scheinen zu ahnen, dass heute kein Tag wie sonst ist. Aber ich schaffe es, sie schnell noch in den Stall zu bugsieren. Im letzten Jahr hatte ich darauf vergessen, weshalb wir sie dann eine Stunde lang versucht haben auf einer Fläche von 1 ha (10.000 qm) einzufangen. Diesmal war ich schlauer. Der Schafscherer kommt. Veda assisiert. Ich halte die Stalltür zu, falls eines versucht, durchzubrechen. Von außen.
Ich stehe in der knallheißen Gewittersonne und betrachte die Quellwolken, die sich direkt über dem Schlangenberg zusammenbrauchen. Die Luft wird immer feuchter. Die Hunde bellen infernalisch, ihnen kommt das alles äußerst verdächtig vor.
Rheza taucht auf! Er geht kommentarlos fressen und taucht wieder ab. Ich klebe an der Stalltür, kann nicht schauen, was sein Auge macht. Schaasaugert, sagt man in Österreich. Dschou-Dschou will jetzt auch fressen. Jetzt nicht, Dschou-Dschou, die Mama muss jetzt die Schaftür bewachen. Die Hunde bellen. Der Hagelflieger fliegt. Es wird also ganz gewiss ein Gewitter kommen. Und dann sind die Schafe fertig, ich kann sie hinauslassen. Geschockt, nackt und völlig ohne Plan stehen sie draußen herum und schimpfen blökend. Der Schafscherer geht sich duschen. Ich versuche die Hunde zum Schweigen zu bringen. Und dann kommt das Gewitter. Überall sonst weit und breit schönes Wetter, nur direkt über dem Schlangenberg kommt alles herunter. Na bumm.
Aber dann! Der Regen hört auf und über dem Bierbaumer Tal, über die ganze Breite des Bierbaumer Tales, das uns den Blick über diese verzauberten Märchenhügel schenkt, die jetzt in einem milchigmilden Sonnenlicht erscheinen, spannt sich ein riesiger Regenbogen.
Dann der Anruf der Tierärztin. Ich darf den Miro wieder heimnehmen. Er muss gepäppelt werden, wieder auf dieser Welt richtig ankommen. Die Amputation kommt später. Am Holzhaus hat es die Dachrinne heruntergerissen. Die Schafe stehen ratlos in der Gegend herum.
31. Mai 2011
Katzenkiller in Bierbaum unterwegs
Mein Kater Miroslav ist heute angeschossen und schwer verletzt worden. Er konnte sich noch mit letzten Kräften heimschleppen. Zur Zeit befindet er sich beim Tierarzt. Bis jetzt steht fest, dass sein Vorderbein so schwer zerstört ist, dass es amputiert werden muss. Wieviel innere Verletzungen er hat und ob er sie überleben wird, steht zur Zeit noch nicht fest.
Ich kann gar nicht schildern, wie unvorstellbar wütend ich darüber bin, dass geistig unterbelichtete Männer bewaffnet durch unsere Wälder streunen dürfen, um dort unkontrolliert abzuknallen, was und wer ihnen beliebt.
Diese Jäger sind eine Seuche, ein Relikt aus vergangenen Tagen, die in unserer heutigen Zeit nichts mehr zu suchen haben.
17. Mai 2011
Lesung in Bad Radkersburg!
Am kommenden Freitag, den 20. Mai findet eine Lesung aus dem neuen Buch „Erfüllung“ statt!
In Bad Radkersburg im Papillio, Langgasse 14. Beginn um 19.00 Uhr. Um zahlreichen Besuch wird gebeten.
8. Mai 2011
Der Gang zu den Müttern
Ich habe ihn immer abgelehnt, den Muttertag! Welch süßlich-klebrig-kitschige Verhöhnung des Mutterseins. Ich will diesen Tag heute zum Anlass nehmen, über die wirkliche Ehrung von Müttern zu schreiben.
„Solange ich lebe, werde ich nicht aufhören, von deiner Güte und deinem Vertrauen zu sprechen“ Dies ist die Widmung in einem der wichtigsten Werke, die es für uns Frauen unserer Zeit gegeben hat. Der Autor, der mit diesen Worten seine Mutter ehrte, ist Johann Jakob Bachofen. Und das Werk trägt den Titel „Das Mutterrecht“. Es erschien vor 150 Jahren und sollte nicht nur das Leben seines Autors, sondern von nicht wenigen Frauen verändern, die an dieser patriarchalen Welt litten und leiden. Es beschreibt die Anfänge unserer Zivilisation und es beschreibt sie als Zeit, in der die Frauen herrschten. Er sprach noch von Gynaikokratie, wir sagen heute Matriarchat.
Um die Jahrhundertwende ist er von den Münchner „Kosmikern" entdeckt worden, von Ludwig Klages und Karl Wolfskehl. Der Durchbruch kam in den zwanziger und dreißiger Jahren, in der Psychologie bei Sigmund Freud und Wilhelm Reich, in der Frauenbewegung mit Mathilde Vaerting, Bertha Eckstein Diener und „Sir Galahad", und in der großen Literatur bei Gerhart Hauptmann, Rilke, Thomas Mann und Walter Benjamin. Seitdem gehört er zur Allgemeinbildung. Seitdem muß man mal was vom Matriarchat gehört haben und von Johann Jakob Bachofen, seinem Entdecker. Bis heute ist dann ununterbrochen darüber geschrieben worden, zustimmend, ablehnend, vermittelnd, bewundernd, verächtlich. Niemand weiß eigentlich richtig Bescheid, denn der Bereich, den man dafür überblicken müßte, der ist sehr groß geworden, reicht von der Vorgeschichte bis in die Antike, von der Archäologie über Geschichte, Rechtsgeschichte, Mythologie, Psychologie bis in die Anthropologie und Ethnologie. Ganz zu schweigen davon, dass kaum jemand dieses Buch von 1861 gelesen hat, das wie ein Fels in der Brandung steht. Ein Riesenwerk von tausend Seiten, schwer zu lesen, unübersichtlich, mit unzähligen Einzelheiten aus der antiken Geschichte und Mythologie, Hunderten von Namen, die man wieder vergessen hat, wenn man auch nur ein paar Seiten weiter ist. Nicht schlecht geschrieben, aber verwirrend, mit einer stetig kreisenden Bewegung der Gedanken. Sie kreisen immer um das eine, in ständiger Wiederholung, um den Anfang menschlicher Entwicklungsgeschichte, das Matriarchat.
Ich habe es gelesen! Einige von uns aus der alten Frauenbewegung haben es gelesen. Für mich war es wie ein Erwachen. Ich war wie elektrisiert. Es erklärte mir so vieles, was ich empfand, unbewusst wusste und damals – ich war noch sehr jung – kaum in Worte fassen konnte. Ohne dieses Buch und ohne andere wie das Werk von Bertha Eckstein Diener, die sich auf Bachofen bezogen, hätte ich meine Bücher, die sich dem Matriarchat widmeten, nicht schreiben können. Weil ich weiß, dass meine Bücher das Leben vieler Menschen verändert haben – und ich ja nicht die einzige Autorin bin, die auf diesem Wege unterwegs war und ist, wage ich zu behaupten, dass Bachofens Werk unser aller Bewusstsein nachhaltig beeinflusst hat. Ich fand dieses unbewusste und bewusste Wissen um die Macht der Mütter, um den verloren gegangenen Beginn unserer Zivilisation in den Werken vieler großer Dichter. Ich will hier nur Goethe beispielhaft anführen, der unter anderem im Faust vom Gang zu den Müttern spricht, dass es uns ehrfürchtig schaudern macht.
Feiern wir also das 150jährig zurückliegende Erscheinen dieses Buches und feiern wir die Mütter, die das Leben geben.
4. Mai 2011
Können und nicht Wissen zählt!
Wir haben das ungeheure Glück jederzeit Zugang zu einem gewaltigen Wissen zu haben. Ja, diese unvorstellbar große Wissensmenge wird außerdem ununterbrochen erhöht. Alle paar Minuten wird irgendwo auf der Welt eine neue chemische Formel entwickelt, eine neue medizinische Erkenntnis gewonnen oder ein anderes neues Wissen gefunden. Das Wissen der Welt geht zu fast hundert Prozent an dem einzelnen Menschen vorüber und nützt erstmal gar nichts. Das wissen die Menschen, die das Pech hatten oder haben, in einem Schulsystem zu lernen, dass auf Wissensanhäufung basiert, am besten. Von dem, was wir in der Schule gelernt haben, bleibt kaum etwas hängen. Der Psychologe Hermann Ebbinghaus hat das mit einer Vergessenskurve nachgewiesen, die nachweist, dass vom Gelernten schon nach mehreren Tagen nur noch 15 % im Gedächtnis bleiben.
Es sei denn, man wendet das Wissen an. Wenn man die Chance hat, etwas Gelerntes handelnd anzuwenden, und das möglichst schnell und direkt, hat man die Chance, dass Wissen sich in Können wandelt. Das Lernen von Sprachen ist der beste Beweis dafür.
Ich begegne immer wieder Leuten – hauptsächlich Frauen – die versuchen, Wissen zu horten, um in der Zukunft bestens ausgestattet handeln zu können. Sie belegen Seminare, machen Ausbildungen ohne Ende, horten Tipps und können gar nicht genug davon kriegen., bis sie dann einmal, bald, demnächst , vielleicht, hoffentlich, jetzt noch nicht, aber bald, ganz bald loslegen. Aber Wissen kann man nicht horten, man muss es umsetzen, und zwar gleich. Man riskiert zwar, alles falsch zu machen. Oder sich sonstwie zu blamieren. Na und? So, nur so erlangt man Kompetenz. Und die zählt.
Wissen, Wasser und Geld haben einiges gemeinsam. Nur wenn sie in Bewegung bleiben, in steten Umlauf gebracht werden, verderben sie nicht. Wissen gehört uns allen, auch wenn den jeweiligen Urhebern aller Respekt gebührt. Bei Wasser und Geld gehen in dieser Beziehung die Meinungen ja recht stark auseinander. Allen dreien gemeinsam ist jedoch, dass es immer darauf ankommt, was man damit anstellt.
24. April 2011
Die elf wichtigsten Fragen deines Lebens
Sich diese elf Fragen immer mal wieder zu stellen und dein Herz die Antworten finden zu lassen, hält dich bei Kräften:
- Wie steht es um deine Ich-Kraft, Strahlkraft?
- Hast du ausreichend innere Sicherheit und Geborgenheit und träumst du genug?
- Pflegst du deine Kommunikationstalente und achtest du darauf, dass du regelmäßig ausreichend lernst?
- Achtest du auf deine Liebesfähigkeit?
- Kannst du kämpfen?
- Gibst du deiner Vitalität genügend Raum, um dich auszudehnen?
- Ehrst du die Widrigkeiten, die sich dir entgegenstellen?
- Pflegst du immer wieder deine alten Wunden?
- Pflegst du deinen Glauben an Wunder?
- Hältst du die Verbindung zum Göttlichen aufrecht?
- Erkennst du das Prinzip „Stirb und werde“ als oberstes Lebensprinzip an?
14. April 2011
Am Anfang ist immer das Wort
Eigentlich sogar eher der Gedanke, die Vorstellung, die (wieder so ein malträtiertes Wort:) Vision. Aber dann das Wort. Und was dann folgt, wäre im Grunde ein Wunder, wenn es nicht so alltäglich wäre. Ich meine das Werden, die Realisierung dessen, was mit dem Wort ausgelöst wurde.
Da gibt es nun den japanischen Doktor Emoto, der mit seinen Wasserexperimenten immer wieder bewiesen hat, dass es eine beweisbare Wirklichkeit jenseits des Kausalprinzips gibt. Ihr wisst schon, er hat gezeigt, dass Wasser seine Eigenschaften verändert, je nachdem, womit es in Berührung kommt. Wenn man Wassertropfen trocknen lässt, so ergibt das ein fotografierbares Trocknungsmuster, das sich verändert, je nachdem, womit das Wasser zuvor in Berührung gebracht wurde. Dies übrigens auch wiederholbar und damit beweisbar. Interessanterweise wird das Trocknungsmuster des Wassertropfens auch davon beeinflusst, wer den Tropfen tropfen lässt. Auch dies – das hat Emoto gezeigt – wiederholbar und damit beweisbar.
Darum berühre ich beispielsweise jede einzelne Flasche SchlangenbergEssenzen, die den Schlangenberg verlässt. Denn es geht ja nicht nur um die Schwingung der Blüte, sondern um viel mehr. In jeder einzelnen Essenz ist die kräftige Schwingung des ganzen Schlangenberges und eben auch die Kraft meiner Worte enthalten.
Nun gibt es mittlerweile Experimente, die jeder daheim nachprobieren kann. Eines kann man bei Youtube anschauen, in denen gekochter Reis in zwei gleiche Gläser gefüllt wird, die mit jeweils liebevollen oder bösen Worten über Wochen besprochen werden. Ich würde hier nicht darüber berichten, wenn das Ergebnis nicht so wäre, dass der liebevoll besprochene Reis die Neigung hat, nicht zu vergammeln, während der beschimpfte Reis rasch ein Opfer von Schimmel und Verfall wird.
Bei diesem Experiment wird es für Gläubige der strengen Wissenschaft schwer, noch nach ihrer Standard-Waffe zu greifen, die in dem Wort PLACEBO besteht.
Und was für ein Irrsinn dieses Placebo-Geschwurbel aber auch ist! Denn wenn man echt wissenschaftlich vorgeht, kann es so etwas wie einen Placebo-Effekt gar nicht geben. Der wäre nämlich völlig unwissenschaftlich, ist er doch mit keiner wissenschaftlichen Methode zu beweisen.
Die Macht des Wortes bedenkend wünsche ich allen NutzerInnen der SchlangenbergEssenzen, dass sie eurem Wohle dienen und euch helfen mögen, die nächsten Schritte eurer Entwicklung leicht und locker machen zu können.
7. April 2011
Noch mehr vom einfachen Leben
Ich habe gestern geholfen, zehn Festmeter Holz zu spalten. Im kommenden Herbst muss es kleingesägt werden und in zwei Jahren kann ich es zum Heizen verwenden. Das einfache Leben geht ganz schön auf die Knochen.
Manches kann man ganz entspannt sehen. Die große Wiese – Lieferantin der Schlangenberg-Blütenessenzen – kommt ohne meine Hilfe zurecht. Erst wenn die nächste dunkle Jahreszeit anbricht, geht eine von uns mit dem Balkenmäher drüber. Anderes fordert: Das große Steinlabyrinth wird gerade ein Opfer der überbordenden Lebenslust von Wildkräutern und Wiesengras. Da heißt es Demut zeigen. Runter auf die Knie und rupfen, rupfen, rupfen. Würde man die Steinbegrenzungen des Labyrinths als gerade Linie messen, ergäbe das einen ganzen Kilometer.
Ich mache mir Gedanken über das einfache Leben. Wir haben uns so sehr an unzähligen Komfort gewöhnt, der uns gar nicht mehr so unbedingt komfortabel vorkommt, sondern ganz selbstverständlich wurde. Nicht wenige kenne ich, die haben es sogar bis zu einer profunden Anspruchshaltung gebracht. Königin Marie-Antoinette ist in unseren Zeiten eine Massenerscheinung geworden. Ihr wisst schon, das war die, welche die arrogante Antwort auf die Information, dass das Volk kein Bort habe, gab: dann sollen sie halt Kuchen essen. Ein komfortables Leben vernichtet offenbar Wertschätzung. Niemand von uns hat wirklich ein Bewusstsein dafür, welche Menschen welchen Aufwand betreiben müssen, damit wir gekleidet, beschützt und gut genährt sind und sicher von hier nach dort kommen; Computer benutzen, Handy, Waschmaschinen. Ich will gar nicht pastoral danach fragen, worauf man wohl verzichten kann. Es geht mir um meinen Plan, den ich vor zwanzig Jahren fasste, nämlich ein einfaches Leben zu führen und darum, herauszufinden, wie sehr ich mit den Jahren dennoch wieder städtischem Anspruch an Komfort hinterherhechele.
Die ersten drei Jahre auf dem Schlangenberg waren wirklich karg. Kein Bad, kein Klo, immerhin dann bald eine kleine Küche. Strom war irgendwann vorhanden. Wasser nicht. Wir sammelten Regenwasser in Zisternen und kauften Trinkwasser von der örtlichen Feuerwehr. Telefon gab es auch nicht. Aber es gab schon Handys, auch wenn diese noch die Größe eines Kindersarges hatten. Das waren die Jahre, in denen ich aufgeregt den ersten Schnee erwartete und ansonsten den winterlichen Rückzug ins kleine Haus genoss. So wie ich im Sommer mit der Hitze lebte und mich fröhlich im großen Gemüsegarten quälte. Das Leben war einfach. In jeder Hinsicht.
Heute seufze ich schwer, wenn ein Italientief anrückt und uns mit Schnee bedeckt. Ich habe eher im Focus, ob und wann Schnee geräumt wird, damit wir alle rechtzeitig dort sein können, wo wir jeweils sein müssen. Und auch jetzt, während der Frühling zur ganz, ganz großen Oper ansetzt, was ich wie jedes Jahr als Belohnung für die Entbehrungen des Winters unendlich genieße, habe ich eine Liste mit Dingen im Kopf, die in den nächsten Wochen dringend erledigt werden müssen und weiß, dass sich mein ländliches Leben zwar noch immer erheblich von einem städtischen unterscheidet. Aber bin nicht mehr die Frau in einem zerschlissenen Männersakko, die lässig an ihrem alten klapprigen Suzuki-Geländewagen lehnt und ansonsten auch mit einem kleinen Spirituskocher ein 5-Gänge-Menü zaubert. 5-und-mehr-Gänge-Menüs gehören im übrigen durchaus zu einem einfachen Leben dazu, vorausgesetzt, man wäscht das Geschirr anschließend nicht mit einer Maschine.
Wir haben alle früher ein einfacheres Leben geführt. Das will ich nicht als Nostalgie verstanden wissen, sondern als Erinnerung daran, nichts für selbstverständlich zu nehmen und immer wieder darauf zu achten, nicht das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Mal ganz abgesehen davon, dass ein bequemes Leben uns auch geistig verfetten lässt
4. April 2011
Mit dem Rücken in Fahrtrichtung
Die begehrtesten Plätze auf Reisen sind Fensterplatz vorn und allemal in Fahrtrichtung. Ich entdecke auf meinem Weg von Wien zum Schlangenberg gerade den Genuss, hinten, ohne Aussicht und mit Rücken in Fahrtrichtung zu sitzen. Sehr entspannend. Geradezu befreiend.
Um das empfinden zu können, bedarf es eines gewissen Überdrusses. Mir ist gerade alles zuviel. Zuviel Katastrophen-Nachrichten. Zuviel Menschen, zuviel Stadt, zuviel verbaler Kampf und Rechthaberei. Zuviel Sorge, allzu nah der Blick auf das Ende eines Zeitalters und viel zu heftig der Wind, den eine davonrasende Zeit verursacht. Ich habe mich also umgesetzt und schaue ganz neu in die Welt. Wie anders schaut es doch aus, wenn der Blick auf das Tal fällt, das der Zug gerade verlässt. Ich drehe mich kurz um und schaue zum Vergleich in die Fahrtrichtung – pah – eine völlig andere Welt, ein anderer Planet! Der „Rück“-Blick fällt auf Landschaften, die wie gemalte Bilder sind, die sich nur langsam zurückziehen und immer kleiner werdend das Loslassen leicht machen.
Auf der Reise durch das Jahr nennt man so einen Zustand Fasten. Das ist ja auf einmal richtig in Mode gekommen. Sogar der Spiegel, der nun ja ganz und gar nicht verdächtig ist, alternativmedizinische Phänomene ernst zu nehmen, hat ein Titelthema draus gemacht. Nun ist es ja auch gerade so die Zeit dafür in diesen Wochen vor Ostern.
Ich setze Fasten immer wieder im Rahmen der Essenzentherapie ein. Es schärft die Sinne, macht Körper, Seele und vor allem den Geist leicht.
Es ist eine Abkehr von der Grenzenlosigkeit, der Maßlosigkeit, des allzeit und überall Machbaren. Wenn wir Freiheit rückhaltlos bejahen, so müssen wir auch die Grenzen bejahen. Das Stillwerden nach dem Lärm; die Ruhe nach dem RambaZamba; die konzentrierte Sammlung vor dem großen Sprung. Ausatmen.
Der April ist ein Neuanfang. Ich will hier gar nicht davon anfangen, wieso SCHON WIEDER April ist. Die Gegenwart ist wie eine Eisenbahn, die der Zukunft entgegenfährt. Lassen wir es langsam angehen. Äußerlich langsam. Innerlich hochkonzentriert und trotzdem locker. Und leicht. Vor allem ganz leicht. Und zwischendrin einfach einmal umdrehen und mit dem Rücken in Fahrtrichtung sitzen.
28. März 2011
Zum Verschwinden bringen
Wenn es nicht so dramatisch wäre, wäre es lustig: Selbst den so genannten Super-Gau in Japan reden die Medien sich schön. Heute las ich im Kurier, dass es im Reaktor 2 des Atomkraftwerkes in Fukushima eine vorübergehende Kernschmelze gibt.
Eine Kernschmelze ist ungefähr so vorübergehend wie der Einschlag eines Meteoren. Warum Journalisten so einen Holler verzapfen ist schon klar: selbst aus dieser einigermaßen sicheren Entfernung wie Österreich oder Deutschland ist es nicht möglich, mit so einer Katastrophe umzugehen. Die Unerträglichkeit der Folgen eines atomaren Unfalls kriegt keiner aus der Welt.
Es geht darum, dass es nicht zu fassen ist, dass etwas nicht zum Verschwinden gebracht werden kann, mit keinen Mitteln der Welt.
Es ist ja nicht so, dass wir das nicht alle wüssten. Aber eben nur theoretisch. Real gab es das ja nur in Harrisburg und in Tschernobyl. Oder wie?
Bei uns in unserer Welt auf unserer Erde verschwindet gar nichts. Unsere Erfahrung lehrt uns allerdings aus verständlichem Grund das Gegenteil. Wir sitzen auf dem Klo und ein Knopfdruck bringt die Stoffwechselrückstände mit einem Wasserschwall zum Verschwinden. Der Müllwagen fährt vor, lädt unsere zivilisatorischen Verbraucherreste ein und zack, weg sind sie. Die kleinen Kälber beim Bauern verschwinden im Transportwagen und tauchen als viereckig verpacktes Bratgut im Supermarkt wieder auf. Das dazwischen ist aus unserer Wahrnehmung entschwunden.
Ich habe leicht reden. Seit etwa zwanzig Jahren weiß ich es aus eigener Erfahrung besser: So wie keine Energie verschwindet, ist auch keine Materie wegzuzaubern. Wir haben nur eine völlig irreale Welt erschaffen, die des Menschen unerträgliches Tun erträglich machen soll. Am Schlangenberg war ich immer wieder baff, wenn Besucherinnen, die im Haushalt halfen, zum Klo eilten, um Essensreste hinunterzuspülen. Das habe ich in meinen städtischen Jahren vor langen, langen Zeiten ja auch nicht anders gemacht. Aber am Schlangenberg taucht das versenkte unappetitliche Zeug dreißig Meter vom Haus entfernt wieder auf, wenn man nicht weiß, was man damit machen soll.
Anfangs hatten wir zwar eine Senkgrube, aber verdrängt, dass die ja auch einmal voll sein kann. Als sie voll war, organisierten wir einen Mistwagen samt Bauern, der das Ganze zur Kläranlage führen sollte. Er pumpte seinen Wagen voll Abwässer und Fäkalien, fuhr 200 Meter weiter und schüttete alles in den Wald. In den fremden Wald wohlgemerkt. Wir waren entsetzt. Ich fuhr zum bäuerlichen Besitzer des Waldes und gestand das Malheur. Dieser bedankte sich herzlich und wunderte sich, warum wir so freundlich waren, mit unserem kostbaren Mist seinen Wald zu düngen.
Von da an dachte ich über Kreisläufe nach.
Auch wenn man seinen Mist nicht einfach irgendwo hinkippen kann, so sind auch Kläranlagen nicht die Antwort, denn sie verhindern Kreisläufe und produzieren Sondermüll. Auch wenn man durch Atomkraftwerke „sauberen“ Strom erhalten kann, sind Endlager für den radioaktiven Müll keine Lösung, sondern das Problem.
So manches mag vorübergehend erscheinen, aber in Wahrheit verschwindet nichts.
16. März 2011
Das Paradies macht viel Arbeit
Ich wusste von Anfang an, dass es nicht leicht werden würde. 1992 verließ ich meine bis dahin viel geliebte Wirklichkeit der Großstädte, der Kaffeehäuser, des Stamm-Griechen (so etwas hatte man damals noch), der Stöckelschuhe, Zigaretten, der Nächte, die man sich hektisch und unruhig um die Ohren haute, der vielen Freunde, die doch in Wahrheit nur oberflächlich Bekannte oder – schlimmer noch – oberflächlich Bekannte, die große Ähnlichkeit mit einer eher unappetitlichen Körperöffnung hatten, waren. Ich konnte die Zerbrechlichkeit und Verletzbarkeit, die Abhängigkeit und – sorry liebe StadtbewohnerInnen – Hospitalisierung des Großstadtlebens nicht mehr übersehen und damit auch nicht mehr ertragen.
Ich fand – den meisten meiner LeserInnen ist das bekannt – den Schlangenberg, weit im Südosten Österreichs. Das war damals ein Landstrich, der unbekannt, ja beinahe vergessen durch Landflucht ausblutete. Landschaftliche Schönheit, die mir noch heute, bald 20 Jahre später, tagtäglich das Herz öffnet. Ein mildes Klima hatten wir damals, Nur zwei bis drei Stunden bis zum Mittelmeer. Ein einsames Paradies.
Es gab keinen Strom, kein Wasser, nur eine baufällige Keusche, einen baufälligen Stall und einen Holzschupfen, dessen Bretter aus reiner Gewohnheit noch beieinander standen. Das nächste Dorf zu Fuß eine Stunde entfernt. Der Bus von dort ging nur zweimal am Tag, morgens und nachmittags. Ich will meine Leserinnen jetzt nicht mit den altbekannten Geschichten langweilen, in die sich die abenteuerlichen Erfahrungen dieser 20 Jahre zusammenfassen lassen. Mir geht es heute darum, zurückzublicken und anzuschauen, was aus meinem damaligen Plan des einfachen Lebens am Land geworden ist. Im Grunde geht es mir darum, aufzuzeigen, wie schwer es ist, ein einfaches Leben zu führen. Und warum. Es hat etwas damit zu tun, dass es nicht einfach ist, den zivilisatorischen Abhängigkeiten zu entsagen. Irgendwann hörte ich den Satz: Damit ein paar Leute ein einfaches Leben führen können, müssen sehr viele Leute ein sehr kompliziertes Leben führen. Ich hoffe, die Bedeutung dieses Satzes durch diesen Bericht erläutern zu können.
Ich wollte so weit wie möglich unabhängig von den zivilisatorischen Notwendigkeiten werden. Mit Ausnahmen natürlich (von Anfang an), denn es ist beispielsweise unmöglich autolos zu leben, wenn man in der Einöde lebt. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Ausnahmen hinzu. Das Auto war nur der Anfang.
Vieles war leicht, wenn nicht gar erleichternd. Meine Gewohnheit, wegen jedem Packerl Milch zum Supermarkt zu gehen, habe ich gern aufgegeben. Einkäufe sind planbar. Bis heute ziehen wir das durch, einmal die Woche und fertig. Das eigene Gemüse – wunderbar, unvergleichlich. Ich erinnere mich, wie ich gelacht habe, als ich bäuerliche Nachbarn dabei erlebte, wie sie einen Kopf Salat unten beim Dorfgreißler kauften. Mein Gemüsegarten war riesig. Ich konnte anfangs sämtliche Seminarteilnehmerinnen daraus verköstigen. Aber dann kam ich an Grenzen. Und kaufe selbst im Supermarkt ein. Sogar Gemüse.
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