Denk mal!

Herzlich willkommen in dieser Rubrik, in der in unregelmäßigen Abständen Texte von mir zu lesen sind, die sich aus meiner Arbeit ergeben.

30. August 2010

 

Die Erde hat sich weitergedreht

 

Der Sonnenaufgang zeigt es: die Erde hat sich weitergedreht. Die Sonne geht jetzt ein gutes Stück weiter südöstlich auf als noch vor ein paar Tagen. Der Herbst ist da.

Welch ein Sommer. Leider kann ich nicht sagen, dass ich genug Sommer abbekommen habe, obwohl wir hier am Schlangenberg keineswegs von einem verregneten Sommer sprechen können. Nein, es war eher im Bereich der großen Welt und des eigenen inneren Erlebens eine ungewöhnliche Zeit. Einen großen Teil der Zeit durfte ich damit verbringen, das nächste Buch zu schreiben. Es war und ist wunderbar. Teilweise ist es wie wenn man eine Steuererklärung macht. Man geht durch die alten Unterlagen durch, sichtet die Notizen der letzten Jahre. Und dabei kehrt diese Zeit noch einmal zurück und sieht im Rückblick natürlich immer so aus, als ob man hier oder da nicht alle Tassen im Schrank gehabt hätte, denn heute ist man ja schließlich um viele, viele Tage klüger als vorvorvorgestern. Die Erde hat sich halt weitergedreht.

Meinen Klientinnen lege ich immer nahe, die eigene Vergangenheit nicht immer so gnadenlos zu beurteilen, denn damals hatte man ja nachweislich nicht das Wissen und die Erfahrung von heute. Und diese Erfahrenheit hat man ja schließlich der früheren Dämlichkeit zu verdanken.

Also ich hoffe, ich habe das Dämliche weggelassen und alles Kluge und meine LeserInnen weiterführende aus der Vergangenheit herausgefiltert, um es im neuen Buch zusammenzufassen und zwischen den zwei Buchdeckeln zu einem Lesevergnügen bei gleichzeitigem Tiefgang werden zu lassen. Das nächste Buch, das geschrieben werden will, wartet bereits. Und nach ihm ein weiteres. Aber ich will der Zeit auch noch nicht vorgreifen. Die Erde hat ihr eigenes Tempo. Heute habe ich eine witzige Werbung gesehen. Da war zu lesen: Schönen Gruß von Mutter Erde. Sie sagt: lass dich doch mal wieder blicken. So gesehen wohne ich ja noch zu Hause. Bei meiner Mutter. Eigentlich ein schöner Gedanke. Ich bin ein echtes Mamakind. 

21. August 2010

 

Vom einfachen Leben

 

Genau in diesen Tagen, in der mehrere Menschen, die zu meinen Bekannten und Schülerinnen gehören, von tödlichen Erkrankungen und plötzlichem Tod  betroffen sind, höre ich von den Toden öffentlicher Menschen wie Daxenberger und Schlingensief und bin tieftraurig und in Nachdenklichkeit versunken. Sie alle sind und waren noch so jung. Es rührt an alte Schmerzen und wenn auch nicht Wunden wieder aufreißen, so spüre ich doch die alten Narben. Ich weiß aus tiefstem Herzen um die Angst und dieses endlos erscheinende traurige und leidvolle Schicksal, mit dem alle Betroffenen leben müssen, weil es nie mehr so sein wird wie es einmal war.

Ich bin mit meinen Gedanken bei B. und M. und A. und ihren Familien.

Ich sitze hier in meinem einfachen Leben. Einfach ist es nur, weil es zur Zeit daraus besteht, die Notizen und Aufzeichnungen aus drei Jahren in Buchform zu formulieren und dem Zusammensein mit meinen Hunden, Katzen, Schafen und Großsittichen. Nicht gerade viel los bei mir augenblicklich. Wofür ich sehr dankbar bin.

In diesem einfachen Leben sitze ich also und denke darüber nach, was der Mensch wirklich zum Leben braucht. Es ist wohl nicht viel. Andere Menschen, Freunde, Mitfühlende. Einen Garten und sei er noch so klein. Mir imponieren die fliegenden Gärtner von Berlin und anderen deutschen Städten  über alle Maßen, die auf Brachgründstücken Gemüse anbauen und damit die Tafel – jene Organisationen, die Nahrungsmittel an Bedürftige verteilen – beliefern wie auch alle, die ernten wollen, ernten lassen. Man kann ja sogar auf einem Viertel Quadratmeter gut 30 bis 40 Kilo Kartoffeln anbauen und ernten (Man braucht nur eine auf bestimmte Weise präparierte große Tonne – wer wissen will, wie das geht, kontaktiere mich). Und man muss ein Feuer haben dürfen. Also auch machen können. (Schon gut, schon gut, alle Klimaschützer bitte ich zu bedenken, dass die vielen Kuhfürze viel mehr CO2 produzieren). Genug Essen, dass man es mit denen, die keines haben, teilen kann. Meine Mutter, die arm wie eine Kirchenmaus war,  kochte früher immer so viel, dass auch für einen unverhofften Gast noch etwas da war. Wir hatten übrigens regelmäßig unverhoffte Gäste, eigentlich täglich.

Eine meiner besten Freundinnen hat vor langen, langen Jahren einmal mehrere Wochen in der syrischen Wüste verbracht. Nur sie allein in einem kleinen Zelt. Sie war Fotografin und wollte das Leben der dort herumziehenden Nomaden fotografieren. In diesen Wochen erfuhr sie, was der Mensch zum Leben wirklich braucht. Sie war Gast in den Zelten einiger Nomadenfamilien. Es gab zu essen, zu trinken, ein (Zelt)Dach über dem Kopf, Menschen, die einander erzählten. Es war den Wüstenbewohnern selbstverständlich zu teilen. Denn so ist das ungeschriebene Wüstengesetz. Man lässt niemanden in der Not allein und man setzt niemandem der Gefahr aus.

Wenn ich in diesen Tagen lese, dass Frankreich, Schweden und demnächst wohl auch Italien die Roma-Familien nach Rumänien abschieben, so macht mich das nicht nur traurig, sondern auch sehr wütend. Ich erinnere mich, dass ich, als ich in den Siebziger Jahren in London lebte, dort Rosy kennenlernte, eine junge englische Lehrerin, die in einem alten schäbigen Wohnwagen die Kinder der (so hießen sie damals noch) Zigeuner und Tinkers (irischstämmige Nomaden, die auch Roma sprechen) unterrichtete. Bildung war damals das Zaubermittel der Integration. Das war noch bevor Margaret Thatcher Englands Seele tötete und die New Economists anfingen, unsere Welt als monetären Selbstbedienungsladen zu betrachten und uns da hinbrachten, wo wir heute sind: Beim Abschieben und Abwenden, bei der Herzlosigkeit und Verachtung, beim Fallenlassen und der Anbetung des Egoismus. In Israel gibt es ein christlich geführtes Hospiz, in das Israelis und Palästinenser gleichermaßen zum Sterben kommen. Oftmals liegen Juden und Moslems nebeneinander und gehen ihrem Tod entgegen.

Angesichts schwerer Krankheit und baldigem Tod sind so viele Dinge möglich, die wir in den andern Zeiten, als wir glaubten, die Zeit sei endlos lang, vor uns hergeschoben haben; nicht wahrhaben wollten. Die Zeit vergeht so schnell. Nur kurz ist unser Aufenthalt auf Erden. Gerade mal 4000 Wochen. Dann sind wir schon beinahe achtzig Jahre alt. Und niemand weiß, ob es nicht noch viel weniger Wochen sind.  

 

9. August 2010

 

Feuer und andere seelische Katastrophen

 

Ist Buch-schreib-Zeit, neigt die Autorin zu einem gewissen Autismus. Das ist auch gut so, denn sonst würde es nie etwas mit dem neuen Werk. Aber so zwischendurch will ich doch wenigstens ein Lebenszeichen von mir geben.

Ganz so weit geht der Autorinnen-Autismus dann auch wieder nicht, dass ich nicht auch als Essenzentherapeutin weiterhin zwei, drei Klientinnen begleite, die sich gerade in der Intensiv-Phase des eigenen Werdens befinden. Es ist schon wunderbar, miterleben zu dürfen, dass diese den Eingang in die Offenheit sich selbst gegenüber gefunden haben und darüber hinaus sogar ins Handeln gekommen sind. Aber sie haben in diesen Zeiten natürlich keinen Überblick – weder über ihr eigenes Leben noch über das Leben als Prinzip. Ich schon. Das ist der Deal.

Und so kann es geschehen und geschieht zur Zeit auch, dass die eine oder andere das Empfinden hat, die eigenen Verhaltensweisen und Dispositionen, die das Energiefeld für die missliebigen Situationen einst hergestellt haben, ließen sich nicht vertreiben oder auflösen. Kaum achte man nicht so drauf und lasse in der Wachheit nach, schwupps, seien sie schon wieder da. Ja, das ist so. Aber das bedeutet nicht, dass sich nie etwas ändert und man schon ungewollt die nächste Misere einlade.

Es bedeutet lediglich, dass man lebenslang aus der Nummer zwar nicht herauskommt, aber zur eigenen Freude und Erleichterung daran werkeln kann (und muss), dass daraus eine Kraft erwächst anstelle des Verdrusses, den es bis dahin bedeutet hat. Es braucht nur ein wenig Geduld, diese Kraft freizulegen.

Hilfreich ist es, die eigenen geistigen Vorstellungen von der Welt und vom Leben immer wieder daraufhin abzuklopfen, ob sie es nicht sind, die dafür sorgen, dass wir nicht weiterkommen. So mancher Mensch ist ja wie Russland in diesen Tagen, in denen seine Wälder und vor allem der Torf brennt. Man kann jede Hilfe von außen verweigern, weil man es selber schaffen will. Und macht dann die Erfahrung, dass man erfolgreich hundert Brandherde gelöscht hat, was nichts daran ändert, dass noch tausend andere schwelen.

Nicht wenige Menschen haben so eine Metapher im Kopf, wenn es um die eigenen Schwierigkeiten und Probleme geht.

Mein Rat: Macht euch andere Metaphern in die Köpfe! Bessere! Und holt euch Hilfe!

 

27. Juli 2010

 

Manchmal muss man ganz still werden

 

 

Im Empfinden, dass nun – wieder einmal – die Zeit mich erbarmungslos vor sich herschiebt und ich in den nächsten Wochen eine neue Landschaft meines Lebens betrete, habe ich mich vorher noch ein wenig herumtrödelnd umgeschaut, habe hier und da herumgesurft, mir dieses angeschaut und jenes gelesen, auf dass der Augenblick des Aufbruchs noch auf sich warten lassen möge. Ich liebe zwar den Neubeginn, aber ich hasse Abschiede. Das führt zu einem unerfreulichen und auch noch sinnlosen Lebensgefühl. Man möchte, aber man kann noch nicht. Schon beginnen wollen, aber kein Ende finden. Das ist einfach nur blöd. Im Internet herumzustöbern gibt dabei die Illusion der Geschäftigkeit bei größtmöglichem Stillstand.

Wenn man dann in den zahllosen Blogs anderer Autoren und rinnen hängen bleibt, oh je, dann wird es kritisch, ein wenig wie eine Mini-Frankfurter-Buchmesse. Ungeachtet dessen, dass da so manches Juwel zu lesen ist, erscheint es im Chor wie ein kakophones Geplärre, Getröte – schriftliche Vuvuzelas sozusagen. Bäh.

Und nun möchte ich ganz stille sein.

Manchmal muss die Welt stehen bleiben, damit wir zu uns selbst finden. Das gilt auch für uns pedantische Lebensleser, die wir tatsächlich in den Leben der anderen lesen wie in einem kostbaren Buch. Zuweilen liegt mir dann das Leid schwer auf der Brust und manch Gesicht hinter der gefallenen Maske hab ich zu lang angeschaut. Dann muss die Stille sein. Einatmen, ausatmen. Leer werden. 

 

12. Juli 2010

 

Ohren haben niemals Urlaub

 

Es ist Sommer, die WM ist endlich ausgestanden, Schland hat sich hoffentlich wieder von der Enttäuschung erholt, Gäste auf dem Schlangenberg kommen und gehen, die Praxis verbindet uns mit dem Dorfleben, ebenso die Verköstigung der Gäste unten im Gasthaus – so geht es dahin. „Es ist eine so wunderbare Stille bei euch“ sagt ein Gast. Allerdings erst, nachdem sie mir eine Stunde lang wortreich etwas erzählt hat. Ein entfernterer Nachbar checkt den Motor seines neuen Motorrades. Unten im Tal kriegt wer ein neues Dach. An diesem Wochenende werden 25 Dorffeste gefeiert, alle im Einzugsbereich meiner Ohren, obwohl die Dörfer weiter entfernt sind. Pauline beweist, dass ihr zweiter Name Tinitus ist. Auch die anderen Hunde schreien die Schafe an. Bäh sagt Cyriak. Er sagt es sehr laut. Schafbock halt.

Ohren haben niemals Urlaub.

Ich liebe den Alltag. Da sind die Leute bei der Arbeit. Die meisten unter Aufsicht. Was sie sagen, hat mit klaren Dingen zu tun. Dazwischen plaudert man ein wenig, das lockert die Atmosphäre auf. Und ich komme zum Eigentlichen. Bücherschreiben zum Beispiel. Oder die Arbeit an der Befreiung der Seele. Falls die Hunde mich lassen.

Ein wunderbarer Sommer. Endlich. Heiß, sonnig, trocken. So schöne Rosen hatte ich noch nie. 

 

23. Juni 2010

 

Die Reise zu den Wölfen

 

In meinen Eingeweiden

Kämpft ein Wolf ums Geborenwerden.

Mein Schafsherz, träges Geschöpf,

verblutet an ihm.

Dies ist eine Geschichte von einer Reise zu den Wölfen. Nein, keine Geschichte, in der von Menschen oder Wölfen und den Dingen, die ihnen widerfuhren die Rede ist. Es ist mehr metaphorisch gemeint. Für diese Reise müssen wir die Welt, die wir kennen, verlassen. Wir schleichen uns davon, weit fort von den Häusern und Straßen. Wir lassen alle Städte hinter uns, wo es beleuchtete Wege gibt. Am Ende verlassen wir auch die Wälder, wo es noch Schilder und landwirtschaftliche Wege gibt. Wir gehen hinein in das unbekannte Dickicht.

Auf unserer Reise zu den Wölfen müssen wir das Hören wieder lernen, auch das Riechen und das Spüren.

Wir lernen Hunger kennen, reißenden Hunger. Wir gewöhnen uns an die Kälte. Jetzt müssen wir das Sehen auch noch lernen.

Aber beginnen wir doch ganz von vorn. Was will ich denn bei euch mit meinen Wolfs-Worten erreichen?

Wer muss denn da zu den Wölfen reisen? Du bist vielleicht ein einsamer Mensch? Ein schüchternes Mädchen? Ein stiller Bub? Deine Familie ist zerbrochen? Dein Vater lebt nicht mehr bei euch?

Oder vielleicht lebt er noch bei dir und der Mutter, aber ist nie daheim. Oder – wenn er daheim ist, dann hat er keine Zeit für dich. Du siehst niemals wie der Vater die Mutter liebevoll in den Arm nimmt. Aber du hörst seine harten und bösen Worte. Deine Mutter ist mutlos und still, ein schwacher Mensch. Oder eine, der man nichts recht machen kann, ein verbitterter, harter Mensch.

Familie, das ist für dich ein Wort, zu dem es gehört, dass gestritten wird, geschrien und angeklagt; geschlagen und gestraft.

Vielleicht sagst du: ach, das ist doch schon lang vorbei.

Kann schon sein.

Und heute? Du hast vielleicht selbst Familie. Was für ein Vater bist du? Oder was für eine Mutter? Wie oft lacht ihr mit den Kindern? Vielleicht ist auch diese Familie zerbrochen? Du bist ein häufig abwesender Vater? Eine verzagte, traurige, einsame Mutter? Wieviel Familienfeste ohne Streit kennst du? Oh, wie schön, du schlägst deine Kinder nicht. Aber sie hören, wie du über die Nachbarn sprichst. Erleben, wie du hier ein wenig betrügst und dort ein klein wenig lügst.

Du siehst, die Spirale dreht sich weiter.

Also, es ist Zeit für eine Reise zu den Wölfen.

Die Reise zu den Wölfen bedeutet das Ende aller falschen Träume und Bilder, die dich nur vom Leben entfernen. Es bedeutet auch das Ende aller Klischees.

Alle Esoteriker lassen jetzt bitte jeden Traum vom persönlichen Krafttier beiseite. Alle „ich-gehe-meilenweit-für-eine-Camel-wolfskin-outdoor“-Leute lassen mal ihre Sehnsucht nach dem Wolf als Kameraden der Wildnis beiseite.

Der Wolf ist ein Wolf. Er lebt ein hartes Leben. Aber er lebt ein klares Leben. Dem Rudel geht es gut, wenn es einen guten Anführer hat. Dem Anführer geht es gut, wenn er eine Wölfin hat, die ihm eine gute Kameradin ist.

Weißt du, wie Wölfe leben?

In starken Familien. Die Wölfinnen gehen jagen. Die Wölfe eskortieren sie. Daheim sind männliche Jungtiere als Babysitter für die Kleinen abgestellt, die noch zu schwach und verletzlich sind, um mit auf die Jagd zu gehen. Sie haben ein gut funktionierendes soziales System, die Wölfe. Aber sie sind – aus unserer Sicht auch grausam zu ihren Artgenossen. Kranke Tiere sondern sich ab (Sie werden nicht ausgestoßen, sie gehen von allein). Alte Wölfe werden von einem aufstrebenden Anführer totgebissen. Immerhin in einem ehrenvollen Kampf.

Verfallen Sie hier nicht in darwinistische Träumereien. Wir wollen nicht das Gesetz des Stärkeren loben.

Wir  machen eine Reise zu den Wölfen. Nicht, um aus ihrem Verhalten für unseres abzuleiten. Papa der starke Wolf, die Mama die Spaghetti kochende Leitwölfin, im Kinderzimmer die Wolfswelpen? Nein, wir können nicht direkt von den Wölfen lernen. Sie haben ihre Welt. Wir haben die unsere.

In ihrer Welt gibt es einen starken Vater und eine starke Mutter.

In unserer Welt sehr oft nicht.

Da gibt es einen kleinen Jungen. Er ist sieben Jahre alt. Oder zehn.

Er hat Mutter und Vater. Aber Mutter und Vater haben einander nicht. Der Papa hat viele Termine. Die Eltern habe viele Sorgen. Er hört sie manchmal darüber streiten, wer die größeren Sorgen hat. Er fürchtet sich, dass es seine Schuld ist, dass die Eltern Sorgen haben.

Er hatte eine nette Kindergartentante.

Er hatte viele Lehrerinnen und hat sie noch.

Er hat ein Handy, auf dem landen Gewaltvideos und Pornos. Aber das wissen seine Eltern nicht.

Er kann schon mit dem Computer umgehen. Viel besser als die Eltern. Er surft im Internet wie ein Alter. Leider auch auf den Seiten für die Alten, die Erwachsenen. Wenn seine Mutter ihn fragt, was er da denn mache, antwortet er oft nicht einmal.

Er soll gute Noten heimbringen. Aber er soll keine Probleme machen.

Leistung muss sich lohnen, hat der Papa neulich einmal gesagt.

Er mag Weihnachten, weil es da viele Geschenke gibt. Wofür Weihnachten sonst gut ist?

Er hat keine Ahnung.

Er spürt oft, dass der Mama alles zuviel ist. „Männer““ schimpft sie dann. Und das bedeutet, dass der Papa alles falsch macht. Vor allem, dass er nicht da ist.

„Der Papa muss arbeiten“ sagte sie.

Oder: „Oh ja hat der Papa dich lieb, er kann es nur nicht so zeigen“.

Das Kind hat eine glückliche Kindheit. Keine Frage. Es spürt keine Armut. Besucht gute Schulen. Die Eltern sind gut zu ihm. Er wird nicht geschlagen und auch nicht bestraft, in dem man ihn einsperrt.

Aber der Bub weiß das Wichtigste nicht. Er weiß nicht, wie man ein Mann wird. Ein guter Mann und ein starker Mann, ein liebender Mann und ein Mann, der sich behaupten und kämpfen kann. Ein Mann mit Selbstachtung.

Gott sei Dank hat der Bub einen Onkel. Mama nennt ihn Schwarzes Schaf. Auch er ist kein Wolf. Er ist nur ein Schwarzes Schaf. Aber immerhin. Der Onkel ist kein Wolf, denn er hat kein Rudel, allenfalls ist er ein einsamer Wolf. Aber der Onkel ist ein Abenteurer. Einer, der keine Angst vor seinem Chef hat, denn der Onkel hat gar keinen Chef. Er klettert auf die Berge. Und erzählt davon, wie es ist, wenn man allein im Wald übernachtet.

Der Bub könnte ihm stundenlang zuhören.

Und eines Tages, da ist der Bub bald dreizehn, da bereitet der Onkel ihm seinen Geburtstag. Er hat darauf bestanden.

Am großen Tag fährt er mit ihm in die Berge. An einem Haus unten im Tal sind alle Frauen der Familie versammelt. Die Mama, die Tanten, die Omi, die kleine Schwester. Am späten Nachmittag zünden sie ein großes Feuer an. Und dann schleppen sie seine Kinderkleidung herbei. Die Mama hat ein paar Tränen in den Augen, als sie seine Babysachen in der Hand hält – und ins Feuer wirft.

Und als alle seine Kinderkleidung im Feuer gelandet ist, werden Kartons mit seinen alten Kinderspielsachen geöffnet. Und er muss nun entscheiden, ob er sie noch braucht oder doch nicht?

Tapfer entscheidet er sich dafür, dass sie ins Feuer geworfen werden.

Und wie es dann ganz dunkel ist, beginnt das große Abenteuer der Reise zu den Wölfen. Die Frauen zeigen ihm, dass ein gutes Stück weiter den Berg hinauf auch ein Feuer brennt. Sie geben ihm ein wenig Wasser mit, busseln ihn noch einmal tüchtig, und dann muss er dort hingehen, wo das Feuer ist.

Ganz allein. Ohne Taschenlampe.

Das ist kein Spiel mehr. Das ist echtes Leben.

Oben am Feuer warten die Männer auf ihn. Er wird nun einer der ihren. Er betritt die Männerwelt.

Der Papa sitzt mitten unter den Männern der Familie.

So KÖNNTE es sein So SOLLTE es sein. So ist es aber nicht. Und niemandem bricht das Herz darüber.

Wenn wir zu den Wölfen reisen, so können wir nicht nur lernen, dass und wie wir unseren männlichen Kindern zeigen, was unsere Welt ist, welches ihre Gesetze sind und wie sie lernen können, sich darin zu bewegen. Wir können auch lernen, was unsere weiblichen Kinder können müssen, um starke und glückliche Frauen zu werden.  Ein Ritual als symbolischer Akt des Erwachsenwerdens für Mädchen wird ganz anders sein müssen als so ein Feuerritual für Buben.

Aber – was wohl das größte Problem ist: Meistens aber gibt es ein solches Schwarzes Schaf in den Familien nicht. Sie sind recht selten. Wölfe noch seltener.

Vor zwanzig Jahren habe ich Wolfsland betreten. Und ich glaube, ich bin seither nie mehr ganz zurückgekehrt. Ich nehme  wohl nur noch besuchsweise an der allgemeinen Realität teil. Den Wald der Wichtigkeit habe ich nicht mehr betreten. Wozu auch? Zugegeben, man muss ihn kennen. Aber dann, wenn man ihn kennt, in- und auswendig kennt? Noch wichtiger werden? Meister der Wichtigkeit? Oberwichtigster Herrscher über alle Wichtigen? Nein, ich bleibe lieber bei den Wölfen, draußen im ungeschützten Land. Ob es wohl schwarze Schafe unter den Wölfen gibt?

22. Juni 2010

 

Suchende und SeherInnen

 

Wir leben in einer Input-Gesellschaft, schrieb mir heute ein lieber Kollege. Und er verwies auf ein Verdauungsbuch von Rosina Sonnenschmidt, in dem sie ebenfalls darauf hinweist, dass wir mehr zu uns nehmen, als wir hergeben oder verarbeiten und verbrauchen können. Natürlich stimme ich dem zu, denn diese Beobachtung mache ich auch. Nur – irgendwas an dieser These ist das am falschen Ende aufgezäumte Pferd.

Ich korrigiere also diese These und behaupte, dass wir zuviel unverdaulichen, schlechten Input haben, und zwar ohne Ende. Buchstäblich, was Essen angeht und im übertragenen Sinne erst recht.

Das Problem hat sich in zwei Phasen entwickelt. In der ersten Phase erlebten wir einen Strukturwandel, was das Lernen angeht. Wir bemerkten – als Gesellschaft und als Einzelne – dass es mehr über das Leben und über sich selbst zu erfahren und zu lernen gibt als unsere schon vor 40 Jahren verrotteten Lern- und Ausbildungssysteme uns geben konnten. Bis dahin hatte sich die Welt in Autoritäten und Dressierte aufgeteilt. Nun wandelte sich die Welt und es gab Suchende und es gab Seher. Seher sind keine Autoritäten, und so mussten (und müssen) die ihre Gaben empfangenden Suchenden sich nicht in den Staub werfen, um zu bekommen. Das Klima zwischen Suchenden und Sehern ist eben so unendlich viel lockerer als das Klima zwischen Abrichtern und Abzurichtenden. Das hat aber in der Phase zwei die Suchenden auf die Idee gebracht, dass  das mit den Gaben der Seher offenbar keine Kunst sei. Das Zeug lässt sich auch als Suchender unter die Leute bringen. Und wirklich – die anderen Suchenden bemerkten mangels Vergleichsmöglichkeiten den Schmufu nichts und nahmen (und nehmen) die unechte Lebens- und Selbsterkenntniskost arglos zu sich. Inzwischen ist das Heer der Suchenden, die Plastikerfolg und Plastikerleuchtung und Plastiktherapie anbieten so angewachsen, dass es kaum noch jemanden gibt, der das Zeug haben will. Und die, die es dennoch zu sich nehmen, denen wird bald schlecht.

Wir paar Seher (ich darf mich mit Verlaub zu diesen rechnen) stehen seither etwas dumm in der Landschaft herum und sind mit eigenartigen Fragen konfrontiert. Beispielsweise: wer ist dein Guru? Oder: Bei wem hast du deine Geheimlehre gemacht? Oder: Hey, ich hab jetzt mein Schamanendiplom, nach nur vier Wochenenden. Wollen wir nicht mal was zusammen machen? Oder: Arbeitest du nach Hellinger? Oder: Arbeitest du nach Scheffer? Oder: Warum pflanzt du auf dein Labyrinth nicht ein paar hübsche Blumen, da sähe viel ansprechender aus als dieses Gestrüpp hier.

Leute, ich arbeite nach Aliti und das Gestrüpp nennt man Wiese und zwar eine echte, das heißt, da wachsen viele Pflanzen, die Heilkraft haben. Die Gaben, die ich anzubieten habe, ersparen euch nichts. Sie führen euch in eine Tiefe, wie sie nur die Stille eines Ortes und die ungeteilte Aufmerksamkeit einer Lehrerin hervorbringen kann. Ich habe mir viele Jahrzehnte nichts erspart und darum weiß ich, wovon jemand spricht, der an einem Punkt seines Lebens angekommen ist, an dem Hilfe benötigt wird. Ich kenne einige gute Hilfen, um auf den Weg der Heilung zu kommen. Und keiner dieser Wege ist eine Abkürzung. Hier kocht die Chefin noch selbst. Ohne künstliche Aromen oder Geschmacksverstärker. Und immer frisch.

Ihr kennt doch sicherlich dieses Bild von Hölle und Himmel, wo im einen Fall die Leute ausgehungert um einen mit vielen Speisen gedeckten Tisch sitzen und nicht essen können, weil das Besteck länger als ein menschlicher Arm ist; und im anderen Fall die Leute wohlgenährt um genau so einen Tisch sitzen, weil sie gelernt haben, einander mit dem überlangen Besteck zu füttern.

Ich finde, wir sitzen immer noch um diesen Tisch und wir sind durchaus im Paradies, weil wir uns gegenseitig füttern, nur dass die Speisen auf dem Tisch schon lang nicht mehr genießbar sind.

 


17. Juni 2010

 

Wahrhaftigkeit

 

Echt, authtentisch, wahrhaftig – so wollen wir sein, so soll unser Leben sein. In der Liebe, im Beruf, im Alltag. Sagen können und dürfen, was man denkt und fühlt und wünscht. Keine Mauern aufrichten, um seine Gefühle und Wünsche verbergen und schützen zu müssen. Nicht in der Abgegrenztheit der eigenen Person gefangen sein.

Das ist nicht so leicht zu erreichen. Wir sind ständig Situationen ausgesetzt, in denen von uns verlangt wird, uns so zu verhalten, dass ein falscher Fuffziger dagegen golden erstrahlt wie eine genuine Philharmoniker-Goldmünze. Man begebe sich nur einmal in eine dieser Firmen, die ihren MitarbeiterInnen Freundlichkeitsschulungen spendiert haben. GutenTagmeinNameistRoswithaKoslowskiDeskjuniormanager waskannichfürSietun? Streckt uns eine solche Stimme im geschäftsmäßigen Ton nieder.

Ich denke und fürchte immer, dass viel dieser aufgesetzten Freundlichkeit für den so dressierten Menschen das reine Gift sein muss. Groll, Ärger, Enttäuschung, Zorn und Wut existieren. Sie werden von eben diesem Alltag erzeugt und führen ein Eigenleben im Untergrund. Das ist sehr ungesund. Wir werden dazu erzogen, uns in Sprechen und Verhalten zurückzuhalten. Ganz besonders, wenn es um den Ausdruck von Aggression geht. Das hat mit guter Erziehung und guten Manieren nichts zu tun. Mir geht es nicht darum, dass wir einander ungehemmt um die Ohren hauen, was uns so im Inneren bewegt. Ein gewisses Maß an Höflichkeit und Aufmerksamkeit ist kultureller Ausdruck eines gesellschaftlichen Zusammenlebens, das ich immer wie einen Tanz begreife, den wir alle miteinander tanzen. Aber dazu gehört eben auch die Kunst, mit Aggressionen umzugehen. Ich würde mir in den Schulen ein Aggressionstraining als Bestandteil des Unterrichts wünschen. Ein Training, bei dem die Kinder nicht nur lernen, wie man sich verteidigt, sondern wie man gesund und befreiend seine Aggressionen zum Ausdruck bringt. Schaut euch einen Tango an und lernt, wie sich auch Aggressionen in Tanz umwandeln lassen.

Es ist besser, sich laut und deutlich zu äußern und, seinen Impulsen folgend, zu reagieren, um sich Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen, wenn etwas nicht passt. Sei laut und impulsiv. Lass dir nix gefallen, wie schon der legendäre Menschenkenner Dr. Kurt Ostbahn riet.

Im Gegensatz dazu stehen leider auch all die schönen Gedanken, dass nur Schweigen und Zurückhaltung dem Weisen angemessen sei, mit denen eine ganze Reihe von um unseren inneren Frieden bemühten Menschen schnell bei der Hand sind. Das ist ein ganz gewaltiger Humbug, solange Schweigen, Stille und Zurückhaltung nicht der Wahrnehmung unseres Inneren dient, sondern der Unterdrückung äußerst lebendiger und natürlicher Empfindungen. Sei laut und impulsiv. Das tut der Weisheit keinen Abbruch. Dies ist nicht Nirvana. Dies ist Erde. Und auf Erden gehört es zum guten Ton, über die gesamte Palette des menschlichen Gefühlslebens zu verfügen und ihm Ausdruck zu verleihen. Wann immer verlangt wird, keine blöden Witze zu reißen oder auch sonst nicht respektlos sein zu dürfen oder zu schweigen oder wegzuschauen oder stillzuhalten – sei sicher, dass du dich in einer Welt befindest, die gerade auf dem besten Wege ist, eine totalitäre Welt  zu werden. Das betrifft nicht nur Staaten, sondern auch kleine Gruppierungen wie die Familie oder die  Zweierbeziehung. Lebensverachtende Diktatoren gibt es auch im Kleinformat.

Die Ausländerpolitik der österreichischen Regierung; die Art und Weise, wie mit alten Menschen umgegangen wird; die grottige Unwissenheit, mit der Menschen in die Elternschaft starten; die fraglose Bereitschaft, mit der sich Frauen noch immer von ihren Männern kleinhalten lassen; die selbstverständliche Angst vor Existenzverlust, Jobverlust und Einsamkeit, mit der wir uns manipulieren und missbrauchen lassen – das alles ist es wert, dass wir laut und deutlich werden.  Wahr und wahrhaftig.

 

14.  Juni 2010

 

Silber-Tsunami rollt an!

 

Es geht um’s Altwerden, um’s Altsein.  Zu diesem Thema hat offenbar jeder was zu sagen. Vor allem die, die es noch nicht sind, erklären gern und meist wenig intelligent und schon gar nicht empathisch, was das Alter ist. Die Welt ist voller Nichtschwimmer, die anderen Leuten gern das Schwimmen beibringen wollen.

Gerade heute wieder auf Ö1 (für die deutschen Leser: ein Radiosender mit ernsten Themen). Da war es eine Dame, die noch nicht mal 50 war, die darüber sprach, dass sie das Älterwerden eigentlich recht gut findet und belehrte uns alle ausführlich darüber, wie es so im Alter ist.  Sie meine, dass die Jüngeren (also in diesem Falle nicht sie, denn sie war ja die Altersexpertin) sehr umdenken müssten, denn die Bilder, die wir uns von alten Menschen, also vom Alter machen, würden jetzt, wo die Generation der Babyboomer alt werde, über den Haufen geworfen. In Zukunft würde man sehr viel später und völlig anders altern als früher.  Da kann ich nur zustimmen, dachte ich und hoffte, dass sie auf diese Art vorangeht und uns alte Babyboomer nicht mit den überholten Bildern vom Altsein langweilt. Aber leider, leider, auch sie keine Ausnahme. „Wenn ich dann eines Tages im Pflegeheim sein werde“ hub sie an Und: wenn man es dann mit Sechzig schafft, trotz ständiger Schmerzen froh und glücklich zu sein; und ich bedauerte, dass mein Autoradio fest eingebaut ist, denn nur allzu gern hätte ich es im heiligen Zorn zum Autofenster hinausgeschmissen. Dazu hätte ich mich gerade noch imstande gefühlt trotz meiner Sechzig.

Naseweises Ding, rief ich laut und hatte endgültig die Nase voll, nachdem in der vergangenen Woche ein paar  Jungdeppen auf Facebook schrieben, dass für die ältere Bevölkerung ja leider die Unfähigkeit, ein Handy zu benutzen, ein unüberwindliches Hindernis im Bedürfnis nach Sozialkontakten sei, weshalb sie, die Jungdeppen,  Handys mit extrem vereinfachter Bedienung entworfen hätten. So etwas hört jemand wie ich, die schon Handys benutzte, als sie noch ein kleines Vermögen kosteten und so groß wie Schuhkartons (Größe 44) waren, nicht gern. Ebenso wenig wie ich journalistische Meisterleistungen a la „ trotz ihrer 60 Jahre noch immer schön und liebenswert“ nicht ungestraft durchgehen lassen will.

Das vor einigen Jahren erschienene Werk „Das Methusalem-Komplott“ von Frank Schirrmacher (Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen) hat dankenswerter Weise das gesellschaftliche Bewusstsein angestoßen, dass mit dem Eintritt der Baby-Boomer-Generation ins Alter ein gewaltiger Silbertsunami auf uns zurollt (was heißt uns, ich rolle ja selber mit). Leider blieb Schirrmacher in der ökonomischen Erörterung stecken. Naja, halt typisch deutsch, allen sofort vorrechnen, was das alles wieder kostet. Dabei wird es doch erst da interessant – zumindest weckt es meine Neugier und Leidenschaft – wo es um das zukünftige persönliche Erleben einer ganzen Generation geht, die mit Sechzig noch so fit ist, dass sie gute 30 Jahre vor sich hat, die mit Sinn und Tat gefüllt werden wollen und nicht bloß mit Pensionistenfreizeit. Es geht um Perspektiven und Visionen. Ja! Alte Leute und Visionen  das passt richtig gut zusammen, ihr Rotzlöffel, ihr jugendlichen. Schaut gut hin! Von uns werdet ihr lernen, wie man auf bunte, rockige, spritzige und lustvolle Weise alt wird ohne den Anschluss an die Entwicklung der Welt zu verpassen, sondern diese mit voller Kraft mitgestaltend. Von uns werden die wenigsten klapprig am Sonnenbankerl vor dem Haus sitzen und durch den Lebensabend dämmern und allenfalls die Apothekenrundschau lesen. Aber was wird gebetsmühlenartig überall und allerorten wiederholt? Prostata; Lifta, der Treppenlift; Oberschenkelhalsbruch, Demenz, Pflegeheim. Da wirst du doch zur Furie. Zur alten Furie. Ein wenig Chaos und Anarchie in eure Köpfe zu bringen, sollte uns trotz aller Altersmilde noch gelingen. 

 

10. Juni 10

 

Zeitreisen

 

Gestern haben Kinder der Volksschule Bierbaum das Labyrinth am Schlangenberg besucht und dieses tausende Jahre alte Symbol kennengelernt. Wir hatten eine lustige Zeit miteinander.

Es sind die eher wenig dramatischen Zeiten am Schlangenberg angebrochen. Ich bin mehr als froh drum. Denn das ist keine Selbstverständlichkeit. Die Stille dieses mystischen Ortes darf nicht mit einer wirklichkeitsfernen Idylle verwechselt werden. Wie schon einmal erwähnt: Um ein einfaches Leben führen zu können, ist es notwendig, ein ziemlich kompliziertes Leben zu führen. Um für alles und alle zu sorgen, segeln wir oft hart am Rande der Überforderung entlang, chronisch unterbesetzt und finanziell alles andere als gepolstert. Und immer gibt es etwas (Dächer, Rasenmäher, Hausfassaden, Projekte) oder jemand (Freundinnen, KlientInnen, Schafe), der schreit: Du hast dich nicht genügend gekümmert! Wie die rote Königin zu sagen pflegt: Um auf der Stelle zu bleiben, muss man ganz, ganz schnell rennen.

Wenn ich in der Zeit zurückreise, dann stelle ich fest: dass es Zeiten gab, da war das Leben viel, viel schwerer und die Zukunft mindestens so ungewiss wie heute. Vielleicht sogar noch weitaus ungewisser. Heute, da ich die Zukunft von damals schon kenne, muss ich lachen. Das Leben ist weitergegangen, wie ich sehe. Und zum Teil sogar besser als ich erwartet habe. Warum lernen wir nicht aus unseren Zeitreisen in die Vergangenheit? Wieso nutzen wir die Fähigkeit zum Rückblick nicht?

Folgt man dem deutschen Fernsehen auf sämtlichen Kanälen und den meisten deutschen Tageszeitungen, gewinnt man den Eindruck, dass nun aber endgültig Schluss ist. Zukunft gibt es nicht mehr. Die wird abgeschafft. Der Untergang ist nicht nah, sondern schon da, so suggerieren sie. Dies nehme ich als ein Zeichen dafür, dass es den Deutschen zur Zeit ziemlich gut gehen muss. Denn die frönen ihrer Lustangst am Untergang immer nur dann, wenn es in Wahrheit ruhig und undramatisch zugeht. Erst wenn es ernst wird hört das deutsche Gestöhne und Gejammere auf und sie kümmern sich tatkräftig und fleißig.

Ich nutze meine Fähigkeit zum Rückblick und freue mich. So viel Hoffnung wie zur Zeit war nie. So viel ruhige Klarheit war nie. Die Sorgen sind nicht weniger als zu anderen Zeiten. Aber die Zeichen stehen nicht auf Sturm. 

 

7. Juni 2010

 

Essenz ist das einzige, das bleibt

 

Das Leben, so hört man es oft, sei kein Wunschkonzert. Wirklich nicht? Ich meine eher, dass das Leben uns alle Wünsche, die wir äußern, erfüllt. Nur ist das nicht halb so schön, wie wir uns das vorgestellt haben. Denn die Kunst des richtigen Wünschens beherrscht kaum einer. Da stecken wir häufig im Griff der Habgier oder haben einfach eine Sache nicht bis zu Ende durchdacht. Wir leiden heute stets unter der Erfüllung unserer Wünsche von gestern.

In den Zeiten, die von uns verlangen, dass wir Bilanz ziehen – also zum Beispiel jetzt – hält uns das Leben solche Spiegel vor, in denen wir schwer an dem Glück von gestern tragen.

Das richtige Wünschen, das richtige Bitten besteht darin, um die Essenz dessen zu bitten, was man ersehnt. Essenz ist das, was wesentlich ist. Essenz ist das, was am Ende bleibt. Dann hat man eine Chance darauf, weniger murren zu müssen, wenn der Wunsch erfüllt wird.

Wenn wir bedenken, dass wir uns dem ununterbrochenen Wandel von Geist und Seele hinzugeben haben, dann Essenz das, was wir nach jedem Wandel mit in die neue Zeit nehmen. Mehr ist nicht nötig. Es ist diese Essenz des Gewesenen, die wir in die Zukunft mitnehmen. Die Zukunft – eine Zeit, in der wir nicht mehr dieselben sein werden, die wir heute sind. Und was sind wir heute? Einen Tag klüger als gestern. Aus diesem Gefühl heraus das Neue zu umarmen ist alles, worauf es ankommt. Wenn wir uns etwas Neues wünschen, dann sollten wir offen dafür sein, dass es aus einer beliebigen Richtung, durch einen beliebigen Menschen, an einer beliebigen Stelle in unser Leben treten kann. Es ist ausgesprochen beschränkt, es aus dem Kontext, den wir kennen, zu erwarten. Die meisten Menschen, die ich kenne, erwarten, dass das Bekannte ihnen das Unbekannte beschert. Heilige Einfalt! Das Unbekannte erfordert Veränderung. Wenn wir eine Veränderung im Leben anstreben, ist es notwendig, jene Ansichten zu ändern, die uns in der Vergangenheit von dieser Veränderung abgehalten haben. 

 

Noch immer der 3. Juni 

Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde in den Traum der Nacht

 

Zeit, Bilanz zu ziehen. Zeit, in die Stille zu kommen. Rückzug, nachspüren, Kraft schöpfen. Den Schmerz wahrnehmen und tief atmend verabschieden, lange Gespräche am Feuer und weite Blicke ins Land. Die Nächte unter dem sternenübersäten Himmelsgewölbe.

Was gibt es loszulassen? Wie groß ist die Angst? Wohin soll es gehen? Was kann ich tun, was kann ich selber beitragen zu einem guten Leben? Selbsterkenntnis stellt sich ein, wenn ich eintauche in die Tiefen meiner Seele, in jene Regionen, die ich im Alltag nicht spüren darf.

 

Zu Gast sein am Schlangenberg heißt, allein sein dürfen, gemeinsam sein dürfen. Keine Fremde mehr sein, sondern Befreundung erleben. Das Geschenk des einfachen Lebens erfahren. Tiere, Pflanzen, Sonnenuntergänge, der Pool, das Labyrinth, die langsame Zeit. Die Tage am Schlangenberg gehören zu deinen Meilensteinen, die den Rückblick und die Voraussicht erlauben.

 

Loslassen, was seine Zeit erfüllt hat. Verabschieden, was gehen will. Frei werden für den nächsten Schritt, immer nur für den nächsten Schritt.

 

7. – 11. Juli 2010

Nähere Informationen und Anmeldung unter 06766806657

 

3. Juni 2010

 

Alles Verrückte?

 

Unser Sozialversicherungssystem ist genial. Es funktioniert wie eine Parallelwelt. George Orwell hatte sich ja vor langer Zeit ein politisches System erdacht, das er an den damals real existierenden Sozialismus angelehnt hatte. Dass es ähnliche Dinge auch im freien Kapitalismus geben würde, hätte wohl niemand für möglich gehalten. Oder?

Man stelle sich vor, dass es möglich wäre, ein ganzes Volk, also Millionen von Menschen in ihrer Wahrnehmung so zu beeinträchtigen, dass es nicht nur den üblichen Gesetzen folgt, sondern so genannte Knebelgesetze für ganz besonders positive Errungenschaften eines einfach so ernannten Sozialstaates hält.

Blödsinn? Keineswegs. Ich spreche von unserem Gesundheitssystem. In diesem Fall spreche ich über das österreichische Gesundheitssystem. Meine deutschen LeserInnen mögen sich bitte das Entsprechende auf ihr eigenes, ja beinahe identisches System übertragen.

Wenn ich als Privatperson mit anderen Leuten einen Vertrag abschließen wollte, der mich zu gar nichts verpflichtet, meine Vertragspartner aber sehr wohl; der mir die das Recht gibt, die Partner in den finanziellen Ruin zu treiben, meine Partner aber keine Chance haben, aus dem Vertrag wieder auszusteigen, dann hätte ich 1. Wohl keine Vertragspartner, denn die sind ja nicht deppert oder 2. Wenn doch deppert, dann ich im Häfen (Germandeutsch: Knast) wegen krimineller Betätigung, Betrug etc.

Ich spreche von unseren Krankenkassen. Es ist ihnen in Zusammenarbeit mit dem Staat gelungen, dass niemandem ihr Wesen wirklich klar ist. Die meisten Leute wissen nicht einmal, dass es zwischen den Krankenkassen und den Leuten einen Vertrag gibt.

In den Köpfen der Menschen verschwindet Geld auf dem Papier, also der Lohnabrechnung noch bevor sie es in die Hände bekommen und wandert zur großen geheimen Krankenkassenbruderschaft. Die tritt regelmäßig mit der Nummer auf, dass sie am Rande des Abgrunds balanciert und in einem Monat ganz, ganz sicher pleite ist, während ihr aufgeblähter Verwaltungsapparat über mollige Gehälter warm finanziert, recht gut lebt und in schlechtem Benehmen und moralfreien Geldeintreibermaßnahmen gut geschult die Kundschaft im Würgegriff hält. Die Arztbesuche sind in den Augen der Leute irgendwie durch Zauberei kostenlos und dass die Ärzte die großen Abzocker sind, erscheint den Leuten plausibel, denn die fahren ja so große Autos und wohnen in großen Häusern.

Ich hatte vor einiger Zeit mit einer von einer Klientin zum Abendessen mitgebrachten Dame ein längeres, letztlich ausgesprochen unerfreuliches Gespräch, weil diese über die Ärzte schimpfte. Man kennt das ja: geldgierig, leistungsgeizig, haben nie Zeit für die Patienten etc. Als ich sie darauf hinwies, für welches Geld die Weißkittel arbeiten, wenn ich sehe, wie die einzelnen Leistungen von den Krankenkassen bezahlt werden, kamen wir in die Kontroverse. Was niemandem offenbar klar ist – jener Dame übrigens auch nicht: Die Ärzte sind Dienstleister der Krankenkassen. Die beiden haben einen Vertrag. Wir – die Leute, die Kranken – haben einen Vertrag mit der Krankenkasse. Nicht freiwillig, nein, sondern per Gesetz. Wenn uns etwas an einem Arzt nicht passt, haben wir zwei Möglichkeiten: wir können den Arzt wechseln, weil wir freie Arztwahl haben oder wir setzen uns mit unserem Vertragspartner in Verbindung, nämlich den Krankenkassen. Die uns allerdings was husten. Warum sollten sie uns ernstnehmen, wo wir doch die dümmsten Vertragspartner der Welt sind, die einen vom Gesetz festbetonierten Knebelvertrag abgeschlossen haben.

Nun geschah es also in der Zeit, dass die Krankenkassen, die ja aus für uns dummen Versicherten unerfindlichen Gründen – fragt man Kasse wird sie sagen: weil wir dummen Versicherten einfach viel zu wenig zahlen – also aus für uns unerfindlichen Gründen schon wieder am Rande des Abgrundes stehend versuchten, den Ärzten viel, viel weniger zu zahlen als bisher. Die wollten das nicht mitmachen und nun haben Krankenkasse und Ärzte auf einmal keinen Vertrag mehr.  Was bedeutet das für uns Depperte? Wir haben auf jeden Fall einen Vertrag mit der Krankenkasse, denn einbetonierter Knebel, eh schon erwähnt. Ich zahle also weiter. Und zahle und zahle. Die Gegenleistung? Keine. Naja, fast keine. Ich bin zwar versichert, aber ich muss Arztbesuche, Medikamente nun selber zahlen. Ich darf diese Abrechnungen bei der Kasse einreichen, die mir 80 % davon erstattet. Nicht sofort natürlich, sondern irgendwann. Vielleicht in einem halben Jahr? Über die 80 % muss ich mich nicht aufregen, denn auch von den ärztlichen Leistungen, die der Mediziner mit meiner Kasse abrechnet, werden immer nur 80 % gezahlt, den Rest zahle ich als Selbstbehalt trotz saftiger – was sage ich – allersaftigster Krankenkassenbeiträge meinerseits. Nur dass die Ärzte jetzt kostendeckende Honorare verlangen dürfen, denn sie sind ja an keinen Vertrag mehr mit der Krankenkasse gebunden.

Ja, diese Krankenkassen. Eine kleine verschworene Parallelwelt inmitten der freien Demokratie. Was können die auch dafür, dass vollkommen unabhängige, ja höchstens Gott und ihrem Gewissen verpflichtete superfreie Politiker, die schließlich vom Volke nach dessen  reiflicher Überlegung gewählt worden sind, solche lustigen Gesetze festklopfen.

Wie schon oft an dieser Stelle erwähnt, ist das politische Feld nicht meine Baustelle. Wenn ich mit der Politik in Berührung kam, traf ich manchmal Menschen; echte Menschen mit Herz und Verstand; aber die meisten waren und sind merkwürdige Gestalten, krank im Geist und in der Seele, wobei letzteres schon deshalb kaum auffiel, weil sie sie längst verkauft hatten. Aber es gibt Zeiten wie im Augenblick, da fühle ich mich ohnmächtig in meinem Zorn, denn wir einfachen Bewohner eines Landes haben weitaus weniger Möglichkeiten als uns unsere Demokratie vorgaukelt und da muss ich meinem Herzen Luft machen. 

 

  1. 1. Juni 2010

 

Plötzlich und unerwartet

 

Jetzt kommt Erstaunliches auf uns zu. Überraschungen, plötzliche Kehrtwendungen, manches verschwindet wie von Zauberhand, anderes wird neu entdeckt, obwohl es vielleicht immer schon da war oder auch nicht. Für einige Jahre geht es jetzt so zu, dass Bundespräsidenten unvermutet die Fliege machen oder ein junges Mädchen mit einem mittelmäßigen Song und einer drittklassigen Performance aber wie ein fröhliches junges Lämmchen die Herzen aller gewinnt und diesem ob seines pekuniären Strebertums so selbstgefälligen wie selbstgerechten Deutschland zeigt, dass man manchmal auch etwas völlig unverdient geschenkt bekommt, mit dem man eigentlich nicht rechnen konnte. Bei uns in Österreich vielleicht nicht gar so plötzlich und unerwartet und vielleicht auch mit weitaus geringerem Tempo als anderswo, aber auch für uns gilt: Uranus ist in das Zeichen Widder eingetreten und das heißt nichts anderes als: die Überraschungen nehmen kein Ende.

Das ist auch gut so, nachdem die ganze westliche Welt offenbar im Krisengestöhne versinkt, als wären wir alle zusammen für immer an einem windigen und regnerischen Märznachmittag im Sommerkleidchen in einem unbekannten Industriegebiet zusammen mit einem Bus voller schlecht gelaunter deutscher Pensionisten ausgesetzt worden, die uns ständig vorrechnen, was das alles wieder kostet. Jetzt kommt mal ein wenig Schwung in die Sache. Und es wird viel zu lachen geben. Da ist ein Bundespräsident, der die Deutschen wissen lässt, dass er nicht länger gewillt ist, für sie den Vollhorst zu machen (für Österreich: den Vollkoffer) ja erst der Anfang. Ich freue mich. Ein bisschen Spaß muss sein.

Eine Klientin von mir hat heute mit meiner Hilfe einen großen Sieg in einer kniffligen Auseinandersetzung mit einer mächtigen Organisation lachend davongetragen. Wir entwickelten eine Strategie des Ungewöhnlichen und die fiesen Funktionäre wussten nicht, wie ihnen geschieht. Es funktionierte, aber nicht für sie und hat überdies noch einen Riesenspaß gemacht. Oder nehmen wir diesen widerlichen Bischof Mixa, ein Täter der Spitzenklasse, der sein Amt durch eine falsche Anschuldigung verlor. Ist das nicht schön? Er war sich sicher völlig sicher, dass ihm niemals jemand etwas anhaben könnte. Das Leben mit Uranus kann so lustig sein

 

6. Mai 2010

 

Versteht ihr, was gerade geschieht?

 

Mich bewegen die dramatischen Geschehnisse um das finanzielle Schicksal Griechenlands sehr. Weil es meine Heimat ist – meine Ursprungsheimat - , vielleicht auch in mancherlei Hinsicht, die ÖsterreicherInnen oder Deutschen nicht so nahe geht.

Ich schäme mich dafür, dass sie es gewagt haben, sich mit einem unglaublichen Betrug in die Europäische Euro-Gemeinschaft geschlichen zu haben, auch wenn ich von Dingen in Österreich Kenntnis habe, in die zwar nur einzelne Politiker und Geschäftsleute verwickelt sind, die dem aber als dreistem Gesetzesbruch in Nichts nachstehen, und die ich hier nur deshalb nicht beschreibe, weil ich nicht lebensmüde bin (Habe mich von dem Versuch der Existenzvernichtung, dem ich 2008 ausgesetzt war, weil ich mich weit zum Fenster hinausgehängt hatte, bis heute noch nicht erholt).

Ich ärgere mich über die Griechen – und das nicht erst seit ihrem offenbar gewordenen Finanzdebakel – weil sie mit diesem wunderschönen Land, das Gott ihnen geschenkt hat, lieblos und schlecht umgehen. Beispiel Waldbrände und Tierelend. Weil alle in den Staatsdienst wollen und niemand Steuern zahlen will. Weil sie die Hand, die sie füttert, gern beißen. Beispiel ihre Verachtung der Touristen.

Und es bricht mir das Herz, wie jetzt Spekulanten, Zocker und die kurzsichtigen PolitikerInnen in Deutschland dafür sorgen, dass dieses Land in den Ruin geht (weil sie Wahlkämpfe auf Landesebene gewinnen wollen), denn es ist nicht allein die Schuld der Griechen, dass sie am Rande des Abgrunds stehen. Aber ich schreibe keine politischen Kolumnen und der schlaumeierischen Kommentare gibt es landauf landab eh schon genug. Ich will dieses Drama zum Anlass nehmen, um auf die tieferen Ursachen hinzuweisen.

Was geschieht denn da gerade? Was geschieht denn da gerade wirklich, wenn Irland, Griechenland, Spanien und Portugal zusammenbrechen; wenn Amerika von innen her verfault und wir wissen sollten, dass dieser Zerfallsprozess auch vor unserem eigenen Land nicht haltmachten wird, denn es ist eine Frage der Zeit?

Seit Ende des Zweiten Weltkrieges haben wir Länder des so genannten Westens – Amerika allen voran – eine Kultur des Geldes aufgebaut. Uns ist die Optik, worum es im Leben eigentlich geht und wofür es sich lohnt, Herz und Verstand einzusetzen, schön langsam, aber unaufhaltsam verrutscht. Wir haben mehr und immer mehr das Geld in den Mittelpunkt unseres Lebens gestellt. Geld, das doch nur Mittel zum Zweck, aber niemals Mittelpunkt von etwas sein kann, nicht einmal in einer Bank und haben alles andere aus den Augen verloren. 

Ich will diesen Gedanken nicht als Kapitalismuskritik verstanden wissen, denn es geht mir nicht um die Polarität Kapitalismus versus Sozialismus. Ideologien gleich welcher Richtung sind mir ein Gräuel. Es geht darum, dass es einige Lebensgesetze seither nicht beachtet wurden, die aber greifen, ob sie nun beachtet werden oder nicht.

Es gehört zu den Lebensgesetzen, dass man nicht das Nichts zum Zentrum allen Lebens machen kann. Geld aber ist ein solches Nichts. Es ist ein Äquivalent, sonst nichts. Die eigentlichen, wesentlichen Dinge, für die es eben ein Äquivalent, also ein Gleichnis und Wertmaßstab ist, erhalten nicht mehr die Achtung, die sie verdient haben.

Wir haben schon vor langer Zeit angefangen, die Materie zu verachten. Dabei erzählt uns das Wort, was dahinter steckt. Es ist das, was von der Mutter kommt, also das, was uns Mutter Erde gibt. Wir Menschen machen aus Materie Güter, und auch davor macht unsere Verachtung nicht halt und ist dabei nichts als Selbstverachtung. Denn in den Gütern stecken alle möglichen Visionen, Hoffnungen, Pläne und Ziele von Menschen und dann stecken darin noch alle Anstrengungen, Kraftaufwand, Disziplin, Sorgsamkeit der die Güter produzierenden, transportierenden und verteilenden Menschen. Wir aber erklären das Geld zum Ziel des Lebens und die Güter zum Zweck, um das Geld zu bekommen. Wir stellen die Welt auf den Kopf. Wer das Nichts als Sinn des Lebens hat, wird nichts erhalten und wird erleben, dass nichts bleibt.

Geld ist segensreich, wenn es seinen Zweck erfüllt und Träume, Visionen, Ziele und Pläne in Wirklichkeit umzusetzen hilft. Wenn es zum Zentrum allen Lebens erklärt wird, dann erzählt das vor allem davon, dass eine Gesellschaft keinen Sinn mehr findet; dass diese Gesellschaft keine Visionen mehr hat und nicht einmal mehr die Welt der Güter achtet, weil es sie gar nicht mehr als etwas Kostbares  erkennt. Eine solche Gesellschaft ist zum unrettbaren Untergang verurteilt.

Im einzelnen Leben von Menschen sorgt diese Konzentration auf Geld dafür, dass Lebensqualität verschwindet, denn die kommt, wenn wir Qualität – der produzierten Waren und Dienstleistungen – für wichtig erachten und nicht ihren niedrigstmöglichen Preis. Das Energiefeld, das mit dem Prinzip Geld als Lebenszweck erzeugt wird, ist schwach und wird in sich zusammenfallen, denn es erzeugt nicht genügend Spannung, um zu leben. Das erleben wir zur Zeit. Im großen politischen Leben wie im kleinen privaten der einzelnen Schicksale. Reichtum und Fülle sind immer eine Folge von einem Tun, niemals das Ziel. Die Rolling Stones sind seinerzeit gestartet, weil sie ihre Musik machen wollten und nicht, um Multimillionäre zu werden. Die heutigen Boy- und Girlgroups kommen und gehen, denn es geht nur um Geld und um sonst nichts. Erfolg, der aus der Gier nach Geld erzielt wird, ist nur kurzfristig und erzeugt einen Kater wie nach einem Alkoholrausch. Die Europäische Union hat zu verantworten, dass diese falsche Prämisse die armen Länder wie Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien in den Finanzrausch mit anschließendem Kater gelockt zu haben. Und wir sollten uns im eigenen Leben umschauen und umdenken.

 

 

 

 

26. April 2010

 

Die Zeiten ändern dich

 

Liebe Leserinnen, Klientinnen, Interessentinnen, Freundinnen und Besucherinnen des Schlangenbergs,

 

 

Beinahe 18 Jahre schon steht der Schlangenberg allen offen, die aus den verschiedensten Gründen nach sich selbst; nach Antworten; nach Ruhe; nach Erkenntnis; nach Lösungen für ihre Probleme suchen. Zweimal hat er seine Pforten auf der Suche nach eigener Regeneration schließen müssen. Beide Male hat er sie wieder geöffnet, denn die Geister, die hier leben, wollen es so, dass Menschen hier finden, was sie suchen.

Was ist nicht alles in diesen langen Jahren passiert: Bis auf eines habe ich alle meine Bücher hier geschrieben. Zu den ersten Seminaren reisten die Teilnehmerinnen noch im Schlafsack an und schliefen in der Wiese. Irgendwann war der Pool gebaut, der bis heute ein Highlight bei allen Veranstaltungen geblieben ist. Mit jedem Jahr stiegen die Ansprüche der Gäste, bis ich nicht mehr mithalten konnte und die Übernachtungen in der Umgebung in Gasthöfen stattfanden. Auch die Veranstaltungen wandelten sich mit den Jahren, auch wenn sie immer eine gewisse Tiefe hatten. Unzählige BesucherInnen kamen und gingen. Manche waren nur ein einziges Mal da, andere kamen und kommen immer wieder. Von den meisten höre ich, dass der Besuch auf dem Schlangenberg viel bewirkt hat. Das nenne ich Nachhaltigkeit!  Die meisten Tiere, die hier lebten, sind, nach einem langen und erfüllten Leben über den Regenbogen in die Anderswelt gegangen. Die Ziegen, das Schwein, einige Schafe, Hunde und Katzen. Für einige Jahre war der Schlangenberg ein Altersheim für Vierbeiner und ich ihre Altenpflegerin. Es war schwer, sie alle gehen lassen zu müssen. Andere, neue Tiere wohnen nun hier. Vier Schafe habe ich noch und auch Hunde und Katzen gibt es wieder. Mittlerweile produziere ich Blütenessenzen von diesem wundersamen Ort. Die dazugehörige Therapie, in der all mein Wissen und Können zusammengefasst ist, habe ich auch noch entwickelt, so dass ich jetzt von einem Schlangenberg-Heilmodell sprechen kann. Unten im Dorf gibt es jetzt meine Praxis für systemische prozessorientierte Essenzentherapie, die nebenbei auch für so manche Veranstaltung Platz bietet. So behält der Schlangenberg auf der einen Seite seine Bedeutung als Ort der Stille und Mystik für die, die genau das hier finden wollen und auf der anderen Seite kann ich mehr am Leben hier auf dem Lande teilnehmen. Viele Jahre, viele Ereignisse, viele Wandlungen. Die Zeiten ändern sich und dich und mich.

Aber manches ändert sich eben doch nicht. Zum Beispiel der Schlangenberg.

Es gibt nicht mehr so viele Veranstaltungen, diese aber schöner, intensiver und  herzberührender denn je. Weil es mittlerweile ein bleibendes, aus 12 Tonnen Steinen gelegtes Labyrinth gibt, gibt es eben auch die dazugehörige Labyrinth-Initiation immer wieder. Und weil Selbsterkenntnis das Geschenk des Schlangenberges ist, gibt es auch die Woche der Selbsterkenntnis ein paar Mal über den Sommer verteilt. Unverzichtbar ist auch, dass ich hier oben auf diesem erloschenen Vulkan ein bewusst sehr einfaches Leben führe, in dem die Natur bestimmt und nicht mein Bedürfnis nach Bequemlichkeit. Und so kann zu den Veranstaltungen auch wieder am Schlangenberg übernachtet werden, so wie zu den Anfängen: mit Schlafsack in der Wiese oder mit Zelt. Frühstück gibt es auf der Terrasse mit Blick auf die Koralpe und gegessen wird unten im Dorfgasthaus, wo extra für uns frisch aus der Region gekocht wird. Dusche und Klo muss man sich teilen, aber wenn es kühl wird, sitzen wir beim großen Kamin am Holzfeuer.

Das Schlangenberg-Heilmodell, das aus der mystischen Wirkung des Schlangenberges, der Schlangenberg-Blütenessenzen und der dazugehörigen Essenzentherapie auf die Seele, das Gemüt und den Geist des Menschen besteht, bildet inzwischen die geistige Form, in die meine insgesamt über zwanzigjährige Erfahrung im Umgang mit Menschen in ihren wesentlichen Lebenskrisen und Lebensphasen geflossen ist.

Sie steht dir/Ihnen zur Verfügung, wenn wieder einmal ein neuer Blick auf das eigene Leben und den eigenen Standort der Entwicklung vonnöten ist. Die Zeiten, durch die wir gehen und die Zeiten, die in den nächsten Jahren auf uns zukommen, werden uns alle mehr verändern, als wir uns heute vorstellen können. Ein paar Tage am Schlangenberg, eine Begleitung mit der Essenzentherapie und die besondere Schwingung der Schlangenberg-Essenzen können dabei von großer Hilfe und Unterstützung sein und denen Erkenntnis und Sicherheit geben, die heute noch Angst und Unsicherheit empfinden.

Ich freue mich, wenn ich auf diesem Wege alle die erreiche, die dessen bedürfen.

 

 

19. April 2010

 

Noch ein Stopp

 

Selbst die größten Hedonisten faseln jetzt von Mutter (!) Erde und dass man sie achten möge und wie groß ihre Macht doch nicht sei und wie sie es uns mal wieder gezeigt hätte mit einem einzigen Vulkanausbruch und so weiter. Und dann ausgerechnet Island, das uns doch erst vor kurzem mit deren nationaler Pleite an den Rand des Ruins gebracht hätte, als ob da auch nur im Entferntesten eine Art Zusammenhang herzustellen sei.

Ja, das ist schon was. Noch ein Stopp, der unser System (um so ausgelutschte Begriffe wie Kapitalismus und andere zu vermeiden) in seine Schranken weist. Während Bankencrash und die jüngste Entlarvung von Kirche und Reformpädagogik als professioneller Tummelplatz der Kinderschänder  fast schon verschmerzt erscheinen, rollt nun eine neuerliche Welle großen wirtschaftlichen Schadens auf uns zu. So ehrenwert grüne Forderungen sind, zeigt sich, dass  wir gar nicht mehr aufhören können mit Flug und Bahn und Auto und mehr und mehr. Aber wie es scheint, zwingt uns das Leben immer wieder dazu und wenn man in die Sterne schaut (astrologisch gesehen), dann geht das noch eine lange Weile so weiter mit den Stopps.

Gerade gestern kam ich im Ausbildungskurs zur Essenzentherapie auf dieses von mir schon seit vielen, vielen Jahren reflektierte Thema.

Ich sprach davon, dass die Stadtbewohner/innen unseres Kulturkreises so etwas wie Zoobewohner sind. Oder wie Bewohner eines Altersheims. Dass das Stadtleben verblödet, weil man nur so viel und nur so weit für das Leben lernen muss, dass man die vorhandenen Strukturen benutzen kann: U-Bahnen, Bankomaten, Postämter, Schulen, Chefs und so weiter. So wie die Tiere im Zoo und die Bewohner von Altersheimen die zuverlässige Erfahrung machen, dass das Essen kommt, ohne dass man was dafür tun muss, wissen Stadtbewohner, dass Busse, U-Bahnen fahren und was sonst noch zum reibungslosen Ablauf eines Stadtlebens gehört. Fällt das alles weg, dann sitzen Millionen von Lebensschläfern herum und wissen nicht weiter. Und solche Szenarien könnten durchaus entstehen. Während die gestrandeten Geschäftsreisenden und Urlauber zeigten, wie lächerlich so manche Ausstattung und Kostümierung ist, wenn der Kontext, für den sie gedacht waren, wegfällt, würde es richtig heftig, wenn unsere bequeme Zivilisationswelt zerbröseln würde. Wir sind nicht die Schöpfer dieser bequemen Welt, sondern die Nutznießer und das ist gefährlich. Die Verführung, ein Lebensschläfer zu bleiben, ist groß. Es ist ja alles da. Warum also das Rad neu erfinden?

Es gibt viele Gründe, warum wir unsere Fähigkeit, das Rad jederzeit neu erfinden zu können, schulen und pflegen sollten. Es könnte nämlich sein, dass man es wieder braucht. Unsere Kultur ist nicht für die Ewigkeit gemacht. Sie ist Teil der Welt, die kommt und geht. Und eines der zuverlässigen Anzeichen dafür, dass wir eine sterbende Kultur sind, ist die massenhafte Erscheinung der Lebensschläfer.

 

8. April 2010

 

Lasst uns über den Tod reden

 

 

Ich habe einen Artikel über das grausame Schlachten von Tieren, der im Stern erschienen ist, auf Facebook an meine Kontakte geschickt. Und in der FB-Gruppe Seelenarbeit wird diskutiert, wieso manche am Scheitern scheitern und andere daran seelisch wachsen. Diese beiden Dinge scheinen auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun zu haben. Auf den zweiten aber schon.

Es ist Zeit, dass wir – wieder einmal – über den Tod reden. Ich beschäftige mich intensiv mit ihm, seit ich neunzehn Jahre alt war. In dem Jahr starb meine Mutter. Überraschend und qualvoll. Ich war schwanger. Und auf dieses Rad von Tod und neuem Leben geflochten, zerbrach ich fast daran. Was ich damals nicht wissen konnte: meine Angst vor dem Leben hatte ursächlich mit meiner Angst vor dem Tod zu tun. Ich fing erst Jahrzehnte später an, den Tod zu begreifen und damit auch, mich wirklich und wahrhaftig auf das Leben einzulassen. Seit ich mit Menschen Seelenarbeit betreibe, habe ich es vor allem mit Menschen zu tun, die nicht aus vollem Herzen zu leben wagen, weil sie ein unklares, angstvolles, bedrücktes Verhältnis zum Tod haben. Wobei der eigene Tod gemeint ist. Das Verhältnis, das wir zum Tod haben, kann immer nur das Verhältnis sein, das wir zum eigenen Tod haben.

Es sagt sich so leicht, dass man wisse und akzeptiere, dass der Tod natürlicher Teil des Lebens ist. Ich habe das schon aus so vielen Mündern von Menschen gehört, denen ich allerdings kein Wort geglaubt habe. Allzu glatt, allzu cool waren die Standpunkte. Allzu wenig Herz und Tiefe waren dabei. Vor allem übrigens Angehörige jener Berufe, die mit dem Tod in Berührung kommen, wie Ärzte oder Krankenschwestern, neigen dazu, sich ins Wissen über den Tod zu retten, aber auch nicht wenige, denen ein liebster Mensch tödlich erkrankt oder gestorben ist.

Über die Jahre habe ich begriffen, dass es nicht möglich ist, keine Angst vor dem Tod zu haben und dass man dennoch daran zu arbeiten hat, sich ihm und seiner Notwendigkeit hinzugeben. Es ist mehr als nur Teil des Lebens, es ist dies die Hauptaufgabe jedes lebenden Wesens auf Erden. Die Erde ist ein Totenhaus, wo eines vom Tod des anderen lebt. Keiner kommt hier lebend raus.

Im Versuch dies zu leugnen, führen wir so manchen ideologischen Kampf und stecken dennoch in leidvollen Situationen fest, die wir gerade durch die Leugnung vermeiden wollten. Ich habe 15 Jahre lang vegetarisch gelebt. Weil ich nicht mit Schuld sein wollte an diesem grausamen Tun in den Schlachthäusern. Ich habe beinahe mein ganzes Leben lang daran gearbeitet, Menschen aus ihrer Seelennot zu befreien, sie in die eigene Kraft und Stärke zu geleiten, um den Tod meiner Mutter ungeschehen zu machen. Und ich habe mich nur soweit verantwortlich auf das Leben eingelassen, wie ich unvermeidlich musste, um meine Kinder aufzuziehen. So wie es meine Mutter schon mit ihrem Leben gemacht hatte, seit ich auf der Welt war.

Jedoch bin ich in dem Alter, in dem ihre Seele nur noch auf den geeigneten Ausstieg aus dem Leben gewartet hatte, ins Leben gefallen, indem ich endlich anfing, täglich tausend Tode zu sterben. Mich der Hauptaufgabe, nämlich eine lebenslang Sterbende zu sein, hinzugeben.

Es ist nicht möglich, nicht Schuld am Tod von anderen Wesen zu sein. Aber es ist möglich, Achtung und Respekt zu zeigen; Ehrerbietung und Dankbarkeit. Ich lebe nicht mehr vegetarisch. Ich bilde mir nicht mehr ein, dass es eine Chance darauf gibt, zu den Guten zu gehören. Schon gar nicht dadurch, dass wir die Bösen bekämpfen. Wann immer ich darüber schreibe, springen mir protestierende Ideologen entgegen. Die Angst vor dem Tod und die Illusion, den Tod bekämpfen und besiegen zu können, hat viele im Griff. Wir hier im so genannten politischen Westen leben in einer Welt, die durch Angst funktioniert. Einerseits hat diese Gesellschaft eine Welt der unvorstellbaren Fülle erschaffen und andererseits wird die Angst, dies alles zu verlieren oder nicht zu denen zu gehören, die daran teilhaben, ohne Ende geschürt. In unserer Welt kannst du nur zu den Angstmachern oder zu den Angsthabern gehören. Oft kann man es sich nicht einmal aussuchen, zu welchen man gehört.

Wenn ich dann dem einen oder anderen Menschen, an dessen Seelenarbeit ich beteiligt sein darf, vorschlage, doch mit der Angst einfach aufzuhören (ich habe jede Menge gut funktionierende „Rezepte“ dagegen), ernte ich Unglauben oder ablehnendes Unbehagen oder Kopfschütteln. Nicht wenige gehen dann zu den „Heilern“, die in der Illusion leben, die Angst – wahlweise – weglachen, wegklopfen, wegzaubern, wegheilen zu können. Also grad mal eben ein klein wenig weniger herumeiern als ihre Patienten.  Ein Leben ohne Angst kann sich niemand vorstellen. Und doch ist ein Leben mit der geringstmöglichen Angst der einzige Weg, um wirklich erfolgreich zu sein. Erfolgreich ist in meinen Augen nicht, wer viel hat oder viel darstellt oder vermeintlich schlaue Sätze gedruckt oder im Internet unter die Leute bringt oder viel Ansehen, Macht oder sonst was hat, sondern erfolgreich ist nur, wer den Tod begriffen hat und damit mehr und mehr aus der Angstspirale aussteigt.

Wenn wir gegen Schlachthäuser sind, weil wir den Tod nicht ertragen oder an Krisen, Konflikten und anderem Kummer zerbrechen, wenn wir im Kampf gegen Krieg, Missbrauch und schlimmste Grausamkeiten gegen das Leben nicht den Frieden und die Liebe meinen, sondern unsere Gegner hassen und töten wollen, dann ist es Zeit, wahrzunehmen, dass wir an einer seltsamen Haltung festhalten. Eine Haltung, die leugnet, dass es den Tod gibt, dass die viel zitierte und viel bemühte Natur  vom Kommen und Gehen der Wesen lebt und wir – dem Gesetz der Polarität unterliegend – häufig das Gute wollen und das Böse schaffen, so wie umgekehrt Mephistos Worten folgend, er stets das Böse will und dabei das Gute schafft. Fürchtet euch nicht, sagten die Engel zu allen Zeiten. Das ist das Geheimnis des Lebens. Sich nicht zu fürchten. Das erreicht man nicht, indem man die Angst leugnet, den Tod verbannt, sondern indem man sich der Angst hingibt. Indem man jede Minute des Lebens bereit ist zu sterben, denn der Tod ist nicht so wichtig. Wohl aber ist wichtig, was ich bereit bin zu tun, nur um meiner Angst zu entkommen. Niemals hätte es den Holocaust und so manchen anderen Völkermord gegeben, wenn die Menschen nicht so viel Angst vor dem Tod gehabt hätten. So aber hatten Hitler, Stalin, Mao, Ceaucescu leichtes Spiel mit uns. Es gäbe kein Mobbing; niemand würde wegschauen, wenn ein paar verrückt gewordene Jugendliche einen mutigen Mann totschlagen; und die vielen, zahllosen Menschen, die trotz verhältnismäßigem Wohlstand nachts aus Angst nicht schlafen können, würden ihre Kraft nicht mehr in Depressionen gebunden erleben, sondern sich um ein klares eigenes Leben kümmern. 

 

2. April 2010

 

Glückliches Neues Jahr!

 

Es ist geschafft! Dieses kämpferische, hitzige Marsjahr ist vorüber. Wir starten in das Sonnenjahr. Draußen regnet es.

Und so ist diese Zeit wohl. Einerseits sind die Erwartungen, dass es besser wird, groß. Andererseits gibt es da wohl noch andere Kräfte, die uns ständig signalisieren, dass es nicht leicht wird. Noch immer wird alles, was diese Gesellschaft über Jahrzehnte vertuscht und geleugnet hat, aufgedeckt. Katharsis. Im persönlichen kleinen Leben ist es nicht anders, allüberall geht es um die ganz große Reinigung. Nicht wenige erleben es als das große Scheitern.

Und das ist der entscheidende Punkt. Das Problem, das uns auf den Boden knallt oder absaufen oder verbrennen lässt, ist dasselbe. Aber unsere Art und Weise darauf zu reagieren, bestimmt, ob wir psychisch leiden oder sogar zusammenbrechen oder daran wachsen. Katharsis oder Scheitern. Nicht, dass es völlig ohne psychisches und manchmal physisches Leid abgeht. Auch die Erwartung, dass man unbehelligt und ohne jemals im Schlamassel zu stecken, durch das Leben kommt, ist ja bereits eine, die uns in die gefährliche Nähe von Verzweiflung und Ausgebranntsein bringt, denn sie kann nicht erfüllt werden.

An dieser Stelle meiner Argumentation bekomme ich häufig zu hören, dass dieses Wissen ja nichts nütze, wenn man erst einmal im großen Scheitern angekommen sei. Das glaube ich nicht. Wer sich dagegen wehrt, den Gedanken, dass es an der eigenen Haltung liege, aus dem dunklen Seelenloch herauszukommen, zuerst in den Kopf und dann ins Herz zu lassen, kämpft noch immer darum, das große Scheitern nicht anerkennen zu müssen, nicht in die Katharsis zu gehen.

Wenn man den Gedanken zulässt, dass es in der Tat an der eigenen Haltung und nur an dieser liegt, ist das Wichtigste schon erreicht: Das Innehalten; der Ausstieg aus dem sich immer schneller drehenden Karussell der vergeblichen Lösungen durch den großen STOPP. Es geht nicht um’s Ausruhen oder darum, wieder zu Kräften zu kommen, denn an dieser Stelle des eigenen Erlebens würde man dies nur dazu benutzen, so weiterzumachen wie bisher.

Es geht darum, dass es so nicht weitergeht. Und darum, dass Katharsis Läuterung, Reinigung bedeutet. Und darum, dass das Scheitern nicht erlebt wird, weil man etwas falsch gemacht hat, sondern weil es Folgerichtigkeit gibt.

An dem, was denen, denen Kinder anvertraut waren, gerade um die Ohren fliegt, kann man es gut erkennen. Keine Chance mehr darauf, dass es so weitergeht wie bisher. Da kann man nichts mehr aussitzen, verleugnen und die Zeit wird auch nicht mehr dafür sorgen, dass die Welt sich morgen über andere Dinge aufregt.

Zwei Gedanken sind dabei wichtig. Der erste: Was nicht funktioniert, das muss man lassen. Und der zweite: Es sind die Dinge, die ihr nicht kennt, die die Lösungen für euer Problem enthalten. Denn Probleme werden niemals auf der Ebene gelöst, auf der sie entstanden sind.

 

28. März 2010

 

Über den Dächern von Wien

 

Wenn ich in Wien weile, ist es vor allem ein gewisser Ossi, der dafür sorgt, dass meine Tage von Fröhlichkeit bestimmt sind. Ossi ist ein Gelbhaubenkakadu. Wir kennen uns schon ungefähr zwanzig Jahre. Er kontrolliert das Kommen und Gehen an der Rezeption des kleinen Hotels, in dem ich wohne. Er liebt Menschen. Und er liebt Musik. Besonders Mozart. Und ich liebe ihn. Eine klar definierte Beziehung. Gerade haben wir Satchmo’s Lullaby zusammen gehört.

Draußen tobt „the Big Spring Thing“. Es grünt und blüht nach Kräften. Die Leute flanieren und sitzen draußen in der grellen Frühjahrssonne. Drinnen, mit Blick über die Dächer von Wien, erfahren angehende Therapeutinnen etwas über die Qualität ihres Tuns. Und nicht wenige sind überrascht, dass es gerade ihre Schwachstellen sind, die in der Seelenarbeit ihre Stärken bedeuten. Nur da, wo wir selber Leid und Schmerz erfahren haben, können wir ein entsprechendes Gegenüber für andere sein, die unserer Anteilnahme, unseres Rates und unserer Aufmerksamkeit bedürfen. Es macht einen Unterschied, ob jemand zu einer Gartenrose-Therapeutin geht oder zu einer Borretsch-Therapeutin oder vielleicht doch eher zu einer Clematis-Therapeutin. Wobei die Blüten nur einen Teil über die therapeutischen Qualitäten einer Heilerin aussagen. Es ist auch nicht unwichtig, ob es sich um eine Pluto-Therapeutin oder um eine Jupiter-Therapeutin handelt. Denn auch die Energien, die durch die astrologisch bedeutsamen Himmelskörper symbolisiert werden, bestimmen das Feld, in dem jemand arbeitet. Ebenso wie die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft. Gehe ich zu einer Therapeutin, die das Element Feuer repräsentiert, so werde ich eine hitzige Arbeit erleben und Läuterung erfahren, indem am Ende alle Emotionen bereinigt sind und saubere Asche überbleibt. Eine Wasser-Therapeutin wird mir behilflich sein können, Identitätskrisen zu bewältigen, weil die Arbeit bei ihr alles Erstarrte auflöst und alles ins Fließen bringt.

Ist Erde das Element der Heilung, dann geht es um jede Art von Verdichtung und Realisierung. Ergotherapeutinnen sind für mich typische Element-Erde-Therapeutinnen, helfen sie doch in die Realität hinein.

Und dann ist da noch das Element Luft. Es ist mein Heilungselement. Ich bin eine, deren Heilungsqualität die Blüte des Borretsch ist, welche die Kraft des fraglosen Daseins symbolisiert und sublimatio, die Transformierung von Leid in Stärke, Kunst, Schönheit und Weisheit ermöglicht. 

 

23. März 2010

 

Die Kirche der Saukerle und andere Orte von Verbrechen

 

Das ist mehr als ich je zu hoffen wagte: Die Stunde der Abrechnung für die Kinderschänder ist gekommen. Wir Opfer finden weltweit Gehör.

Die katholische Kirche, in der die Saukerle hunderttausendefach ihre Verbrechen geschützt und unterstützt begehen konnten, muss fallen. So, wie der Zölibat fallen wird. Aber am besten gleich die ganze Kirche. Und das, obwohl dieser nicht die Ursache für die sexuelle und sadistische Gewalt der Priester an Kindern ist. Fallen muss die Kirche, weil sie auf die Aufdeckung der Straftaten reagiert, als wäre sie die Mafia oder eine politische Partei: mit vagen Ausweichmanövern und selbst noch, nachdem sie mit heruntergelassenen Hosen erwischt wurde, hauptsächlich darauf bedacht, selber so gut es geht, davonzukommen. Da fielen Worte wie: Priester Sowieso sei wohl manchmal in seiner Freude an der Nähe zu Menschen ein wenig über Grenzen gegangen. Was wir hören wollten, ist, dass Pädophile Verbrechen, Straftaten begehen und für diese zur Verantwortung gezogen werden müssen, und dass ganz besonders eine Organisation wie die katholische oder die evangelische Kirche in dieser Hinsicht kleinlich und unnachgiebig zu sein hat. Stattdessen wurden die Opfer dazu gebracht, sich schuldig zu fühlen und die Täter zu decken und das christliche Wort missbraucht, um die Täter vor Verfolgung zu schützen.

Woanders geht es nicht besser zu. Das Verbrechen der Kinderschändung ist kein christliches Problem. Es wird überall dort verübt, wo ganz bestimmte Dinge zusammenkommen: Ungeschützte Kinder, möglichst in großer Anzahl; die Gelegenheit, das Verbrechen der Kinderschändung ungestört begehen zu können; Menschen, die wegschauen, wie überhaupt eine Atmosphäre des Totschweigens und der Lügen und eine Tradition der Missachtung der Würde und Achtung des Kindes.

Also alle Kinder- und Jugendorganisationen ob kirchlich oder säkular; Schulen; Internate;  Familien.

Dass ausgerechnet Gerold Becker und seine Kollegen an der Odenwald-Schule auch zu diesen Verbrechern gehören, ist für mich mindestens so schmerzlich wie die Verbrechen der katholischen Kirche, wenn nicht sogar schmerzlicher. Er, der Lebensgefährte unseres  Pädagogik-Gottes Hartmut von Hentig hat es damit geschafft, die gesamte moderne Pädagogik kaputtzumachen. Sie wird den Geruch von Ekel nie mehr loswerden. Mir kann niemand erzählen, dass Herr von Hentig in jahrzehntelangem Zusammenleben nicht bemerkt haben will, welche Neigungen sein Gefährte hatte und was er da so ausgiebig trieb.

Der beste Beweis jedoch dafür, dass der Zölibat nicht Pädophilie erzeugt, ist, dass ein wesentlicher Schauplatz für solche Verbrechen die Familie ist. Nicht wenige dieser Verbrecher lachen sich eine alleinerziehende Mutter mit Kindern an, um sich dann jahrelang ungestört an den Kindern vergehen zu können, einmal ganz abgesehen von leiblichen Vätern, Onkeln etc. Ich weiß das, denn ich war ein Opfer aus diesem privaten Umfeld. Es ist also durchaus sinnvoll, sich den Mann, der neben einem im Bett liegt und schläft, einmal genauer und prüfender anzuschauen.

Denn die Dinge, um die es hier geht, sind nicht nur in der Vergangenheit geschehen, wie uns die Medien – vielleicht auch die Ereignisse – glauben machen wollen. Wenn wir den Medien glauben, dann scheint das ja etwas zu sein, dass hauptsächlich in den fünfziger bis siebziger Jahren verbrochen wurde,. Spätestens jedoch wohl in den neunziger Jahren aufhörte. Das glaubt doch wohl niemand im Ernst? Es passiert jetzt, jeden Tag. Noch immer. In der katholischen Kirche; in Internaten; in Ferienlagern; auf Schulreisen; in der Familie. Und es hört solange nicht auf, bis wir dafür gesorgt haben, dass unsere Kinder nicht mehr in Situationen gebracht werden, in denen Männer sich ihnen unkontrolliert und unbeobachtet nähern können. Dies ist das Ende der Naivität. Dies ist die Stunde der Abrechnung.

Nicht wenige Menschen, vor allem auch Kolleginnen, sprechen davon, dass es auf einer höheren Ebene keine Täter und Opfer mehr gibt. Und auch mich könnte man mit meinem Buch „Wer setzt sich da auf meine Flügel“ so interpretieren. Aber bevor ich nun in diese Ecke des ungewollten Zynismus gesteckt werde, will ich darauf hinweisen, nein, sogar darauf pochen, dass der christliche Gott vor die Vergebung die gezeigte Reue gesetzt hat. Reue ist im übrigen etwas ganz anderes als die obszöne Bitte um Entschuldigung, die man immer wieder von den Tätern und den Institutionen, die sie deckten, neuerdings hört. Und vor der Reue kommt das Bekenntnis zu den Taten. Und damit sind wir noch nicht durch, denn die Liste ist lang. Also eins nach dem anderen.

 

 

 

13. März 2010

 

Gibt es Gerechtigkeit?

 

Meine Worte über den Ausgleich des eigenen Energiehaushaltes  haben auf Facebook zu Fragen und Widerspruch geführt. Danke. Das gibt mir Gelegenheit, genauer zu werden, um meine Gedanken zu formulieren.

Die Sache ist ja nicht neu. Ich beziehe mich – wie gesagt – auf mein Buch „Das Maß aller Dinge“, das in der letzten Zeit eine erstaunliche Aktualität erhalten hat.

Die wichtigste Frage, die sich jetzt ergeben hat, und die ich hier betrachten und vielleicht sogar beantworten will, ist die: Was ist subjektive Gerechtigkeit? Gibt es sie? Was ist dagegen objektive Gerechtigkeit? Aber auch: muss es wirklich immer einen Ausgleich geben, sogar in der Liebe?

Im „Maß aller Dinge“ stelle ich die These auf, dass es subjektive Gerechtigkeit gibt und dass sie in Wahrheit eine objektive ist. Ich behaupte dort – und behaupte es heute noch – dass dem Menschen ein allen gemeinsames Gerechtigkeitsgefühl innewohnt, ähnlich wie Hans Peter Dürr es von der Scham behauptet.

Und als Versuch, meine These zu belegen, lege ich nahe, dass die Gegenprobe es beweisen muss. Wenn also in einem Konflikt, für den es Gerechtigkeit braucht, um ihn zu lösen, nach ausreichender Information und Vorbereitung die streitenden Parteien Gelegenheit haben, ihrem subjektiven Gerechtigkeitsgefühl folgend eine Lösung zu finden, so gehe ich davon aus, dass es eine echt gerechte Lösung gibt, die man daran erkennt, dass beide Parteien sie gerecht finden.

Gegner werden nun sagen, dass die Römer ja gerade deswegen unsere Rechtsprechung erfunden haben, weil genau das eben nicht möglich ist, so dass eine scheinbar objektive Instanz Recht sprechen muss, das dann für beide Parteien bindend ist.

Schmarrn sage ich. Ich bin ganz sicher, dass nicht wenige Straftäter ihrerseits, wenn sie die Strafe für ihr Vergehen festlegen sollten, noch weitaus härtere Strafen für sich selbst als gerecht ansehen würden als ein Richter. Ich glaube an den Ausgleich. So wie die Natur kein Ungleichgewicht duldet, denke ich,  ist es auch mit der Lebensenergie, respektive ihren verschiedenen Erscheinungsformen (11 davon habe ich gestern schon aufgezählt).

Unausgewogen sind wir, wenn wir unsere eigenen inneren Kräfte nicht gut verteilt für uns selbst einsetzen. Unausgewogen sind wir, wenn wir anderen mehr geben als wir nehmen oder umgekehrt. Und ich meine, wir haben eine innere Instanz, die tiefer sitzt als die anerzogene Bescheidenheit oder Habgier. Diese innere Instanz weiß sehr wohl, ob wir zuviel geben oder zuviel nehmen. Ob unsere Tat Unrecht oder Recht war.

Wir kommen drauf, wenn wir uns nicht so sehr auf die Situation, also die dingliche Welt konzentrieren, in der ein Konflikt erkennbar ist, sondern uns mit den ihnen innewohnenden Energien befassen.

Dann lässt sich leicht erkennen, wie die Dinge wirklich stehen. Ich habe mit meiner Frage, wie viel Prozent an Lebenskraft jemand in X oder in Y steckt und wie viel Prozent zurückerhält, stets viel Erkenntnis bei den so Befragten erzielt. Auch hier gibt es eine Verlässlichkeit der Wahrheit. 

 

12. März 2010

 

Brauch ich das?

 

 

Es geht um den Energiehaushalt. Es ist immer wieder interessant, womit Menschen sich beschäftigen. Wohin ihre Lebensenergie wandert. Welche Dinge, Situationen und Menschen Zuwendung, Zeit und Aufmerksamkeit erhalten. Und woher die Energie kommt, die dann in Dinge, Menschen, Situationen wandert.

Zu manchen Zeiten sollte man da berechnend werden. Soll heißen, sich einmal damit zu beschäftigen, ob man einen ausgeglichenen Energiehaushalt hat.

Die wichtigen Fragen sind dabei: Wieviel Prozent deiner Lebensenergie gibst du beispielsweise deinem Lebenspartner/in, deinem Job, den Nachbarn, dem Gemeinwesen und so weiter. Und natürlich: wie viel Energie bekommst du von eben diesen? Es gibt eine energetische Gerechtigkeit und sich um sie zu kümmern halte ich für besonders wichtig. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie viel Unausgeglichenheit es in dieser Hinsicht gibt. (ausführlicher finden sich diese Erörterungen in „Das Maß aller Dinge“).

Die geschärfte Wahrnehmung, die erkennt, dass man mal wieder viel Kraft und Aufmerksamkeit in Personen oder Projekte steckt, die in Wahrheit echte Energiefresser sind, halte ich für beinahe lebenswichtig. Wir stellen uns viel zu selten die Frage, ob wir diese oder jene Wirklichkeit wirklich brauchen. Am Ende stellen wir fest, dass für uns selbst kaum noch Kraft übrig ist.

Um über einen ausgewogenen Kräftehaushalt zu verfügen, müssen wir auf folgende innere Verteilung achten:

  1. wie steht es um deine Ichkraft, Strahlkraft (Sonne)
  2. hast du ausreichend innere Geborgenheit und Sicherheit und träumst du genug? (Mond)
  3. Pflegst du deine Kommunikationstalente und achtest du darauf, dass du regelmäßig viel lernst? (Merkur)
  4. Achtest du auf deine Liebesfähigkeit? (Venus)
  5. Kannst du kämpfen? (Mars)
  6. Gibst du deiner Vitalität genügend Raum, sich auszudehnen? (Jupiter)
  7. Ehrst du die Widrigkeiten, die sich dir entgegenstellen? (Saturn)
  8. Heilst du immer wieder deine alten Wunden? (Chiron)
  9. Pflegst du deinen Glauben an Wunder? (Uranus)
  10. Hältst du die Verbindung zum Göttlichen aufrecht? (Neptun)
  11. Erkennst du das Prinzip „Stirb und werde“ als oberstes Lebensprinzip an? (Pluto)

Schnell kommen wir uns drauf, wenn Unausgewogenheit herrscht. Und dann fängt die Arbeit an. Sich damit zu beschäftigen, ist passend zur Jahreszeit. Eine Art Frühjahrsputz.

 

9. März 2010

 

Der Opfertrick

 

Ich möchte heute erzählen, wie sich eine beispielhaft selber als Opfer inszeniert, um von eigenem Tun abzulenken und schmerzhafte Einsicht zu vermeiden. Der Trick ist alt. Beinahe jeder kennt ihn und es muss an dieser Stelle gesagt werden, dass Frauen in dieser Disziplin die unbestrittenen Meisterinnen sind.

Was ist passiert? Ich habe auf Facebook, wo es ein Profil von mir gibt, eine Gruppe namens Emanzenstolz gegründet. Diese Gruppe soll den Begriff der Emanze wieder ins Bewusstsein der Leute bringen, hat er doch an Kraft und Schwung verloren und ist zum hässlichen Schimpfwort verkommen. Ich freue mich, sagen zu können, dass es regen Zulauf gibt. Nun las ich gestern, dass eine Frau, die einen Blog betreibt, und in der „Szene“ unterwegs ist, fröhlich ihren neuen Blog namens Frauenstolz präsentierte. Das nahm ich zum Anlass, anzufragen, ob sie denn keine eigenen Einfälle habe und deshalb so ungeniert eine geistige Anleihe nehmen müsse. Sie bestätigte ihren geistigen Mangel und setzte im übrigen im flotten Ton voraus, dass das ok ginge. Daraufhin wies ich sie darauf hin, dass die professionelle schreibende Zunft gewisse Spielregeln und ungeschriebene Gesetze kennt. Und das Wichtigste ist, dass man bei Anleihen vorher fragt, ob es akzeptiert wird oder einen Hinweis auf die Ursprungsgeberin macht. Und das sei nicht erfolgt. Nichts ist in unserer Branche peinlicher als sich mit fremden Federn zu schmücken. (Wie schnell man damit im Aus landet, hat die junge Autorin Hegemann ja jüngst bewiesen). Es setzt ein gewisses Feingefühl und Gespür für Angemessenheit voraus.

Und dann ging’s los. Tief beleidigt und tief getroffen bezweifelte sie, dass ich ein Urheberrecht auf den Begriff „stolz“ hätte, brachte mich ungeniert in die Nähe von Leuten, die mit dem Urheberrecht egoistisch und geldgierig umgehen, behauptete, Netzwerkerinnen müssten sich an solche Spielregeln nicht halten und außerdem sei sie genervt von Leuten wie mir, die sich an kleinlichen und unwichtigen Formalien aufhalten würden, was bedeutet, dass Leute wie ich dafür verantwortlich seien, dass auf der Welt inhaltlich nichts weiterginge. Ein das lesender Mann hatte nichts Besseres zu tun, als sich auch noch zu beschweren, dass ich ausgerechnet am Frauentag solch verwerfliches Tun an den Tag legte. (Wann sonst, wenn nicht dann, sollte sich eine Frau wehren?)

Doch damit nicht genug. Nun lief sie erst zu ihrer Hochform auf und präsentierte sich als Mater Dolorosa der Frauen- und Bloggerszene: Mit der Überschrift „warum Frauenstolz nicht mehr Frauenstolz heißen darf“ legte sie einen Text hin, zu dem man zu hören meinte, wie Edith Piaf im Hintergrund dramatisch  „Non, je ne regrette rien“ singt. Anklagend beschrieb sie, dass sie geradezu dazu gezwungen worden war, auf diesen Begriff zu verzichten und fand viele Worte der tiefen Enttäuschung und der klaren Zuweisung der Schuld für diese Enttäuschung.

Mein Kommentar besteht in dem guten alten deutschen Wort Gedöns. Es ist nicht das erste Mal, dass sich jemand mir gegenüber wie Rotz am Ärmel benimmt.

Die Sache an sich hat nicht viel Bedeutung. Aber sie ist ein wunderbares Lehrstück dafür, wie wichtig es ist, Seelenhygiene zu betreiben, die darin besteht, seine eigenen Schattenseiten gut zu kennen, um nicht wieder und wieder dafür zu sorgen, dass man ein Opfer von sich selbst wird. Denn während die Gute meint, ein Opfer der bösen Angelika Aliti geworden zu sein, ist sie ihren eigenen Schatten zum Opfer gefallen, die sie dazu getrieben haben, mit einer solchen Selbstinszenierung einen Schmerz zu vermeiden, den sie wahrscheinlich schon lang mit sich herumträgt, und der etwas mit „mehr scheinen als sein“ und mit Zurückweisung und ungeliebt sein zu tun hat. Seelenhygiene und Seelenarbeit bedeutet, diesen alten Schmerz zu heilen, um in der Klarheit von Heute anzukommen. Das ist anfangs der unbequemere Weg, aber am Ende steht Befreiung, Leichtigkeit und Lebensfreude, wenn die im destruktiven Verhalten gebundenen Energien freigesetzt worden sind.

Ich kann es nur empfehlen. Aus eigener Erfahrung.

 

 

 

5. März 2010

 

Sucht euch was Hübsches aus

 

Wie kommt man nun an ein neues Energiefeld? Zuerst muss man ganz unten ankommen. Ganz am Ende sein. Oder es gibt einen Schock wodurch auch immer. Also dem Weckruf eine Chance geben, zu ertönen. Dann muss man ihn hören. Und mit dem Herzen begreifen, dass es so nicht weitergeht.

Und dann ist es soweit. Ich arbeite ja mit einem nicht kleinen Angebot an Energiefeldern. Genau genommen 50 Stück. Sucht euch was Hübsches aus. Es gab da mal einen Song mit dem Titel: 50 ways to leave your lover. Wir haben immer draus gemacht: 50 ways to love your liver. Aber im Ernst. 50 Blüten, 50 Essenzen, 50 Energiefelder. Am Ende ist es dann meist eine Kombination (keine Mischung), die uns in den sogenannten Prozess schickt. Oder in die Transformation. Oder in den Wandel. Das Neue entstehen lässt. Das ist viel einfacher als wir befürchten, aber nicht so einfach wie wir es uns wünschen. Da gibt es viel loszuwerden. Wut, Angst, Eitelkeit, Traurigkeit, Ohnmacht, Erfahrungen durch Demütigungen, viel Dunkelheit und „Blindheit“, Hass, Habgier, Ignoranz und so weiter. Der Prozess besteht darin, sich den Gesetzen des Lebens entsprechend bis zu dem Punkt zu begeben, an dem das Neue entstehen kann. Also die Polarität aufzuheben (Die Bösen sind immer die anderen) und eins werden mit sich selbst. Zu erkennen, wen und was man da eigentlich die ganze Zeit anzieht und warum. Die eigene Wahrheit erkennen und ertragen. Sich reif machen für neue Resonanzen. Und dann: mit Hilfe von Impulsen, Ritualen und großen Sprüngen die neuen Felder entstehen lassen.

Man muss fragen, welche neuen Energiefelder täten der Welt gut? Österreich mit seinem Sog des Fremdenhasses? Deutschland mit seiner Lust an Depression und Untergang? Wer weiß, was für diese beiden großen Gruppen wohl der Weckruf sein wird? Ich schlage mich zur Zeit mit den Schatten der Freiheit, Angst vor dem Kampf als Schatten von Hellsichtigkeit und Analyse; und dem Engel in mir, der  die Versuche, aus dieser Welt ein Paradies machen zu wollen, auch endlich aufzugeben hat, herum (Wer mein Buch „Wer setzt sich da auf meine Flügel“ kennt, weiß, wovon ich rede).

 

3. März 2010

 

Ein neues Energiefeld

 

Da gibt es also eine allgemeine Kraftlosigkeit. Viele Leute, die sich fühlen wie auf den letzten Metern eines Marathonlaufes. Glaubt mir, es sind die Besten, die es erwischt hat. Entsprechend der Jahreszeit werden alte Rechnungen wieder aufgetischt und endlich beglichen. Reiner Tisch gemacht. Alter Schmerz meldet sich. Was sterben soll, wird jetzt gehen. Das alles ist schon schwer genug. Aber es sind auch schwere, schwerwiegende Zeiten, wenn wir die Zyklen betrachten, die größer sind als die Jahreszeiten. Auch gesellschaftlich scheint uns der Sinn unseres Tuns abhanden gekommen zu sein. Manches erschüttert uns. Anderes ist so unerschütterlich blöd, dass es auch schon wieder erschütternd ist.

Durch das letzte große Beben in Chile hat sich die Erdachse verschoben wie schon vor einigen Jahren, als der große Tsunami hereinbrach. Dieses Mal sogar ein wenig mehr. Dadurch dreht sich die Erde schneller als zuvor. Das alles geschieht in einem Maß, von dem die Wissenschaftler sagen, dass es vom einzelnen subjektiven Individuum gar nicht wahrgenommen werden kann, aber natürlich wissen wir auch das nicht.

Was wir bemerken ist, dass sich bewahrheitet, was so Spinnerinnen wie ich im August 1999 ankündigten, nämlich dass eine vollkommen andere Zeit kommen wird, die alles auf den Kopf stellen wird, was bis dato als unveränderlich und gesichert galt.

Und so kam es ja auch und kommt es noch. Im Großen und Ganzen und im einzelnen Leben aller Menschen. Wer hätte beispielsweise je gedacht, dass die Grünen dafür sorgen würden, dass Deutschland in einen Krieg zieht? Dass die Stasi in einem deutschen Parlament sitzt? Dass in Österreich eine düster aussehende Nationalsozialistin für die Präsidentschaft kandidiert? Dass die Armut in Deutschland so krasse Auswüchse wie in den USA zu kennen beginnt? Dass der Hass auf Ausländer bzw. Emigranten sich gefährlich an die Zeit in den Dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts annähert? Dass Konservative beginnen, Banken zu verstaatlichen?

Aber bleiben wir bei den einzelnen Leben. Vielleicht bei den einzelnen Frauenleben? Eventuell sogar bei meinem eigenen? Da hat sich viel geändert. Oft stehe ich Kopf. Vor allem in den Bereichen, die ich träumend für unwichtig erachtet habe. Da gibt es so manchen Weckruf. Und ich stelle fest, dass mir immer dann die Kräfte schwinden, wenn ich damit hadere, erwachen zu müssen.

Ich – eigentlich müsste ich sagen wir – habe in den letzten Monaten vielfach erlebt, wie mit Frauen umgesprungen wird. Mann und Frau hält sie für harmlos. Und zu meinem Entsetzen muss ich zugeben, dass ich mich immer und immer wieder in den Bereichen des Lebens, die ich öd finde, auch so verhalten habe, dass andere meinen könnten, ich sei harmlos. Es sind die Bereiche, wo hauptsächlich die Gesetze der Männer, des Patriarchats gelten. Also in geschäftlichen Verhandlungen, Verträge, Finanzen und Justiz und so weiter. Lasst es mich so sagen: Ich habe viel gelernt. Unter Schmerzen und mit dem Ergebnis der Kraftlosigkeit. Bis ich verstanden habe, dass für mich Weckrufe in diesen Bereichen vorgesehen waren. Nun bin ich wach und es sollte nun hoffentlich besser weitergehen.

Weckrufe oder vielmehr Angebotes des Lebens, die sich auf die Socken zu machen, um den Weg der eigenen Bestimmung und Berufung zu gehen, ereilen alle. Wenn man wissen will, ob man auf dem richtigen Weg ist, braucht man sich nur eine Frage zu stellen: Bin ich auf dem Weg, auf dem ich bin, mehr glücklich oder mehr unglücklich? Vielfach erleben Menschen alltäglich nur ganz wenige Augenblicke des Glücks, wenn überhaupt. Dann ist es Zeit, sich zu wandeln, damit ein neues Energiefeld entstehen kann. Ein Energiefeld ist unsichtbar, aber doch unübersehbar. Wer sich darin befindet, wird von der Kraft, die es beherrscht, erfasst. Was die großen Energiefelder angeht, sind wir, wie gesagt, häufig nicht in der Macht, es zu ändern. In unseren persönlichen Feldern sehr wohl. Und diese tragen dann dazu bei, dass sich auch im Großen etwas bewegt.

26. Februar 2010

 

Old memories und ein Ausblick in die Zukunft

 

Ich sitze im altehrwürdigen Café Dommayer in Wien und pflege alte Erinnerungen. In diesem Teil von Wien habe ich einige Jahre verbracht. Und werde nun wieder sein, wenn ich in Wien bin. Also nicht nur im Dommayer, aber in Hietzing. Und versuche weiter zu erzählen, wie der Weg aus der Erschöpfung und Angst führt.

Nach dem Gesetz der Polarität, dem Gesetz der Resonanz und dem Gesetz der Synchronizität kommen die morphogenetischen Felder.

Jeder kennt den Begriff, aber es ist wie mit der Quantenphysik – die wenigsten haben sich ausführlich damit beschäftigt. Dabei ist das nun der Bereich, der dem- und derjenigen, die sich drauf einlassen, große Macht verleihen.

Wenn ich es Magie nenne, halten mich alle für gaga bis krank und glauben, ich praktiziere abrakadabrischen Humbug. Zumindest die, die nicht zuhören können. Nennen wir es also morphogenetische Felder wie seinerzeit Rupert Sheldrake, einer der genialen Denker der Gegenwart. Oder Quantenmechanik. Da hören zwar auch wieder etliche nicht zu. Aber auf die kann ich verzichten, denn das sind die, die alles vom Wegschauen und Weghören kennen.

Was ist gemeint?

Wenn ich die Welt der Aufspaltung in Gut und Böse verlasse, wenn ich weiß, dass alle Wünsche erfüllt werden (leider), wenn ich weiß, dass das Phänomen der gleichzeitig auftauchenden Phänomene ganz normal ist, dann wende ich mich der Tatsache zu, dass alle Dinge im Unsichtbaren, dort, wo wir alle eins sind, verändert werden. Also dort, wo sie keine Dinge mehr sind, sondern die Seele der Dinge. Und ich muss wissen, dass immer nur eins zur Zeit wahrgenommen werden kann: die Dinge ODER die Seele. (Quantenphysik: die Teilchen oder die Energie).

Wenn ich auf einen Nazi-Aufmarsch starre, wenn ich ein leidendes Kind sehe, bin ich in der mit meinem Focus in der dinglichen Welt. Ich kann dann nur auf diese reagieren, ganz wie ich imstande bin in Resonanz zu gehen, sie also in meine Wirklichkeit zu integrieren. Wie wichtig diese Ebene ist, zeigt das Wunder von Röhtis, einem kleinen Ort in Vorarlberg. Da haben tatsächlich beherzte Bürger samt Bürgermeister (das ist für mich das größte Wunder) die Fremdenpolizei vertrieben, die eine vierköpfige, gut integrierte Flüchtlingsfamilie abholen und in den Kosovo abschieben wollte. Aber wie schon in meinem gestrigen Beitrag gesagt: Dass dies nie mehr vorkommt, verhindert das nicht. Die österreichische Innenpolitik, die den Fremdenhass schürt und jede gute Fremdenpolitik verweigert, wird es nicht beeinflussen. Den Schatten des Fremdenhasses in den Herzen vieler Österreicher wird es nicht auflösen. Und das ist doch das Ziel: dass es nie, nie mehr möglich ist, was Österreich schon einmal mitverantwortlich angezettelt hat: Dass die Schatten des Hasses über alles fallen.

Kehren wir zurück zur Quantenphysik. Und ziehen wir unseren Blick von den Dingen ab und wenden wir uns dem Unsichtbaren und seinen Erkennungszeichen zu. Es handelt sich um ein und dasselbe. Nazis beispielsweise. Wenn wir hinschauen, sehen wir gebündelte Dummheit, Dumpfheit, Hässlichkeit. Ein fürchterlicher Schatten unserer selbst. Wir sehen, wie sie den Juden, den Ausländern etc. das vorwerfen, was sie selber sind: zu faul zum Arbeiten, zu dumm, um zu lernen, habgierig, zerstörerisch, machtgeil. Wir nehmen das Unsichtbare wahr und erfahren: Sehnsucht nach einem starken Vater, getötete Herzen, Angst vor dem Unbekannten. Gebundene, gefesselte  Lebensenergie. Die Fesseln: Angst und Hass. Die gefesselte Energie: Das genaue Gegenteil von Dummheit, Faulheit und Zerstörung. Die Erkennungszeichen des Unsichtbaren können beispielsweise Archetypen sein.

Sie sind das Instrument oder vielleicht das Navigationsgerät, das uns zeigt, wer oder was in uns selbst entfesselt werden muss.

In einem morphogenetischen oder Energiefeld ist es nur nötig, an einem kleinen Teil etwas zu verändern, um das große Ganze zu befreien.

Ich habe hier die Nazis als Beispiel verwendet. So lassen sich auch andere destruktive und, wie ich meine, in den letzten Jahren außer Kontrolle geratene Bereiche unserer Gesellschaft bewegen und verändern. Aber auch in unserem eigenen Leben, dessen Katastrophen vielleicht nicht gleich die ganze Welt betreffen, wohl aber uns selbst bis auf die Grundfesten erschüttern, lässt sich damit Erstaunliches bewirken. Auch hier muss nur ein kleiner Impuls gegeben werden, um alles zu verändern.

Nicht jeder will das. So mancher fühlt sich eng mit seinem Schatten verwachsen oder ist fest in seinen Klauen. Manchmal so sehr, dass lieber der Tod gewählt wird, als dass man es auf einen Versuch der Befreiung ankommen lässt. 

 

25. Februar 2010

 

Resonanz

 

Man kann sich wirklich alles wünschen. Es wird einem erfüllt, wenn es eine Chance auf Resonanz gibt. Resonanz bedeutet, dass wir das, was ist – ob Mensch, ob Ding, ob Situation – mit unseren Sinnen wahrnehmen und in unsere Wirklichkeit einordnen können.

Die Erfüllung des Wunsches wird dann eine Situation hervorrufen, die das Wunderbare, die Erfüllung, dem Gesetz der Polarität unterordnet. Das heißt, es gibt keine Chance auf einfach so Glücklichsein und ewige Seligkeit, sondern der erfüllte Wunsch weckt auch den Schatten, das Negative, das Gegenteil von dem, was wir wollten.  Kurz gesagt: Die Scherereien beginnen trotzdem wieder.

Ich schrieb es gestern, wozu und warum. Auf dass wir wieder und wieder und Schritt um Schritt der Meisterschaft des Lebens entgegen gehen können. Die Meisterschaft besteht darin, sich auszukennen. Eine Umschreibung für Bewusstheit.

Die Schattenarbeit leistet man, indem man mehr und mehr begreift, dass wir nicht im Außen, bei den anderen die Veränderung erreichen müssen, sondern bei uns selbst. Hier ist nun der Punkt, an dem viele meiner Gesprächspartner/innen in den Widerstand gehen. Die Nazis nicht mehr bekämpfen? Die Kinderschänder nicht mehr verfolgen? Die Tierquäler akzeptieren? Die Dummen regieren lassen? Es gibt eine Unmenge an Beispielen, die dazu dienen, zu beweisen, dass meine These, immer und ausschließlich bei sich selbst zu beginnen, falsch ist.

Natürlich fordern uns unerträgliche Situationen, Entwicklungen und Menschen in das, was geschieht, hinein. Und natürlich müssen wir handeln, wenn Dinge geschehen, die Unrecht sind. Ebenso wie wir unsere Interessen vertreten müssen und unsere Widersacher Beachtung verlangen.

Aber es ist notwendig, die Dinge von Grund auf zu ändern. Und das geht nur in der eigenen inneren Welt. Man muss Nazis daran hindern, ihr Werk zu tun. Aber man wird auf diese Weise nicht verhindern, dass es Nazis gibt. Wie ging der Spruch noch mal? Wem Liebe gepredigt wird, lernt nicht zu lieben, sondern zu predigen. Agitation hat noch nie etwas bewirkt. Außer die gegnerischen Reflexe auszulösen.

Wie leiste ich Schattenarbeit? Wie gehe ich damit um, dass mir immer wieder die selben Probleme in unterschiedlicher Verkleidung die Luft zum Atmen nehmen oder die Lebensfreude töten oder mich in Angst und Schrecken versetzen? 

Hier nun kommt ein neues Lebensgesetz zur Anwendung. Das Gesetz der Synchronizität. Es geht davon aus, dass alles mit allem zusammenhängt und mit allem zusammen schwingt. Kann ich also einen nennenswerten Beitrag zum Verschwinden der Nazis leisten, indem ich besonders kosmopolitisch-herzensoffen bin? Nein. Nazis verschwinden, je mehr Anti-Faschisten aufhören „anti“ zu sein und sich dem faschistoiden Schatten in ihrer Seele zuwenden, um ihn zu „erlösen“. Die Projektion löst sich auf. Die Resonanz ist nicht mehr vorhanden.

In jedem Wassertropfen ist der große Ozean enthalten. In jedem Menschen ist die ganze Welt enthalten. Was ich in mir verändere, kann die ganze Welt verändern. Das ist nicht einfach nur eine Metapher. 

 

24. Februar 2010

 

Marienkäfer

 

Fein, der erste Krokus ist vor drei Tagen bei uns gesichtet worden. Gestern hat sich ein zweiter dazu gesellt. Mutig! Und bei unseren Marienkäfern, die ja zu geschätzten Hunderttausenden bei uns im Holzhaus überwintern, tut sich auch einiges. Die ersten sind schon mal aufgewacht und wagen sich zumindest im Inneren des Hauses ins Leben. Draußen taut es nach Kräften. Sogar das Labyrinth taucht unter den Schneemassen wieder auf. Sobald es einigermaßen wieder trocken ist, gehe ich hinein!

Ich habe, dem Gesetz der Polarität folgen müssend, in diesem Winter reichlich Schattenarbeit geleistet und bin im Spiel des Lebens wieder einen guten Schritt weiter gekommen. Es ist ja immer dasselbe: Hinterher denkt man: wie konnte ich denn nur so – wahlweise – blöd, unwissend, dämlich, naiv gewesen sein. Aber eben immer erst hinterher. Das ist ein gutes Zeichen. Nämlich dafür, dass man sich weiter entwickelt hat. Wer sich entwickelt, ist weniger verwickelt. Und das ist ja das Ziel.

Nun stehe ich als eine weiter Entwickelte meiner Klientel mit ihren Verwicklungen besser zur Verfügung denn je. Na, das ist doch was!

Diese letzten Wochen sind ganz besondere Zeiten der kollektiven Zuspitzung und Erschöpfung. Ich bin ganz erstaunt, wie vielen Menschen ihre eigene, ganz persönliche allergrößte Angst jetzt erfüllt wird. Alles verdichtet sich zu einer merkwürdigen Atmosphäre der Kraftlosigkeit, in der kaum jemand noch seine eigenen Kämpfe kämpfen mag und alle wie am Ende sind. Ich kann allen nur raten: Fangt an, etwas über eure eigenen Schatten zu lernen. Lasst euch helfen, indem ihr wahrnehmt, welche Schicksalsgesetze gerade aktiv sind. Die Marskraft ist am Ende. Und bevor die Zeit des Sonnenlichtes in einigen Wochen beginnt, sollte man wissen, welche Schatten das Licht in den kommenden Monaten werfen wird. Denn das entscheidet darüber, als wer und welche man in zwölf Monaten genau an dieser Stelle man dem Leben entgegen geht. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich dem zuzuwenden. Jede Möglichkeit, die zu einer größeren Bewusstheit führt, ist richtig.

 

22. Februar 2010

 

Der Kampf mit dem Schatten

 

 

Die Schattenarbeit ist der am schwierigsten zu erklärende Begriff der Essenzentherapie. Jemandem, dem es gerade schlecht geht, zu erzählen, dass das schon ganz in Ordnung so sei, und dass man sogar noch weiter in die dunklen Bereiche der Seele vordringen müsse, um Heilung zu ermöglichen, stößt meist nicht unbedingt auf heftige Begeisterung. Ebenso ist für viele schwer nachzuvollziehen, dass sie nicht zufällig ein Leben erleben, das weitaus weniger Glück und Wohlbefinden enthält, als (wie man immer glaubt) bei anderen Leuten. Wenn man dann noch darauf hinweist, dass es bei allen, ausnahmslos allen Menschen so ist, dass das Leben weniger glücklich ist als erhofft, vor allem in der Kindheit, und dass auch das sinnvoller Bestandteil des Lebens ist, kann man nicht immer darauf rechnen, dass das akzeptiert wird.

Es ist aber so.

Gern hätten wir, dass es wirklich so einfach ist wie es das sogenannte Gesetz der Anziehung, das zum Beispiel die große Attraktivität von „The Secret“ oder die öden „Bestell-dir-alles-beim-Universum“-Bücher ausmacht. Aber so einfach ist es eben nicht. Das wäre so, als ob wir nur die Nachspeise eines mehrgängigen Menüs essen. Eine Zeitlang schmeckt es fabelhaft, aber irgendwann bleiben wir trotzdem hungrig und schlecht ist uns obendrein. Ohne Seelenarbeit, was eine andere Bezeichnung für den Kampf mit den eigenen Schatten ist, funktioniert auch das Gesetz der Anziehung nicht.

Seelenarbeit basiert auf dem Gesetz der Polarität, was bedeutet, dass man immer die polare, entgegengesetzte Energie heraufbeschwört, sobald man sich in ein bestimmtes Energiefeld begibt. Unter einem Energiefeld versteht man jede Art von Bewusstseinszustand, Situation etc., in dem man sich befindet. So kann es kommen, dass beispielsweise alle Friedenspolitiker wie Gandhi, Martin Luther King oder Sadat oder Rabin Gewaltopfer wurden.

Es ist also leicht nachzuvollziehen, dass es sehr auf den eigenen Bewusstheitsgrad ankommt. Was uns im Außen begegnet, also durch andere Menschen widerfährt, ist also als eine Projektion unserer eigenen abgespaltenen und unwillkommenen Seiten unserer Seele. Veränderung entsteht nur, wenn wir uns mit diesen ungeliebten Seiten in uns beschäftigen; sie ins Bewusstsein holen und uns damit aussöhnen. Erst dann lösen sich die uns quälenden, uns krank machenden, uns unglücklich machenden Situationen und Erfahrungen auf. Wenn wir das für uns selbst mit Hilfe der Essenzentherapie geleistet haben, beginnen nicht etwa paradiesische Zeiten der Glückseligkeit. Alles, was wir davon haben, ist, auf dem Weg zur Meisterschaft des Lebens einige gute Schritte weiter vorangekommen zu sein. 

 

19. Februar 2010

 

von Kummer und Trost

 

Ich hatte schon bessere Zeiten. Und ja, ich weiß, es geht sehr vielen zur Zeit nicht anders. Es ist ja nicht nur der Winter, der alles Leben beschwert. Im großen Weltengeschehen wie im kleinen persönlichen Leben scheint zur Zeit dieser Spruch zu gelten: Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo noch ein Trottel daher. Am glücklichsten sind augenblicklich wohl vor allem die Kabarettisten.

Aber ich habe in diesen finsteren Zeiten auch etwas über Trost lernen dürfen. Ich meine echten Trost. Und soll keiner sagen, diese sozialen Netzwerke seien der reine Schmufu. Weil ich auf Facebook erwähnte, dass es mir nicht gut geht, bekam ich viel Wunderbares geschenkt. Viel Zuspruch, so dass mir das Herz aufging. Ich kann nur danke sagen.

Heute ist schon besser. Zwar hat sich nichts in der realen Welt verändert, aber ich habe nun wieder mehr Kraft, meinen Weg zu gehen.

Wenn die Heilerin der Heilung bedarf, schrieb ich einmal. Das war in „Das Maß aller Dinge“. Und weiter: Wenn es sich häutet, ist jedes Geschöpf in Trauer und Angst. Wenn es sich häutet, ist jedes Geschöpf ein Friedhof und voller Klage.

So ist es wohl. Ich bin auf dem Weg nach Wien, wo ich heute zu Menschen sprechen darf, die der Heilung bedürfen. Und morgen darf ich Heilern und Heilerinnen erzählen wie ich das so mache mit der Heilung. Und was meine Essenzen damit zu tun haben. Ich werde ihnen allen von meiner Häutung erzählen und von meiner Angst und Trauer. Und ihnen zeigen, dass wir alle eins sind. Eine Heilerin hat nicht weniger Leid als die, die zu ihr kommen. Erst wenn wir das wissen, ist es möglich, dass Heilung geschieht. 

 

Ich suche für eine der Teilnehmerinnen meines Ausbildungskurses einen kostenlosen  Übernachtungsplatz in Wien.  Zwei Nächte vom 26. – 28. Februar. Falls jemand so gastfreundlich ist, spendiere ich 1 x „Das Maß aller Dinge“ und ein Blütenbuch. 

 

17. Februar 2010

 

Die Zeit, ach die Zeit

 

Die Zeit zur Zeit ist wie ein Tritt gegen das Schienbein. Was mich nicht wundert, denn noch immer ist Mars der Jahresregent, und das noch bis zum 1. April. Denn das astrologische Jahr passt sich der Wirklichkeit an. Ein Blick zum Fenster hinaus genügt, um zu sehen, dass wir im Jänner und Februar den absoluten Stillstand haben. Die Welt ist mausetot und starr. Den Anfang von etwas in diese Jahreszeit zu setzen, ist ungefähr so sinnvoll wie einem Toten die Brille zu putzen. Wir sitzen am Ende einer Entwicklung und nicht an ihrem Anfang. Erst wenn auch der März vorüber ist, wird alles neu. Und der März ist ja der schlimmste Monat. Man weiß, im März da sterben die Leut’. Da sortiert das Leben aus, was es vielleicht gerade einmal bis hierher geschafft hat, aber die Kraft für ein Weitergehn nicht mehr hat. Die Schwingung grau, das Sonnenlicht grell, und alles platt, zerzaust und erschöpft. Mars ein müder Kämpfer am Ende seiner Kräfte.

Im neuen Jahr regiert die Sonne und die hitzigen, aggressiven, ungeduldigen Zeiten von Mars sind endgültig vorüber.

Sonne ist das Symbol für Gedeihlichkeit, für Wachstum und Fülle. Sie ist die Quelle aller Kraft. Und der Garant für alles Leben. Licht, strahlend schön.

Zur Zeit können wir nichts anderes tun als dem Jahr beim Sterben zuzuschauen. Und durchzuhalten. Und Pläne schmieden. Und träumen. Denn ohne Träume kann sich nichts manifestieren. Und so geht sie dahin die Zeit. 

 

14. Februar 2010

 

Wegkreuzungen und Reisen durch die Unterwelt

 

 

Nachdem ich nun das Spiegelkabinett meiner Seele wieder verlassen durfte, türmen sich die Fragen. Neue Fragen. Echte Fragen. Ich stehe an einer Wegkreuzung. Ist ja nun egal, ob es sieben Wege sind, die von dort aus weiterführen oder vielleicht nur vier. Die Frage ist, wo es nun langgehen soll.

Das Angenehme, wenn man nicht mehr so ganz jung ist, ist, dass man schon auf eine gute Wegstrecke zurückblicken kann. Und manchmal hilft es ja auch, dass man auf dieser Wegstrecke schon eine Menge Erfahrungen gesammelt hat.

Allerdings, wenn ich es genau betrachte, so waren es nicht so sehr die Wege (und darum auch keine Kreuzungen), sondern mal ein Sprung über den Abgrund, mal ein Weg über ein Hochseil und mal führte der Weg über den Abgrund in eine neue Welt über eine Brücke, was mich zwang, nur das Wesentliche mitzunehmen und alles nicht mehr Benötigte zurückzulassen. Und dann, am nächsten Übergang war da gar kein Abgrund mehr und auch Weg war da keiner, denn da musste geklettert werden auf eine neue Bewusstseinsebene hinauf. Und jetzt? Ein echter Übergang ist das nicht. Der kommt erst in einigen Jahren. Also doch eine Wegkreuzung. Wohin des Wegs also? Zuerst wie immer in die Tiefe. Aber da war ich ja nun schon als Folge der Zerrbilder im Spiegelkabinett. Und nun in die Höhe? Eine Draufsicht?

Was sehe ich?

Wie schon erwähnt, eine gutes Stück bereits zurückgelegte Wegstrecke. Die Reise geht schon lang. Doch wohin sie geht – das kann man im vorhinein nicht erkennen. Ich sitze in der Stille wie im Auge des Hurricanes. Ich. Jetzt. Hier – bin die Quelle. Falsche Rücksichten, Schwächen, Rationalisierungen hinter sich zu lassen, ach, darin bin ich geübt. Ich bleibe noch ein wenig sitzen an meiner Quelle in der Stille. Es ist für alles gesorgt

 

10. Februar 2010

 

Im Spiegelsaal meines kleinen Universums

 

 

In den letzten Wochen habe ich mehr Zeit in meinem eigenen Spiegelsaal der Seele verbracht als mir lieb war. Aber das ist ja immer so. Freiwillig hält sich dort niemand gern auf.

Der Spiegelsaal des eigenen kleinen Universums – das ist die Zeit, in der wir durch Situationen und das Verhalten anderer Menschen völlig auf uns selbst zurückgeworfen werden.

Und alle diese durch die Verhaltensweisen anderer Menschen erzeugten Situationen führen uns Zerrbilder unseres Innenlebens vor Augen, das wir meistens so genau dann auch nicht wissen wollten. Aber dummerweise hat das Schicksal befunden, dass wir es so ganz genau wissen müssen. 

Ich habe Verträge mit Menschen aushandeln müssen, die eine Doppelbegabung hatten, die man häufiger antrifft: dumm und dreist. Ich hatte mit Kolleginnen zu tun, die alle Varianten einer weiblichen Sozialisation aufboten, die bestens funktionierend auf Harmoniesucht und Nachgiebigkeit basierte. Und ich war Teil eines Geschehens, das alltäglich genannt werden muss, mir aber immer wieder den Atem nimmt ob seiner Verwerflichkeit: Der Versuch, Frauen abzuzocken, klein zu machen, für dumm zu verkaufen.

Es sind nicht die großen, die bewusst bösen Angriffe, die ich meine. Es ist die ganz alltägliche, beinahe wäre man verführt von Normalität zu sprechen, also die üblichen Haltungen, die sowohl Männer wie auch Frauen den Frauen entgegenbringen. Und ich habe am eigenen Leibe und bei meinen Kolleginnen gemerkt, wie gut wir Mädels doch sozialisiert sind. Es funktioniert reibungslos.

Naja nicht ganz. Ich kann deshalb darüber schreiben, weil eine von uns anfing, an den anderen zu bemerken, wie harmoniesüchtig und nachgiebig im Sinne von kein standing sie doch waren. Und dann fing ein intensiver Bewusstseinsprozess an. Wir deckten die ganz normale Frauenmanipulation auf. Bei Vermietern, bei Handwerkern, bei Versicherungen, bei Krankenkassen, bei Rechtsanwälten und vielen anderen, auch Einzelpersonen. Und wir wurden ganz kleinlich, ganz genau, ganz bitzelig. Und wurden unsympathisch und unnachgiebig. Es hat uns gut getan. Es ist uns schwergefallen, nicht mehr nett zu sein.

Am Ende ist mein kleines Universum ganz verändert. Zum Besseren, wie ich hoffe. Und ich bin erschüttert und nachdenklich. Die Praxis in Wien haben wir sang- und klanglos zurückgegeben. Ich arbeite wieder in meinem gemütlichen kleinen Hotel in Hietzing. Ab März haben wir in der Bierbaumer Praxis eine neue Mitarbeiterin. Wir haben neue Versicherungsverträge. Rechnungen wurden zu unseren Gunsten abgeändert. Wir sparen viel Geld. Aber das ist nicht das Wesentliche.

Wir – ich darf dieses wir in Hinsicht auf wir gemeinschaftlich arbeitenden Essenzentherapeutinnen, aber auch wir Frauen gebrauchen – wir müssen begreifen, dass Bewusstseinsarbeit, Seelenarbeit immer auch feministisch ist. Es ist allgemein bekannt, dass Frauen beispielsweise ein wesentlich höheres Risiko haben, an einem Herzinfarkt zu sterben als Männer. Um Frauen macht man halt nicht so ein G’schiss wie um die Männer, auch bei lebensgefährlichen Erkrankungen. Und ich will hier noch einmal betonen: es sind nicht die Männer, die mit uns Frauen so umgehen. Nein, es sind Männer und Frauen. Wir haben alle gelernt, wie man mit Frauen umgeht. Wir wissen, wo es geschieht und wie es geschieht: Jeden Tag in der Familie, die nicht ohne Grund die kleinste Zelle des Staates genannt wird. Kinder beobachten, wie der Papa sich zur Mama verhält. Und sie beobachten, was die Mama sich alles bieten lässt. Sie lernen, dass zwischen dem, was Papa oder Mama sagen und dem, was sie tun, ein riesengroßer Unterschied ist. Und so machen sie es später auch. Und so geht es weiter, immerzu. Da helfen keine Gesetze und kein Gerede über Frauenrechte. Letzteres kann eh keiner mehr hören und zu Recht. Zu wissen, wo es gelernt und und wie es gelernt wird, ändert leider noch gar nichts. Gelernt ist gelernt.

Es bleibt ein lebenslanger Kampf um das eigene Seelenheil.  

 

9. Februar 2010

 

Lang, lang ist’s her.....

 

Da habe ich diesen Text von Cambra Skadé allen ans Herz gelegt. Nun habe ich ihn gerade wiedergefunden beim Stöbern in alten Papieren. Und lege ihn nun wieder allen ans Herz:

 

Ich frage dich,

bist du ab und zu über deinen Schatten gesprungen?

Hast du selbst bestimmt, wie du lebst?

Hast du gekämpft für das, was richtig war?

Hast du den Mut gehabt, aus heiterem Himmel zu lachen

Und dabei dir, deiner dunklen Seite zu begegnen?

Hast du eine Zeit der Einsamkeit gekannt,

bist du durch Wüsten gegangen und dabei stärker geworden?

Hast du dich hingegeben und berühren lassen?

Waren deine Begegnungen lust- und liebevoll?

Hast du dich selbst vergessen im Wind gedreht,

bist im warmen Regen gelaufen und in die Pfützen gesprungen?

Was hast du dir erlaubt?

Hast du barfuss unter freiem Himmel getanzt?

Hast du dich beflügeln lassen von deiner Fantasie?

Bist du im Mondschein durch samtenes Wasser geschwommen

Und hast dabei die Nacht entdeckt?

Hast du an Lagerfeuern Geschichten erzählt und den Frauen zugehört?

Hast du etwas riskiert?

Warst du einfallsreich?

Hast du deinen Einfällen die Möglichkeit gegeben,

dich reich zu machen?

Hast du deine Träume gelebt?

Bist du neugierig geblieben auf das, was noch kommt?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. Februar 2010

 

Billiger Wahlkampf

 

 

Ich dachte, ich komme drumherum, das politische Tagesgeschäft ist ja nun wirklich nicht meine Baustelle, dazu ist mir das meiste viel zu wirklichkeitsfremd. Aber nun hat mich das gutgemeinte Statement einer Facebook-Verbindung aufgeweckt. Es geht um den Hundeführerschein. Es geht um Wahlkampf. Es geht um Populismus der ganz, ganz billigen Art. Und hier zeigt sich, dass es mittlerweile offenbar kein politisches Lager mehr gibt, das sich nicht zu schade dafür ist, auf so dumme Weise auf sicheren Stimmenfang zu gehen.

Dass es Hunderassen gibt, die aufgrund ihrer Größe und ihres Wesens lebensgefährlich für Menschen reagieren können, ist bekannt. Dass es Menschen gibt, die sowohl dumm wie gewaltbereit sind und solche Hunde „scharf“ machen oder in Situationen bringen, in denen niemand sie unter Kontrolle hat, ist auch bekannt.  Kein normaler Mensch käme auf die Idee, einen Rottweiler oder Dobermann unbewacht in der Nähe eines Kleinkindes zu belassen.  Kein normaler Mensch käme auf die Idee, eine fast 80jährige alte Dame zusammen mit zwei scharf gemachten Zwinger-Hunden auf ihrem Areal allein zu lassen.  Auch dann nicht, wenn – wie in den meisten Fällen – die Hunde bisher immer brav gewesen sind.

Nun will man die Zucht dieser Hunde verbieten. Das wird zum Ergebnis haben, dass sich die dubiosen Hundehalter ihre Rottweiler halt woanders besorgen. Aus der Slowakei oder aus Ungarn, so wie es der Halter der beiden Rottweiler, die die alte Dame getötet haben, ja getan hat. Nun wird man den Hundeführerschein einführen.  Und mir wird das Herz ganz schwer.  Denn ich frage mich, wer wird es sein, der dann darüber zu befinden hat, dass beispielsweise jemand wie ich mit Hunden umgehen kann. Wir haben hier in der Steiermark einen sehr bekannten angeblichen Hundeflüsterer, dessen Namen ich hier nicht nenne, denn ich will ihn hier ungestraft als Hundebrecher bezeichnen können. Gern sagt er den meist verzweifelten Besitzern von „Problemhunden“, die alles andere als zu den gefährlichen Rassen gehören, dass man sie ihm ein paar Tage überlassen solle. Sie seien dann wie ausgewechselt, brav und folgsam. Die meisten dieser Hundebesitzer tun das dann auch und in der Tat erhalten sie dann einen superbraven Wuffi zurück. Wie er das macht? Von wegen Hundeflüsterer. Er lässt einem Dackel, der an der Leine zieht, beispielsweise eine große Plastikflasche, die mit Kieselsteinen gefüllt ist, auf den Kopf fallen, sobald das Tier an der Leine zieht. Tja.

Und ich bin ganz sicher, dass es genau der sein wird, der darüber befinden wird, ob Leute wie ich die Befähigung zur Hundehaltung erhalten.

Ich bin eigentlich eine Katzenfrau. Es ist nicht meine Natur, anderen Befehle zu erteilen. Aber ich lebe seit vielen, vielen Jahren mit Hunden, und die benötigen im Gegensatz zu Katzen klare Ansagen und meinen unzweifelhaften Anspruch auf Führerschaft. Ich habe es gelernt und bin meinen Hunden dankbar, denn ich denke, ich wurde durch ihre Schulung eine recht gute Chefin auch gegenüber Menschen.

Die Kompetenz, die ich mittlerweile erlangt habe, sollen zwei Geschichten belegen:

Da gab es Sully, der mein über alles geliebter Hundegefährte Sully wurde. Er war ein Labrador-Dobermannmischling, ein Zwingerhund und gute vier Jahre alt, als ich ihn aus seinem Zwinger befreite. Er war äußerst liebenswürdig zu mir, aber er betrachtete alle, die näher als einen Meter an mich herantraten, als Feind. Und er war offensichtlich von seinen Vorbesitzern „scharf“ gemacht, das heißt, man hatte ihm beigebracht, keine Beißhemmung gegenüber Menschen zu haben. Ich hätte eigentlich dafür sorgen müssen, dass er nicht in die Nähe von anderen Menschen kommt und ihn nur mit Beißkorb und Leine und mit scharfen Befehlen dirigieren sollen. Um es kurz zu machen, ich brachte Sully bei, dass ich es nicht WOLLTE, dass er feindselig zu anderen Menschen war. Er erfüllte mir diesen Wunsch selbstverständlich. Und ich benötigte nichts anderes als eine klare Haltung und – wie gesagt – den freundlichen, aber deutlichen Ausdruck, dass ich die Chefin bin. Aus Sully wurde nicht nur mein ständiger Begleiter, er wurde ein empathischer Therapiehund, der Seminarteilnehmer tröstete, wenn sie im Laufe der Seelenarbeit in Tränen ausbrachen. Und einmal rettete er mich aus einer Situation, die sonst vielleicht sogar mein Leben gekostet hätte, als ich in München zu früher Stunde mit ihm im Englischen Garten spazierenging. Ein Triebtäter versuchte, mich zu überfallen. Versuchte. Denn Sully schlug ihn in die Flucht. Natürlich gab es viele Situationen, die ich vermied. Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, Kinder in seinem Beisein zu herzen, geschweige denn ihn unbeaufsichtigt mit anderen Menschen zusammen zu lassen. Sully  lebte sieben Jahre lang ein artgerechtes Leben bei mir und viele Menschen, die ihn kannten, sprechen noch heute in Freude von ihm.

Die zweite Geschichte ist die Geschichte eines ungeliebten Problemhundes der Luxusklasse. Eine befreundete Familie übernahm einen flatcoated Retriever, der sein Zuhause verloren hatte, weil die Besitzer ihn zu schwierig fanden. Diese Hunderasse, hat mit dem golden Retriever, der aus dem Labrador herausgezüchtet wurde, nicht viel zu tun. Ein großer schwarzer Hund; eine Rasse, die sich Leute gern zulegen, denen Äußerlichkeiten wichtiger sind als innere Werte und so ein flatcoated Retriever  gilt irgendwie als schick. Dieser Hund, von dem hier die Rede ist, hat leider – was man sonst nur von Spaniels kennt – keine Fressbremse. Er war entsprechend dick und wenn seine neuen Besitzer sich die Mühe gemacht hätten, etwas über Problemhunde zu lernen, dann hätten sie gewusst, dass das Fressen seine Schwachstelle ist. Abgesehen davon lebte der Hund in diesem großen Haus, in dem zwei Generationen lebten, aber er gehörte keinem. Niemand fühlte sich besonders für ihn zuständig. Er war halt da. Eines Tages, als er sich über den alten Futterteller der Hauskatze hermachen wollte und der Senior ihm diesen wegnehmen wollte, biss er zu. Und zwar so heftig, dass der Senior ins Spital musste. Kurze Zeit später biss er noch einmal zu, als seine Frau ihm den Katzenteller wegnehmen wollte. Auch sie verletzte er  erheblich.  Und kurze Zeit später ging er während einer kleinen Party, die im Hause stattfand, auf ein kleines Kind los, das herumsprang.  Nun wussten auch seine Besitzer endlich, dass gehandelt werden musste. Eines hätte man ganz sicher nicht können: man hätte ihn nicht weitergeben können. Man hätte ihn einschläfern lassen können. Man hätte ihn zur Züchterin zurückgeben können. Man hätte endlich, endlich lernen können, ihm das zu geben, was er brauchte. Liebe und einen Menschen, der sich für ihn verantwortlich fühlt und ihm klare Ansagen gab. Gott sei Dank entschied sich die Familie zu Letzterem. Man probierte einige Hundeflüsterer aus und lernte, was es zu lernen gab. Aber das alles hätte nicht geholfen, wenn nicht das Wichtigste passiert wäre, nämlich dass sich Menschen für den Hund wirklich verantwortlich erklärten und dies dem Hund auch zeigten. Seither hat es nie mehr Vorfälle gegeben. Und selbstverständlich wird darauf geachtet, dass der Hund bei größeren Familienfesten, wenn Kinder dabei sind, nicht anwesend ist.

 

Zur Zeit habe ich – die meisten meiner Leser/innen werden es wissen – sechs Hunde.  Ich lebe mit ihnen am Land und Nachbarn haben wir auch keine, darum ist es überhaupt möglich mit so einer großen Hundefamilie zu leben.  Ich nehme keinen von ihnen mit nach Wien. Traurig erinnere ich mich an die schönen Jahre, als ich dort noch wohnte und mit meiner Hündin Ava am Rotenberg zusammen mit vielen anderen Hunden und ihren Menschen ausgiebig spazierenging. In den späteren Jahren, als ich mit Sully und Tipsy nach Wien kam, schlug mir schon eine hässliche Atmosphäre von Feindseligkeit entgegen. Losgetreten hatte das eine junge Mutter, die erreichen wollte, dass man Hunde von Kinderspielplätzen fernhält (was ja mehr als zu begrüßen ist). Was sie damit lostrat, war eine Hundehasser-Bewegung, die immer unerträglicher wurde und mit der Notwendigkeit einer Regelung von Hundehaltung nichts zu tun hat.  Heute haben sich Politiker aller Farben draufgesetzt, denn damit sind Wählerstimmen zu keilen wie immer, wenn es nicht mehr um sachliche Argumente sondern das Aufwühlen dumpfester Emotionen geht.  Sie bedienen sich alle der Hundehasserbewegung. Und schauen nicht hin, was sie damit anrichten. Alles, was dazu geeignet ist, Feindseligkeit zwischen sozialen Gruppen zu schüren, ist verwerflich und verantwortungslos. Hier geht es nicht um etwas Vernünftiges, wenn der Hundeführerschein gefordert wird, hier geht es ganz im Gegenteil um Polarisierung.  Das Argument, ein jeder dürfe Hunde halten ohne nachzuweisen, dass er mit ihnen umgehen könne, ist dabei besonders scheinheilig.

 

Wenn das so ist, dass man das demnächst nachweisen muss,  bin ich dafür, dass der Elternführerschein eingeführt wird. Denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind Tierschützer/innen Menschen, die Kinder lieben.  Und ich bin ganz sicher, dass unter denen, die sich anmaßen, uns Hundehalter kontrollieren zu wollen, etliche sind, die im Umgang mit Kindern unbelastet von pädagogischem Wissen sind. Wie immer auch von Seiten derer, die behaupten, im Dienste der Besonnenheit zu stehen und den Hundeführerschein für alle zu fordern, argumentiert wird. Es ist ein wenig so, als würde man alle Österreicher des Rechtsextremismus bezichtigen, nur weil es H.C. Strache gibt. Und der Hundeführerschein als Gesetz ist ungefähr so, als würde man jedem österreichischen Bürger/rin einen Kurs und Nachweis in demokratischer Haltung abnötigen, um sicherzustellen, dass sie keine Rechtsextremisten a la H.C. Strache sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. Februar 2010

 

Ich suche......

 

......dringend:

 

  1. Frauen, die Lust haben, zwischen Mai und September für einige Zeit am Schlangenberg zu helfen. Besonders zu den Zeiten, wenn Seminare und Veranstaltungen stattfinden. Interessentinnen sollten tierlieb sein (na no net), gern im Freien arbeiten und kochen können oder doch zumindest in der Küche helfen (Gemüse putzen etc.).
  2. Therapeutinnen, Energetikerinnen, Kinesiologinnen etc., die Lust haben, selbständig und doch in einem Team in der Wiener Gemeinschaftspraxis im 3. Bezirk zu arbeiten. Die Praxis besteht aus einem kleinen Büro und drei wunderbaren Therapieräumen. Sie ist hell, geräumig und hat eine gute Schwingung. Zur Zeit sind wir drei Essenzentherapeutinnen und 1 Coach und hätten sehr gern noch zwei weitere Teammitglieder, die sich mit uns die Räume teilen.

 

Bei Interesse bitte unter: 0676-6806657 melden. Oder mailen: aliti@schlangenberg.at

 

2. Februar 2010

 

Therapie bedeutet.....

 

...geplante Veränderung. Während des gesamten Veränderungsprozesses bietet die Therapeutin einen festen Halt, sie erkennt die menschlichen Gemeinsamkeiten bei sich und ihrer Klient/in – sie weiß, dass solche Veränderungen einen Lebensprozess darstellen, dem wir alle unterworfen sind und sie weiß auch, dass wir alle Angst haben. Die Therapeutin glaubt fest daran, dass ihre Klient/in alles hat, was er oder sie braucht, um den eigenen Weg zu finden und dirigiert den Prozess, indem sie der Klient/in im Abstand von einem halben Schritt folgt und die Athmosphäre schafft, die dem therapeutischen Prozess und der Entwicklung der Klient/in förderlich ist.

(Virginia Satir)

 

27. Jänner 2010

 

Glück ist.....

 

 

Auf ein kleines Wunder zu schauen. Das Wunder liegt sechsfach auf einer Liege in der Wintersonne. Meine drei nicht mehr gar so kleinen Welpen haben sich zu meiner Katze Dschou-Dschou gelegt, fest an sie gekuschelt. Roberta und Pauline mit dem Kopf auf Dschou-Dschous Rücken. Als die beiden „Großen“ Lola und Samba vom Spielen hereinkamen, haben sie sich auch einfach dazugelegt. Ein Fellhaufen, bestehend aus fünf Hunden und einer Katze. Und ich stehe davor und kann es kaum fassen vor Freude.

Seit einigen Tagen haben wir in der Praxis in Bierbaum einen roten Kater, der uns, ziemlich unterernährt und verschnupft, zugelaufen ist. Er genießt sein neues Leben, gut und reichlich gefüttert und vom Tierarzt wieder auf die Beine gebracht. Allerdings ist er dermaßen begeistert über sein neues Zuhause, dass er wie eine Furie unsere Hunde angreift, wenn sie hin und wieder mal eine von uns in die Praxis begleiten. Falls jemand einen Einzelplatz zu bieten hat, am besten jemand, der viel Zeit hat, mit einem Kater zu schmusen, bitte melden.

Glücklich bin ich auch darüber, dass zwei Tierschützerinnen aus Deutschland vor kurzem in das rumänische Pascani gereist sind, um Claudia Popescu kennenzulernen und herauszufinden, wie man ihr am besten und effizient helfen kann. Sie sind ganz begeistert über diese junge Frau und ihre große Tapferkeit. Wie sie berichteten, mussten sie ein paar Mal mit schweren Futtersäcken auf dem Rücken die letzten hundert Meter zum „Tierheim“ zurücklegen, weil das Auto im Schnee steckengeblieben war. Claudia fährt regelmäßig nach der Arbeit im Finstern (und hat noch nicht einmal eine Taschenlampe!) mit Taxi oder chauffiert von Freunden hinaus, um sich um die Hunde zu kümmern. Die letzten Hundehütten sind nun fertig und liegen noch immer im Rathaus, wo man es nicht eilig hat, sie zu den Hunden zu bringen. Und als ob sie nicht schon genug Sorgen hätte, wurde sie nun auch noch Opfer des Wichtigkeitswahns einiger Tierschützerinnen. Das hat ja fast schon Tradition in der Welt des Tierschutzes, wo es dazu zu gehören scheint, dass sich Menschen  in ihr aufhalten, deren eigene seelische Bedürftigkeit und knappe geistige Ausstattung so bedenklich ist wie ihr daraus resultierendes Verhalten. Wo es um Geld geht, erwachen halt die niedersten Instinkte in manchen Menschen. Ich hoffe jedoch, ich konnte Claudia Popescu gegen einige bizarre Anschuldigungen zur Seite stehen. Falls es nichts genutzt haben sollte, muss man halt knalliger reagieren. Ich will jedoch zuversichtlich positiv denken und gehe davon aus, dass jetzt Ruh ist.

 

22. Jänner 2010

Das Jahresprogramm

 

19. Februar

Vortrag Thema: Feste feiern fasten

Apotheke zur Heiligen Elisabeth 1030 Wien

 

Über den Umgang mit Schlangenberg-Essenzen nach der Fülle der Feiertage und Bälle

 

20. Februar

Einführungsseminar Schlangenberg-Essenzen für Therapeuten

Metatron-Apotheke Wien

 

Blüten für den Start ins Leben

Ein Kurzseminar zur Ätiologie der Schlangenberg-Essenzen

Teilnahme frei – eine Aktion für Therapeuten der Metatron-Apotheke

 

Brombeere

Borretsch

Clematis

Veilchen

Ackerwinde

 

Diese fünf Blüten der Schlangenberg-Essenzen stehen für Koordination, fragloses Dasein, Realität, Vertrauen und Beharrlichkeit. Sie sind dazu geeignet, den Start ins Leben zu erleichtern und zu unterstützen.

 

In diesem Kurzseminar werden die Symptome auf der körperlichen, energetischen, emotionalen, geistigen und spirituellen Ebene betrachtet. Ebenso verhandelt Angelika Aliti den dazu gehörigen Archetypus sowie das   Lebensthema in seiner Leid erzeugenden Schattenform wie als erlöste Form, wenn es gelungen ist, über die Seelenarbeit die darin gebundene Energie freizusetzen, respektive zu erlösen.

 

 

28. – 31. März

Praxistage für Therapeuten

Praxis Beatrixgasse 1, Wien

150,-- Euro

 

Diese Praxistage dienen den bereits ausgebildeten und noch auszubildenden Essenzentherapeutinnen zur Erarbeitung von Techniken und Methoden im Zusammenhang mit der systemischen prozessorientierten Essenzentherapie.

 

10.4./11. April

Weiterbildungskurs für bereits ausgebildete Essenzentherapeutinnen

Praxis Beatrixgasse 1, Wien

350 Euro

 

 

13. – 16. Mai

Woche der Selbsterkenntnis

Schlangenberg Südoststeiermark

4 Tage 390 Euro

 

 

Die Wochen der Selbsterkenntnis auf dem Schlangenberg stehen seit jeher unter dem Motto

 

Durch sieben Tore in die Unterwelt und zurück

„Erkenne dich selbst“ stand am Eingang des Heiligtums in Delphi. Wer das Heiligtum betrat, ließ für eine Weile die alltägliche Welt hinter sich und suchte die Begegnung mit der Wahrheit.

 

Weil die Abgeschiedenheit und Intensität des Schlangenberges für viele Menschen eine große Lebenshilfe sein kann, habe ich mich entschlossen, ihn in diesem Jahr wieder für etwas ganz Besonderes zu öffnen.

Eine ganze Woche lang eine Reise auf den Spuren der Göttin Inanna in die Unterwelt und zurück.

Begleitet von mir gehst du durch sieben Stationen in die Tiefe und lässt bei jeder Station einen Teil deines äußerlichen Lebens hinter dir. Die Welt hinter dem siebten Tor ist bestimmt von vollkommener Freiheit. Hier hast du Gelegenheit, mit dem Herzen zu erkennen, dass du es selbst bist, die darüber entscheidet, ob dein Leben die Hölle oder das Paradies ist.

 

Das Thema dieser Woche: Wechseljahre

und der Mut ist so müde geworden und die Sehnsucht so groß (Rilke)

 

Dem Mythos zufolge führte Inanna die Speise des Lebens und das Wasser des Lebens mit sich. Auch du bekommst als symbolische Wegzehrung Schlangenberg-Essenzen mit auf die Reise. Außerdem benötigst du symbolische Ausdrücke für das, was du an den Toren ablegst. Ich bitte dich, dir entsprechende Symbole von daheim mitzubringen, die für dich das bedeuten, was an den entsprechenden Toren abgelegt werden soll.

1. Tor            Freudlosigkeit, Vorwurfshaltung, Geltungsbedürfnis, Passivität, Bequemlichkeit

2. Tor            Ver- und Vorurteile, Geilheit, Habgier, Dummheit, Mutlosigkeit, Manipulation

3. Tor            Hass, Lieblosigkeit, Missgunst, Verachtung, Missmut

4. Tor            Hochmut, Neid, Eifersucht, Groll

5. Tor            Rache, Schuld, Zerstörungslust

6. Tor            Sucht, Grausamkeit

7. Tor            Angst

 

27. Mai

Angelika Aliti

Vortrag Archetypen in der Therapie

Praxis Beatrixgasse 1 Wien

Eintritt frei

 

28. – 30. Mai

Seminar

Archetypen in der Therapie (Das Maß aller Dinge)

Praxis Beatrixgasse 1 Wien

180 Euro

 

In diesem Seminar geht es darum, die 13 Archetypen nach dem Buch „Das Maß aller Dinge“ für die therapeutische Praxis zu erarbeiten. Es ist also vor allem für Menschen gedacht, die in einem heilerischen oder helfenden Beruf tätig sind.

13 innere Weise sind der kollektive Zugang zu Kraft und Energie. Sie sind gleichzeitig das Potenzial eines jeden Menschen wie auch die Chance, dass wir einander auf der tiefsten Ebene verstehen.

Wenn wir die Arbeit mit ihnen in die verschiedenen therapeutischen Techniken integrieren, können wir zu besseren Heilungsergebnissen finden.

 

Die Archetypen:

Frauen                                                                             Männer

 

Die Amazone                                                                                    Der Held

Die Bäuerin                                                                                    Der Bauer

Die Denkerin                                                                                    Der Denker

Die Liebende                                                                                    Der Liebende

Die Königin                                                                                    Der König

Die Wissende                                                                                    Der Wissende

Die Händlerin                                                                                    Der Händler

Die Heilerin                                                                                    Der Heiler

Die Künstlerin                                                                        Der Künstler

Die alte Weise                                                                                    Der Vater

Die Priesterin                                                                                    Der Priester

Die Mutter                                                                                    Buddha/Jesus

Die wilde Frau                                                                        Der wilde Mann

 

 

 

11. – 13. Juni

Der Gang ins Labyrinth

Schlangenberg Südoststeiermark

240 Euro

 

Ein Initiationswochenende für alle, die innehalten, nachdenken, nachspüren müssen; die eine Neuausrichtung benötigen; die sich selbst begegnen wollen, bevor sie weitergehen.

 

Am Schlangenberg befindet sich ein großes Steinlabyrinth mit 20 m Durchmesser, das nach kretischem Vorbild gestaltet ist. Dieses Labyrinth und das Erlebnis hineinzugehen, stehen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung. Insgesamt gehen die Teilnehmer/innen an diesem Wochenende dreimal hinein, darunter einmal nachts, um rituell und seelisch einen turning point im eigenen Leben wahrzunehmen.

Mit Unterstützung der Schlangenberg-Essenzen, die vorher individuell ausgetestet werden, erfahren die Teilnehmerinnen einen intensiven Prozess der Wandlung.

 

Wenn dein Leben eine Veränderung erfahren soll, du aber nicht weißt, wie du es beginnen sollst – wenn du über eine Grenze gehen musst, weil du in eine neue Phase deines Lebens gehst, dann geh ins Labyrinth.

 

 

 

3.7./4.7.

Weiterbildungskurs für bereits ausgebildete Essenzentherapeutinnen

Praxis Wien, Beatrixgasse 1

 

 

7. – 11. Juli

Woche der Selbsterkenntnis

Schlangenberg Südoststeiermark

5 Tage 430 Euro

 

Die Wochen der Selbsterkenntnis auf dem Schlangenberg stehen seit jeher unter dem Motto

 

Durch sieben Tore in die Unterwelt und zurück

„Erkenne dich selbst“ stand am Eingang des Heiligtums in Delphi. Wer das Heiligtum betrat, ließ für eine Weile die alltägliche Welt hinter sich und suchte die Begegnung mit der Wahrheit.

 

Weil die Abgeschiedenheit und Intensität des Schlangenberges für viele Menschen eine große Lebenshilfe sein kann, habe ich mich entschlossen, ihn in diesem Jahr wieder für etwas ganz Besonderes zu öffnen.

Eine ganze Woche lang eine Reise auf den Spuren der Göttin Inanna in die Unterwelt und zurück.

Begleitet von mir gehst du durch sieben Stationen in die Tiefe und lässt bei jeder Station einen Teil deines äußerlichen Lebens hinter dir. Die Welt hinter dem siebten Tor ist bestimmt von vollkommener Freiheit. Hier hast du Gelegenheit, mit dem Herzen zu erkennen, dass du es selbst bist, die darüber entscheidet, ob dein Leben die Hölle oder das Paradies ist.

 

Das Thema dieser Woche: Loslassen lernen

„ Aus dunklem Wein und tausend Rosen rinnt die Stunde in den Traum der Nacht“ (Rilke)

 

Dem Mythos zufolge führte Inanna die Speise des Lebens und das Wasser des Lebens mit sich. Auch du bekommst als symbolische Wegzehrung Schlangenberg-Essenzen mit auf die Reise. Außerdem benötigst du symbolische Ausdrücke für das, was du an den Toren ablegst. Ich bitte dich, dir entsprechende Symbole von daheim mitzubringen, die für dich das bedeuten, was an den entsprechenden Toren abgelegt werden soll.

1. Tor            Freudlosigkeit, Vorwurfshaltung, Geltungsbedürfnis, Passivität, Bequemlichkeit

2. Tor            Ver- und Vorurteile, Geilheit, Habgier, Dummheit, Mutlosigkeit, Manipulation

3. Tor            Hass, Lieblosigkeit, Missgunst, Verachtung, Missmut

4. Tor            Hochmut, Neid, Eifersucht, Groll

5. Tor            Rache, Schuld, Zerstörungslust

6. Tor            Sucht, Grausamkeit

7. Tor            Angst

 

 

23. – 25. Juli

Der Gang ins Labyrinth

Schlangenberg Südoststeiermark

240 Euro

 

Ein Initiationswochenende für alle, die innehalten, nachdenken, nachspüren müssen; die eine Neuausrichtung benötigen; die sich selbst begegnen wollen, bevor sie weitergehen.

 

Am Schlangenberg befindet sich ein großes Steinlabyrinth mit 20 m Durchmesser, das nach kretischem Vorbild gestaltet ist. Dieses Labyrinth und das Erlebnis hineinzugehen, stehen im Mittelpunkt dieser Veranstaltung. Insgesamt gehen die Teilnehmer/innen an diesem Wochenende dreimal hinein, darunter einmal nachts, um rituell und seelisch einen turning point im eigenen Leben wahrzunehmen.

Mit Unterstützung der Schlangenberg-Essenzen, die vorher individuell ausgetestet werden, erfahren die Teilnehmerinnen einen intensiven Prozess der Wandlung.

 

Wenn dein Leben eine Veränderung erfahren soll, du aber nicht weißt, wie du es beginnen sollst – wenn du über eine Grenze gehen musst, weil du in eine neue Phase deines Lebens gehst, dann geh ins Labyrinth.

 

 

11. – 15. August

Woche der Selbsterkenntnis

Schlangenberg Südoststeiermark

5 Tage 430 Euro

 

Die Wochen der Selbsterkenntnis auf dem Schlangenberg stehen seit jeher unter dem Motto

 

Durch sieben Tore in die Unterwelt und zurück

„Erkenne dich selbst“ stand am Eingang des Heiligtums in Delphi. Wer das Heiligtum betrat, ließ für eine Weile die alltägliche Welt hinter sich und suchte die Begegnung mit der Wahrheit.

 

Weil die Abgeschiedenheit und Intensität des Schlangenberges für viele Menschen eine große Lebenshilfe sein kann, habe ich mich entschlossen, ihn in diesem Jahr wieder für etwas ganz Besonderes zu öffnen.

Eine ganze Woche lang eine Reise auf den Spuren der Göttin Inanna in die Unterwelt und zurück.

Begleitet von mir gehst du durch sieben Stationen in die Tiefe und lässt bei jeder Station einen Teil deines äußerlichen Lebens hinter dir. Die Welt hinter dem siebten Tor ist bestimmt von vollkommener Freiheit. Hier hast du Gelegenheit, mit dem Herzen zu erkennen, dass du es selbst bist, die darüber entscheidet, ob dein Leben die Hölle oder das Paradies ist.

 

Das Thema dieser Woche: das heimlich gefühlte Unglück

Sie sagen alle: du hast Zeit, was kann dir fehlen, Kind?“ (Rilke)

 

Dem Mythos zufolge führte Inanna die Speise des Lebens und das Wasser des Lebens mit sich. Auch du bekommst als symbolische Wegzehrung Schlangenberg-Essenzen mit auf die Reise. Außerdem benötigst du symbolische Ausdrücke für das, was du an den Toren ablegst. Ich bitte dich, dir entsprechende Symbole von daheim mitzubringen, die für dich das bedeuten, was an den entsprechenden Toren abgelegt werden soll.

1. Tor            Freudlosigkeit, Vorwurfshaltung, Geltungsbedürfnis, Passivität, Bequemlichkeit

2. Tor            Ver- und Vorurteile, Geilheit, Habgier, Dummheit, Mutlosigkeit, Manipulation

3. Tor            Hass, Lieblosigkeit, Missgunst, Verachtung, Missmut

4. Tor            Hochmut, Neid, Eifersucht, Groll

5. Tor            Rache, Schuld, Zerstörungslust

6. Tor            Sucht, Grausamkeit

7. Tor            Angst

 

8. – 12. September

Woche der Selbsterkenntnis

Schlangenberg Südoststeiermark

5 Tage 430 Euro

 

Die Wochen der Selbsterkenntnis auf dem Schlangenberg stehen seit jeher unter dem Motto

 

Durch sieben Tore in die Unterwelt und zurück

„Erkenne dich selbst“ stand am Eingang des Heiligtums in Delphi. Wer das Heiligtum betrat, ließ für eine Weile die alltägliche Welt hinter sich und suchte die Begegnung mit der Wahrheit.

 

Weil die Abgeschiedenheit und Intensität des Schlangenberges für viele Menschen eine große Lebenshilfe sein kann, habe ich mich entschlossen, ihn in diesem Jahr wieder für etwas ganz Besonderes zu öffnen.

Eine ganze Woche lang eine Reise auf den Spuren der Göttin Inanna in die Unterwelt und zurück.

Begleitet von mir gehst du durch sieben Stationen in die Tiefe und lässt bei jeder Station einen Teil deines äußerlichen Lebens hinter dir. Die Welt hinter dem siebten Tor ist bestimmt von vollkommener Freiheit. Hier hast du Gelegenheit, mit dem Herzen zu erkennen, dass du es selbst bist, die darüber entscheidet, ob dein Leben die Hölle oder das Paradies ist.

 

Das Thema dieser Woche: Wechseljahre

„und der Mut ist so müde geworden und die Sehnsucht so groß (Rilke)

 

Dem Mythos zufolge führte Inanna die Speise des Lebens und das Wasser des Lebens mit sich. Auch du bekommst als symbolische Wegzehrung Schlangenberg-Essenzen mit auf die Reise. Außerdem benötigst du symbolische Ausdrücke für das, was du an den Toren ablegst. Ich bitte dich, dir entsprechende Symbole von daheim mitzubringen, die für dich das bedeuten, was an den entsprechenden Toren abgelegt werden soll.

1. Tor            Freudlosigkeit, Vorwurfshaltung, Geltungsbedürfnis, Passivität, Bequemlichkeit

2. Tor            Ver- und Vorurteile, Geilheit, Habgier, Dummheit, Mutlosigkeit, Manipulation

3. Tor            Hass, Lieblosigkeit, Missgunst, Verachtung, Missmut

4. Tor            Hochmut, Neid, Eifersucht, Groll

5. Tor            Rache, Schuld, Zerstörungslust

6. Tor            Sucht, Grausamkeit

7. Tor            Angst

 

14. Jänner 2010

 

Der WääähWääähWinter

 

Es hat etwas Kindliches, sich über den Winter zu beschweren, ich gebe es zu. Aber ich tu’s. Davon wird es zwar auch nicht wärmer, aber es hat so etwas Entlastendes.

Mein gutes Verhältnis zu Saturn ist wie eine Zweckheirat. Man weiß, man liebt sich nicht. Aber man braucht sich und es ist ja auch sinnvoll. Also wenden wir uns der Arbeit zu, dann erträgt es sich leichter.

An diesem Wochenende geht es weiter mit dem Ausbildungskurs zur systemischen prozessorientierten Essenzentherapeutin.

Die Gemeinschaftspraxis für eben diese Therapie in Wien rückt nun auch in erreichbare Nähe. Ab Februar öffnet sie ihre Tür in der Beatrixgasse 1 im 3. Bezirk.

Ich bin nun auf der Suche nach einem alten, aber noch fahrtüchtigen Auto für Claudia Popescu in Rumänien. Das Tierheim liegt weit außerhalb der Stadt und sie bewältigt ihre täglichen Fahrten dorthin auf abenteuerliche Weise, und ist dabei immer auf die Freundlichkeit anderer angewiesen. Immer wieder ist ein Hund zum Tierarzt zu bringen,; sie muss Futter transportieren, weil die Stadt die Hunde nur sehr sporadisch füttert.  Ein Auto, und wäre es noch so klapprig, wäre da eine große, große Hilfe. Also falls wer was weiß – ich bin für jeden Tipp dankbar.

 

10. Jänner 2010

Hier kommen Neuigkeiten von den Hunden von Pascani:

www.dackelschnauze.com

 

Wir haben etwas mehr als 1.600 Euro sammeln können, die ohne Abzug nach Pascani geschickt wurden.

Ich habe nun vor, mit offiziellen Briefen an das Rathaus von Pascani Druck zu machen, um die Verhältnisse dort zu verbessern und Claudia Popescu zu unterstützen. Im Ton äußerst höflich und freundlich, in der Absicht bestimmt. 

 

10. Jänner 2010

 

Durchhalten

 

 

Immerhin: wir konnten bisher keinen Tsunami verzeichnen, weil Erdbeben gab es auch keines. Ansonsten versammeln sich zur Zeit sämtliche Schlecht-Wetter-Erscheinungen am Schlangenberg, die es nur geben kann. Hamburg schickte uns den Hochnebel und den Regen, die Alpen den Schnee, Sibirien die Kälte, London seinen Tiefnebel, das Mittelmeer feuchte Luft – wenn ich aus dem Fenster schaue, ist die Welt hinter Grau und Weiß verschwunden.  So ist es also in Saturns eigener Zeit, der Jänner/Januar. Da heißt es Durchhalten.

Ich lebe nun seit fast 20 Jahren hier und eines ist sicher: die Winter werden immer hässlicher, kälter, härter. Und noch immer hat es keiner der Umweltexperten geschafft, mir verständlich zu erklären, wie das mit der Klimaerwärmung zusammenhängt. Im Grunde ist man mir eine Erklärung für den Blödsinn mit dem dann doch nicht stattgefundenen Waldsterben noch schuldig.

Das alles trägt nicht dazu bei, mein ohnehin schon trübes Gemüt zu erhellen. Kalt ist mir dabei dennoch nicht, denn ich glühe vor Zorn. Warum? Ich wurde in den letzten Wochen auf geballte Weise Zeugin vielen Frauenleids. Frauenleid, das einem erst einmal nicht so spektakulär vorkommt, waren die Ereignisse doch eher still und unerkannt. Es handelt sich um Achtlosigkeit, Lieblosigkeit, kleine und größere seelische Misshandlungen, begangen von den dazugehörigen Ehemännern. Was mich vor Zorn erglühen lässt, ist die Kombination von Selbstverständlichkeit und Heimlichkeit. Die Frauen reden nicht drüber, höchstens, wenn sie unter Druck gesetzt werden. Ich sehe verweinte Augen oder wundere mich über infantile Passivität der ansonsten erwachsenen und gestandenen Frauen. Wenn ich nachfrage, wird abgewiegelt. Groß ist die Scham darüber, so etwas mit sich machen zu lassen. Und alle sind sie wirtschaftlich verstrickt mit ihren Männern, weshalb ihnen eine wehrhafte Haltung völlig undenkbar erscheint. Sie geben nach, sie halten still, sie verbergen ihren Schmerz vor sich und vor anderen. Sie halten durch.

Vor einigen Tagen schrieb mir eine junge Frau, mein Buch „Die wilde Frau“ sei so etwas wie eine Bibel für sie. Ich dachte: ach Kind, das ist doch Schnee von gestern. So war es 1993, als das Buch erschien. Nun betrachte ich diese vielen kleinen privaten Szenarien, in denen es um ganz selbstverständliche Herabsetzungen, um alltägliche ungeahndete Erniedrigungen geht, mit denen Männer ihr mickriges Selbstwertgefühl unberechtigt auffetten und weiß: Nein, nichts hat sich geändert.

Ich spiele das Spiel nicht mit. Es gab Jahre zwischendrin, da taten sie mir leid, die Männer. Dieses Mitleid hält sich in Grenzen, solange sie es wagen, Frauen gegenüber übergriffig und – ja, es lässt sich nicht anders bezeichnen – psychisch gewalttätig aufzutreten; solange sie ihre Grenzen nicht kennen und glauben, sie könnten sich so benehmen, nur weil es niemand mitbekommt.

 

Und ich höre nicht auf, darauf hinzuweisen, was hilft: Öffentlichkeit, Öffentlichkeit, Öffentlichkeit. Frauen, macht den Mund auf, sprecht drüber, erzählt es anderen. Glaubt nicht, dass es nur euch passiert. Glaubt nicht, dass es eure Schuld ist. Lasst es euch nicht gefallen. Haltet nicht durch. Lernt zu kämpfen, lernt, euch zu wehren.

 

 

 

 


7. Jänner 2010

 

Und nun auch noch der Tod

 

Jede Angst ist Angst vor dem Tod. Jede Angst lässt sich am Ende auf diesen Grund zurückführen. Angst vor dem Unbekannten, Angst vor Auslöschung. Der Tod ist verleugneter und bekämpfter Bestandteil der westlichen europäischen Zivilisation. Wir dürfen die Zivilisation der USA getrost der europäischen zuordnen, sie sind im Grunde unser missratenes Kind. Als künstlichen, gewaltsamen Tod zelebrieren wir ihn täglich tausendfach im Fernsehen und im Kino. Als natürlichen Tod verstecken wir ihn und wollen ihn um jeden Preis verhindern.

Darüber habe ich im übrigen schon vor 20 Jahren ein Buch geschrieben: Die Sucht unsterblich zu sein.

Hätten wir als Zivilisation gelernt, mit dem Tod zu leben, hätte es keinen Hitler gegeben, keinen lächerlichen Jörg Haider inklusive seiner noch lächerlicheren, wenn auch nicht ungefährlichen Nachfolger, keinen Stalin, keinen George Dabbelju, keine prügelnden Ehemänner und auch keine Westentaschen-Dogmatiker/innen und –ideolog/innen.

Die Frage ist doch, wen oder was bekämpfen wir denn, wenn wir eine unverrückbare Position einnehmen? Bekämpfen Vegetarier/innen die Verbrechen an Tieren oder bekämpfen sie den Tod. Und die vielen Vegetarier/innen mögen mir verzeihen, sie stehen hier nur als Beispiel für viele andere Formen des Dogmatismus.

Es geht mir ja nicht anders. Wer mit Tieren lebt, muss mit dem Tod leben und wird sich immer und immer wieder in Situationen wiederfinden, in denen die Frage aufgeworfen wird, wie man denn damit umgehen kann. Zu entscheiden, dass ein liebstes Tier getötet werden muss, weil es so sehr leidet, dass ein Weiterleben nur eine einzige Qual ist, ist tonnenschwer, glaubt es mir. Und ich musste diese Entscheidung mehr als einmal treffen in meinem fröhlichen Landfrauenleben am Schlangenberg.

 

Zu lernen, dass der Tod nur eine weitere Transformation ist in einem an vorhergehenden, an Transformationen nicht armen Leben, ist das Wichtigste, was sich im Leben lernen lässt. Der Kampf, den wir in diesem Lernfeld zu kämpfen haben, ist der Kampf um Vertrauen. Vertrauen in das Leben; Vertrauen in das Schicksal; Vertrauen, dass jede Veränderung leichter ist, wenn wir sie geschehen lassen und nicht versuchen, sie zu vermeiden; Vertrauen, dass alles, was uns geschieht, einen Sinn hat. Auch der Tod. 

 

 

 

 


 

 

 

 

4. Jänner 2010

 Ideologen und Dogmatiker

 

Ich bin zur Zeit mit Jahresausblicken beschäftigt. Nie war das Bedürfnis nach Sicht auf die Zukunft so groß wie zu diesem Jahresanfang.

Dahinter steht Angst, das Grundgefühl unserer Kultur, mit dem alles geht. Warum haben zur Zeit mehr Menschen Angst vor dem Leben aus früher und warum haben die Menschen mehr Angst vor dem Leben als früher?

Es ist das Ergebnis jahrzehntelanger Bemühungen, die Angst loszuwerden. Sicherheit zu schaffen. Wie ich schon in einem meiner Bücher schrieb, braucht der Mensch ein ausgewogenes Verhältnis von Sicherheit und Wagnis in seinem Leben. Und in diesem Zusammenhang hören wir viele gute Ratschläge. Es sind interessanterweise immer Ratschläge in Richtung Sicherheit. Man muss Kompromisse eingehen, beispielsweise. Oder Ähnliches. Was soll man den Mist in allen Einzelheiten hier aufzählen. Mist ist es deshalb, weil es von ihrer eigenen verleugneten Angst getriebene Westentaschen-Ideologen sind, die da zu uns sprechen.

Angst kann ein Segen sein und ein Gift. Aus den Mündern der Angstideologen und Verzagtheitsdogmatikern ist es ein schreckliches, schleichendes, lähmendes Gift. Wenn wir es zu uns nehmen, werden wir zu alten Kindern, die vor lauter Angst, dass ihnen etwas geschehen könnte oder – oh je – sie etwas falsch machen könnten, gleich gar nicht anfangen zu leben.

Am größten ist das Elend, wenn Menschen diese Angstdevise „Handle nicht“ auch noch wie einen rechthaberischen Schild vor sich hertragen, der beweisen soll, wie gut sie doch sind und wie gedankenlos, egoistisch, schlecht, grausam und ekelhaft die anderen. Es sind immer die anderen. Sie selber sind gut, durch und durch gut. Der Beweis ist ihre Devise, die da lautet: „Ich tue nichts, darum kann ich auch nicht verantwortlich gemacht werden und wenn ich in dieser Hinsicht noch nicht hundertprozentig bin, so arbeite ich doch daran.“

Solche Leute sind Vegetarier und das nicht etwa, weil ihnen Gemüse und Nudeln besser schmecken als Fleisch, sondern weil sie das als ihren Beitrag betrachten, Gutes für die Tiere zu tun. Einmal abgesehen davon, dass sie in Erklärungsnot geraten, wenn sie die Herkunft des Leders an ihren Füßen oder der Wolle in ihrem Pullover oder der Stutenmilch in ihren Kosmetika oder des Katzenfutters für ihre Minka erklären müssen, ist das völliger Humbug. (Hitler war übrigens auch Vegetarier). Wir tun etwas für die Tiere, wenn wir uns beispielsweise aktiv daran beteiligen, dass wir Schlachthöfe haben, die Tiere nicht quälen.

Solche Leute spenden nicht für Hunde in Rumänien, weil es in unserem Land Menschen gibt, denen es schlecht geht und unsere Hilfe dringender brauchen. Erstaunlicherweise findet man die Namen dieser Leute auch nicht auf den Spendenlisten für Leute in unserem Land, denen es schlecht geht.

Solche Leute bringen sich in Sicherheit, wenn Jugendliche einen Mann tottreten, der ein paar Kinder vor den gewaltbereiten Jugendlichen schützen wollte. Dieser Mann würde noch leben, wenn die Angst den anderen nicht befohlen hätte, nicht zu handeln.

 

Ach, es ist ein elendes Gift diese Angst.

 

 

 

 


1.Jänner 2010

 

Es ist vollbracht 

 

Ich darf voller Freude bekannt geben, dass alle 12 Hundekinder, die wir aus Rumänien geholt haben, ein liebevolles Zuhause gefunden haben. Ganz großen Dank dem aktiven Tierschutz in Graz, die unbürokratisch und schnell geholfen haben. Dort habe ich die fünf Hundekinder hingebracht, für die es keine Menschen gab, die sie zu sich genommen hätten. Als ich gestern dort anrief, weil sich bei uns in der Region eine Interessentin gefunden hatte, waren schon alle fünf vergeben. Somit hat die gesamte Aktion einen erfolgreichen Abschluss gefunden.

Allen, die für das „Tierheim“ in Pascani gespendet haben, an dieser Stelle noch einmal (man kann es gar nicht oft genug sagen) einen großen, großen Dank. Diese Aktion ist für mich etwas ganz besonders Sinnvolles. Neben der finanziellen Unterstützung, um zu helfen, dass dieses Tierheim hundegerecht wird, arbeite ich daran, mit mehreren Tierärzten im Frühjahr nach Pascani zu reisen, um Sterilisationen im großen Maßstab zu organisieren. Und als nächstes möchte ich mit Hilfe von Claudia Popescu Lehrer finden, die an ihren Schulen Tierschutzunterricht geben. Bis dahin versuche ich Geld aufzutreiben, dass die 120 Hunde regelmäßig gefüttert werden können.

Der Schlangenberg geht seinem neuen Werden entgegen. Ich tüftele gerade daran, wo wir Gehege für die Esel und andere hinsetzen.

Euch allen ein wunderbares neues Jahr und dass ihr die Erfahrung machen dürft, dass das Leben euch liebt.